Sina Heck eröffnet in der Alten Tuchfabrik bei Euskirchen ein besonderes Modegeschäft. Die Anprobe wird zum Event – auch ohne Tränen.
HochzeitskleidIn Euskirchen bekommen Brautkleider für Curvy-Bräute eine zweite Chance

Sina Heck in der Alten Tuchfabrik in Eukirchen ein Geschäft für Hochzeitskleider eröffnet. Die Gymnicherin hat sich auf Second-Hand-Kleider und auf Übergrößen (Curvy) spezialisiert.
Copyright: Tom Steinicke
Es ist ein Projekt, in dem viel Herzblut steckt – im wahrsten Sinne des Wortes. Am 8. Mai eröffnet Sina Heck ihr Brautmodengeschäft „Glanzvoll Preloved“ in der Alten Tuchfabrik zwischen Euskirchen und Euenheim. Viel fehlt nicht mehr, wenn überhaupt. Der Raum wirkt bereits vollständig eingerichtet: Kleider hängen ordentlich sortiert, die Atmosphäre ist bewusst ruhig und privat gehalten.
Statt eines klassischen Ladenlokals mit großer Fensterfront setzt Heck in dem ehemaligen Fabrikgebäude auf einen geschützten Raum für ein persönliches Einkaufserlebnis im industriellen Chic. „Wir verkaufen nicht nur ein Kleid, sondern auch ein Erlebnis“, sagt sie.
Konzept ist auf Nachhaltigkeit ausgerichtet
Das Konzept ist klar auf Nachhaltigkeit ausgerichtet. Angeboten werden ausschließlich Secondhand- und sogenannte Sample-Kleider, Neuware wird bewusst nicht bestellt. Ein Teil des Sortiments stammt von Bräuten, die ihre Kleider in Kommission geben, ein anderer aus Brautläden oder von Messen – oder auch Insolvenzen.
Dabei handelt es sich um Modelle, die zwar präsentiert, aber nie verkauft wurden. „Es ist einfach schade, wenn diese Kleider nur einmal getragen werden und dann verschwinden“, erklärt Heck. Zudem verweist sie darauf, dass auch Kleider im klassischen Handel bereits anprobiert wurden und neue Modelle meist eigens produziert und verschickt werden.
Brautkleider kosten im Schnitt zwischen 500 und 1400 Euro
Allerdings entspricht der Begriff „Secondhand“ nicht immer den Erwartungen mancher Kundinnen. Während einige mit einem Budget von rund 500 Euro kommen, liegen viele Kleider – die ursprünglich 3000 bis 4000 Euro gekostet haben – im Geschäft noch bei etwa 1200 Euro. Der Großteil des Angebots bewegt sich zwischen 1100 und 1400 Euro. Dafür erhalten die Kundinnen hochwertige Designerkleider zu einem deutlich reduzierten Preis.
Für Heck steht neben dem Produkt vor allem das Erlebnis im Vordergrund. Eine Anprobe dauert rund zwei Stunden, findet in privater Atmosphäre statt und bietet Platz für Begleitpersonen wie Familie oder Trauzeugin. Bewusst verzichtet sie dabei auf zusätzliche Inszenierung wie ein Glas Sekt im Vorfeld. „Die Entscheidung soll bewusst getroffen werden“, betont sie.

Der Verkaufsraum ist gleichzeitig der Anproberaum. Die Anprobe wird gerne zum Event.
Copyright: Tom Steinicke
Anders als beim Fernsehformat „Zwischen Tüll und Tränen“ fließen bei „Preloved“ in der Alten Tuchfabrik selten Tränen. Das sei dann doch eher so ein TV-Ding, sagt die Gymnicherin. Was aber nicht heißen solle, dass bei ihr niemand total glücklich das Geschäft verlasse. Nur eben ohne aufgesetzte Tränen, sondern mit echten Glücksgefühlen.
Eine wichtige Rolle spielt dennoch die digitale Präsenz. Über Instagram präsentiert Heck ihre Auswahl. Viele Kundinnen informieren sich dort vorab und reisen gezielt für bestimmte Kleider an – teilweise über mehrere Stunden Fahrzeit. Ein reines Online-Geschäft seien Brautkleider nicht und würden sie auch nicht werden. Ein Brautkleid sei etwas anderes als ein Shirt, das man online bestellen könne.
Das Geschäft ist in zwei Bereiche unterteilt: einen für kleinere Größen von 34 bis 42 und einen separaten Bereich für Curvy-Mode ab Größe 44. Und das strikt voneinander getrennt. Gerade das Angebot für die etwas größeren Größen sei in der Region selten und werde von vielen Kundinnen besonders geschätzt. „Viele sind überrascht, wie viel Auswahl sie hier haben“, berichtet Heck, die von zwei Mini-Joberinnen unterstützt wird. Und natürlich ihrem Mann Pieter Niehues.
Seit rund zehn Jahren beschäftigt sie sich mit Brautmode und bringt diese Erfahrung in die Beratung ein. Oft zeige sich erst bei der Anprobe, welches Kleid wirklich passe. Entsprechend hoch sei die Erfolgsquote: Etwa 90 Prozent der Kundinnen finden ein passendes Kleid – vor allem bei den Curvy-Modellen.
Brautkleider von der Stange sitzen nicht perfekt
Da Kleider selten auf Anhieb perfekt sitzen, arbeitet Heck mit mehreren Schneiderinnen zusammen, die Anpassungen wie Kürzen oder Änderungen an Trägern und Passform übernehmen. Auch die Entscheidung für die abgeschirmte Lage des Geschäfts sei bewusst getroffen worden, um den Kundinnen mehr Privatsphäre bieten zu können.
Mit der Alten Tuchfabrik hat sie dafür einen besonderen Standort gewählt. Das Gebäude, einst ein sogenannter „Lost Place“, hat sich inzwischen zu einem kreativen Zentrum mit Büros, Sportangeboten und Gastronomie entwickelt.
Zur Eröffnung am Freitag, 8. Mai, sind Interessierte zwischen 17 und 20 Uhr eingeladen, sich die neuen Räume anzuschauen. Der reguläre Betrieb erfolgt anschließend überwiegend über Terminvereinbarungen – insbesondere an den Wochenenden, wenn viele Kundinnen gemeinsam mit ihren Begleitpersonen Zeit haben. Für die ersten zehn Gäste hat sich Heck nach eigenen Angaben noch etwas Besonderes überlegt. Was? Das will sie natürlich nicht verraten.
