Kult-DiscoIm „Porto Bello“ auf der Euskirchener Wilhelmstraße gehen die Lichter wieder an

Lesezeit 5 Minuten
Zwei Frauen sitzen auf Barhockern auf der Tanzfläche einer Diskothek.

Die Grand Dames des „Porto Bello“: Gründerin Rosi Schneider (r.) und Eigentümerin Dimitra Nalbanti.

Wenn das „Porto Bello“ am Freitag nach dreieinhalb Jahren seine Pforten wieder öffnet, gibt es ein Wiedersehen mit einer besonderen „Türsteherin“.

13. März 2020. Ein Freitag. Daran kann sich Armin Pesch noch genau erinnern. Es war das letzte Mal, dass im „Porto Bello“ getanzt wurde. Getrunken. Gefeiert. Geknutscht. Seitdem stehen die Plattenteller still. Die Tür ist verriegelt. Corona-Lockdown. Wenn et Leech ussjeht im Porto...

Bis zuletzt konnte man, wenn man an der beliebten Diskothek auf der Wilhelmstraße in Euskirchen vorbeiging, genau nachlesen, für welchen Tag welches Motto geplant war — und dann nicht stattfinden konnte. Ein Virus bremste das Leben aus.

Doch Eigentümerin Dimitra Nalbanti, die Brüder Armin und Hans-Peter Pesch als Geschäftsführer und ihre beiden Betriebsleiter waren nicht untätig. Die Zwangspause wurde zur Renovierung genutzt. Die letzte umfangreichere Modernisierung war 2015/16, erinnert sich Nalbanti. Im laufenden Betrieb war meist einfach keine Zeit. Zumindest nicht im großen Stil.

Euskirchener Kult-Lokal eröffnete Silvester 1970/71

Seit der Silvesternacht 1970/71, als Rosi und Josef Schneider die Diskothek eröffneten, war das „Porto“ jedes Wochenende Anlaufstelle in Euskirchen für Feierwütige — nicht immer die erste, aber garantiert die letzte am Abend und in der Nacht. Doch dann kommt das nächste Datum, das sich einbrannte. Der 14. Juli 2021.

Die Flutkatastrophe machte auch vor dem „Porto Bello“ nicht Halt. Im Erdgeschoss stand das Wasser rund 1,80 Meter hoch. Wie überall auf der Wilhelmstraße, die vom über die Ufer getretenen Veybach heimgesucht wurde. Vom Keller muss man gar nicht erst reden.

Toilettenanlagen einer Discothek.

Schluss mit dem Fliesenchic der 70er: Die Toiletten, hier die für die Damen, bestehen nun aus Marmor.

Wasser hat die Eigenschaft, sich nach unten auszubreiten. Die frisch sanierten Toiletten waren erneut zerstört. Alles andere auch: das Betriebsleiterbüro, der Kühlraum. Letzterer hatte sich halbiert, weil das Wasser eine Wand mitten in den Raum hineingeschoben hat.

Die Suche nach Handwerkern wurde nach der Flut zur „Katastrophe“

Also alles auf Anfang. Renovierung nach der Renovierung, ohne dass ein Besucher das Ergebnis der ersten überhaupt gesehen hat. Und dann hieß es warten. Schon Ende 2022 machte in Euskirchen das Gerücht die Runde, das „Porto“ eröffne noch im Dezember. Dass es dann doch noch ein halbes Jahr dauern sollte, lag daran, dass es nicht einfach war, überhaupt Handwerker zu finden. „Katastrophe“, kommentiert Armin Pesch die Suche.

Doch die gute Nachricht: Das „Porto“ kehrt zurück. An diesem Freitag um 22 Uhr wird es öffnen. Und die Gäste werden sich die Augen reiben. Denn niemand Geringeres als Rosi Schneider wird sie am Freitag (und vielleicht auch am Samstag) begrüßen. „Rosi ist an beiden Abenden jeweils für zwei Stunden da“, verrät Armin Pesch. Rund 19 Jahre nach ihrem Ausscheiden als Betreiberin der Kult-Diskothek, die alle anderen Nachtclubs überlebt hat, steht sie wieder an der Tür.

Wand mit Graffiti und Dom-Silhouette.

Aussicht op d'r Dom: Der Treppenabgang zu den Toiletten.

„Ich bin sehr glücklich, dass alles wieder so geworden ist“, sagt Rosi Schneider. 80 Jahre ist sie alt und nicht mehr blond, sondern schneeweiß. Aber im Herzen jung geblieben wie damals, als sie mit 28 Jahren ihr „Porto“ eröffnet hat. Das strahlend freundliche Lachen ist immer noch da. Und die Lust am Feiern. Als der DJ die Musik ausprobiert, beginnt sie sofort zu tanzen. Und stellt fest: „Ach, die Musik ist jetzt an der Seite. Das finde ich gut.“ Ja, im Laufe der Jahre habe sie natürlich schon gemerkt, dass die Ursprungsplanung nicht immer optimal war.

Dimitra Nalbanti: „Der eigentliche Stil muss bleiben“

Aber es ist das Porto. Und es ist wie früher. Das war auch das Ziel, das Dimitra Nalbanti bei der Renovierung verfolgte. „Der eigentliche Stil muss bleiben, Neues und Altes in Harmonie“, so ihr Wunsch. Oder anders gesagt: Porto bleibt Porto — aber ein wenig verändert, modernisiert. Mehr Platz gibt es. Der enge Gang vom Eingang an der großen Theke war vor allem an den besonderen Tagen, etwa am Rosenmontag nach dem Karnevalszug, mehr wie ein Geburtskanal für Menschen in Partylaune. Zwangsweise eng und kuschelig, wurde man auf die Tanzfläche gepresst.

Verschwunden ist auch die Stufe hinter der Theke. Dieser Bereich ist nun ebenerdig. Wer sich noch an die lammfellbezogenen Bänke erinnern kann, ist entweder alt oder war lange nicht mehr da. „Die haben wir schon vor Jahren entfernt, damit wir mehr Platz hatten“, berichtet Pesch, der das Porto seit 17 Jahren betreibt.

Der Boden ist komplett erneuert worden (Pesch: „Bis auf die Grundmauern musste alles raus“). Dunkle, große Fliesen wurden verlegt. Die Theke ist nicht mehr aus Holz, sondern aus Marmor. Genau wie die erneut renovierten Toiletten. Vorbei ist der Fliesenchic der 70er, alles wirkt ein wenig edler.

Euskirchen: Stammgäste werden viele Details im „Porto“ wiedererkennen

Aber alles auf dem Boden wurde nicht verändert. Das Glasbausteinquadrat auf der Tanzfläche, von unten bunt erleuchtet, ist geblieben. Genauso der Sternenhimmel kurz vor der Treppe nach unten und die Schallplattendeko an der Decke über der hinteren Bar.

Das Foto zeigt eine Lampe mit orientalischen Verzierungen.

Die Thekenbeleuchtung ist ein Import aus dem Orient.

Der Fachwerkstil, die Dachziegel über der Theke — die sind natürlich auch noch da, genau wie die Stufe zur hinteren Bar und die Holzpfeiler. Die nach der Flut sauber zu bekommen, war eine Heidenarbeit, verrät Dimitra Nalbanti. Zu viel wollte man nicht verändern, es ist ja immer noch das Porto.

Theken-Beleuchtung bringt Orient-Flair nach Euskirchen

Einen weiten Weg haben die Lampen über der Theke zurückgelegt. 3500 Kilometer, um genau zu sein, sie wurden im Nahen Osten maßgefertigt und vermitteln einen Hauch von Orientflair. Und mit der stickigen Luft soll es auch vorbei sein. Drei Klimaanlagen und eine große Lüftung sorgen für Frische.

Versichert war man zwar, gezahlt wurde nicht viel, erzählt Dimitra Nalbanti, die nach Rosi Schneiders Ausscheiden 2004 selbst zwei Jahre lang die Diskothek betrieben hat. Über die investierte Summe will sie nicht sprechen. Sie blickt nach vorne. „Ich habe mir immer gedacht: Koste es, was es wolle, ob Arbeit, Kummer oder Geld — es wird weitergehen.“

Doch jetzt wird alles besser. Am Freitag heißt es „Das Original kommt zurück“. DJ Jörg Grewe will den Feiernden eine heiße Party bescheren. Und am Samstag wird das nachgeholt, was Silvester 2020/21 nicht ging: Es wird „50 Jahre Porto Bello“ gefeiert. „Wir sind an beiden Abenden schon komplett ausgebucht“, sagt Pesch. Dann kann wieder getanzt werden. Und gefeiert. Und getrunken. Und geknutscht.

KStA abonnieren