Das Euskirchener Emil-Fischer-Gymnasium hat ein neues Programm für die Talententwicklung und ein neues Selbstlernzentrum.
SelbstlernzentrumIm Emil-Fischer-Gymnasium Euskirchen werden Talente gefördert

Hohe Aufenthaltsqualität und Lern-Wohlfühlfaktor bietet das neue Selbstlernzentrum am Emil-Fischer-Gymnasium, das nun für 26.000 Euro neu gestaltet worden ist.
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Während der Sommerferien ging dann alles ganz schnell: Für rund 26.000 Euro ist das Selbstlernzentrum des Emil-Fischer-Gymnasiums zu einem modernen Lern- und Arbeitsraum umgebaut worden. Dass hier etwas Neues entstanden ist, war bei der Eröffnung mit Bürgermeister Sacha Reichelt, der Elternpflegschaftsvorsitzenden Tanja Schröder, Schülern der SV und weiteren Gästen nicht nur zu sehen. Selbst der Geruch der neuen Möbel war noch wahrnehmbar.
Unter der neuen Schulleitung von Volkmar Schocke ist ein Raum entstanden, der bewusst unterschiedliche Formen des Lernens ermöglichen soll. Auf dem Sofa kann gelesen und diskutiert werden, an anderen Plätzen konzentriert gearbeitet werden. Für digitale Projekte stehen Tablets zur Verfügung.
Für Schocke ist das Selbstlernzentrum deshalb mehr als ein neu eingerichteter Aufenthaltsraum. Ein moderner Lernort solle Schüler dazu ermutigen, eigene Interessen, Stärken und Lernwege zu entdecken. Gleichzeitig steht das Zentrum allen Schülern offen. Insbesondere Oberstufenschüler können es in ihren Freistunden zum selbstständigen Arbeiten nutzen.
Im EFG werden Begabungen gefördert, nicht nur die Begabten
„Hier kann man jetzt in den Freistunden in Ruhe arbeiten“, sagt Schülersprecherin Tora Heidkamp. Eine besondere Funktion bekommt das Selbstlernzentrum bei der Begabungsförderung der Schule. Dabei geht es bewusst um „Begabung“ und nicht ausschließlich um „Begabte“. Gesucht werden besondere Potenziale in einzelnen Bereichen. Ein Schüler muss also nicht in sämtlichen Fächern Bestnoten schreiben, um besondere Fähigkeiten zu besitzen.
Eine zentrale Rolle spielt dabei die Schülerakademie unter der Leitung von Tobias Vossel. Sie arbeitet in Halbjahreszyklen und geht auf die Initiative „Leistung macht Schule“ zurück. Teilnehmer dürfen bis zu zwei Stunden pro Woche aus dem regulären Fachunterricht herausgehen und diese Zeit für eigene Projekte nutzen. Unterstützt werden sie von Mentoren, hinzu kommt eine wöchentliche Akademiestunde. Was dabei entstehen kann, zeigt ein Blick auf die bisherigen Arbeiten. Schülerin Charlotte Schmitz hat mit zwei Mitstreiterinnen einen rund 30-minütigen True-Crime-Podcast über eine Cannabisplantage in Kuchenheim produziert. Rund fünf Stunden Aufnahmematerial hatten sie dafür zusammengetragen.
Auch jüngere Schülerinnen und Schüler sollen gefördert werden
Andere beschäftigten sich mit Schwarzen Löchern oder nachhaltigem Bauen, entwickelten einen Escape-Room fürs Klassenzimmer, schrieben Essays oder widmeten sich sportlichen Projekten – von Basketball bis zur Planung einer Transalp-Tour. Der entscheidende Unterschied zum normalen Unterricht: Die Jugendlichen sollen möglichst selbst bestimmen, womit sie sich beschäftigen. Statt einer genau vorgegebenen Aufgabenstellung sind Eigeninitiative, Neugier und Durchhaltevermögen gefragt.
Für jüngere Schüler wäre der unmittelbare Einstieg in ein derart freies Arbeiten mitunter noch eine zu große Herausforderung. Deshalb setzt die Schule zusätzlich auf die „Digitale Drehtür“. Auch dieses Begabungsförderungskonzept bekommt im neuen Selbstlernzentrum seinen festen Platz.
Gestartet wird mit fünf Schülern der sechsten Klasse. Sie erhalten wöchentlich eine Stunde, in der sie digitale Lernangebote asynchron bearbeiten können. Die Aufgaben sind stärker vorgegeben als in der Schülerakademie. Schritt für Schritt sollen die Kinder lernen, ihre Arbeitszeit selbst einzuteilen, Aufgaben zu strukturieren und Verantwortung für ihren Lernprozess zu übernehmen. Damit sollen Fähigkeiten vermittelt werden, die häufig als „Future Skills“ bezeichnet werden. Gleichzeitig reagiert die Schule auf Beobachtungen aus dem Unterricht. Für Kinder und Jugendliche sei es zunehmend eine Herausforderung, sich über einen längeren Zeitraum intensiv mit einem Thema auseinanderzusetzen.
Gymnasium plant Kooperation mit der Paul-Gerhardt-Grundschule
Die Begabungsförderung soll deshalb auch Eigenmotivation, Selbstorganisation und Forschergeist stärken. Dass daraus mehr entstehen kann als ein interessantes Schulprojekt, zeigen einige Bildungswege. Mehrere Schüler haben bereits ein Frühstudium an der Universität Bonn aufgenommen, beispielsweise in Philosophie und Mathematik. Ein aus Syrien geflüchteter Schüler wechselte später an ein Exzellenzinternat.
Künftig möchte das Gymnasium noch früher ansetzen. Geplant ist eine Kooperation mit der Paul-Gerhardt-Grundschule in Euskirchen. Kinder, die dort bereits als sogenannte Drehtürkinder gefördert werden, sollen nach ihrem Wechsel möglichst nahtlos an diese Form des Lernens anknüpfen können.
Mit der Eröffnung des Selbstlernzentrums ist die Arbeit am Selbstlernzentrum unterdessen noch nicht beendet. Die Schülervertretung soll eine eigene Nutzungsordnung erarbeiten und damit selbst Verantwortung für den neuen Raum übernehmen.
