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Nubbel ist schuldigDie Sünden der Euskirchener Karnevalisten gingen in Flammen auf

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Das Bild zeigt einen Moment während der Nubbelverbrennung. Während die Strohpuppe brennt, schunkeln die Karnevalisten im Hintergrund.

Als würden die Flammen die Sünden der Karnevalisten buchstäblich fressen wollen. Auch in Euskirchen wurde der Nubbel verbrannt.

Traditionell gehen die Sünden im Karneval am Abend des Veilchendienstags in Flammen auf. Bei der Nubbelverbrennung lag viel Wehmut in der Luft.

Ein paar Tränen, viele Umarmungen und noch mehr Wehmut: Mit traurig klingenden Tönen blies der Musikzug der Euskirchener Prinzengarde zum letzten Mal für diese Session zum Zug durch die Gemeinde. Vom Casino ging es für wenige Meter durch die Fußgängerzone, durch die Galleria und anschließend in den Klosterpark zur Nubbelverbrennung.

Wenn man sich schon vom Karneval verabschieden muss, dann sollte auch der größte Sünder von allen stellvertretend für all die Verfehlungen, die in den jecken Tagen passiert sind, in Flammen aufgehen.

Der Nubbel war auch am Regen am Rosenmontag Schuld

Und so machte Pfarrer Michael Pesch die Strohpuppe, die leblos in einer Schubkarre lag, für jede auch noch so große und kleine Verfehlung in den jecken Tagen verantwortlich. „Das Wetter häss du des Johr schlech jemaat. Häss uns Regen, Schnie und wenig Sunn jebraht“, sagte Pesch.

Und auch, dass aus Sicht des Karnevalisten viele Kamelle am Zugweg liegen geblieben waren, sei die Schuld des Nubbels gewesen. „Die Männer von der Stadt konnten sich nicht wehren, mussten alle Kamelle wegkehren“, führte Pesch in seiner Grabrede aus. Der Nubbel nahm die Vorwürfe schweigend zur Kenntnis. Wohlwissend, dass sein Schicksal eh längst besiegelt war.

Das Bild zeigt einige Karnevalisten, die den Nubbel in Brand setzen.

Die Karnevalisten setzten die Strohpuppe mit ihren Pechfackeln in Brand.

Das Bild zeigt einen Teil der Prinzengarde auf dem Weg zur Nubbelverbrennung in der Euskirchener Innenstadt.

Vom Casino ging es in den Klostergarten zur Nubbelverbrennung.

Doch bevor die Strohpuppe von den Karnevalisten der vier vaterstädtischen Vereine in Brand gesetzt wurde, rettete noch eine Erfttälerin ein Kehrblech aus der Schubkarre, in der der Nubbel lag.

Die Nubbelverbrennung war der Abschluss einer Session, die in die Geschichte des Euskirchener Karnevals eingegangen ist. Mit Colette I. (Leber) stand erstmals eine Prinzessin an der Spitze der Kreisstadt-Jecken. „Es war eine anstrengende, aber auch traumhafte Session“, sagte die Tollität. Vor allem die Auftritte in Kindergärten und Senioreneinrichtungen seien ihr in Erinnerung geblieben.

Und natürlich der Rosenmontagszug, der trotz zwischenzeitlichem Regen eine einzige Triumphfahrt gewesen sei. Auch für Küfer Rodney I. (Smith) endete am Dienstagabend im Casino seine Regentschaft. Im Gegensatz zu Prinzessin Colette I. hatte der Gesamtschüler richtig Glück mit dem Wetter beim Kinderzoch. Bei seiner Fahrt durch die Euskirchener Innenstadt schien die Sonne vom Himmel. Das Einzige, was vom Himmel fiel, waren Kamelle und zahlreiche Konfetti-Schnipsel.

Als der Nubbel am Dienstag gegen 18 Uhr in Flammen aufging, war der Veilchendienstag der Euskirchener Karnevalisten schon einige Stunden alt. Der hatte nämlich um 14 Uhr im Casino mit zahlreichen Auftritten der unterschiedlichsten Gruppen begonnen. Anschließend ging es ins Euskirchener Stadtmuseum, um dort die Sessionsorden zu übergeben, die nun archiviert werden.