Wie weit ist die Stadt Euskirchen mit der Umsetzung des Radverkehrskonzepts, das der Rat 2023 beschlossen hat? Eine Zwischenbilanz.
MillionenprojektStadt Euskirchen arbeitet an Radverkehrskonzept mit Hunderten Maßnahmen

Piktogramme wie hier in der Oststraße plant die Stadt auch für die Kessenicher Straße. Sie sollen die Aufmerksamkeit auf den Radverkehr lenken.
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Die Umsetzung des Radverkehrskonzepts in Euskirchen ist ein Langzeitprojekt. Sie werde etwa 15 Jahre dauern, hatte die Verwaltung erklärt, als der Rat das Paket 2023 verabschiedete. Es umfasst 627 Einzelmaßnahmen. Die Kosten schätzt die Stadt auf 65 Millionen Euro. Sie geht davon aus, dass Fördermittel fließen. Eine Zwischenbilanz:
Mit dem Konzept verfolgt die Stadt das Ziel, den Anteil des Fahrradverkehrs zu steigern. Sie will Lücken im Wegenetz schließen, die Qualität der Radverkehrsanlagen dem aktuellen Standard anpassen und die Verkehrssicherheit der Radfahrerinnen und Radfahrer erhöhen. Auch der Umweltgedanke spielt eine Rolle: Wenn die Zahl derer wachse, die längere Strecken auf dem Fahrrad zurücklegen, seien klimarelevante Effekte zu erreichen, so die Verwaltung.
Die Stadt muss unterschiedliche Zielgruppen berücksichtigen
Das Konzept, das die Stadt mit dem Kölner Büro Via erstellt hat, hat verschiedene Zielgruppen im Blick: etwa Kinder und Jugendliche, die mit dem Rad zur Schule fahren, ebenso Radfahrer, die zügig vorankommen wollen, aber auch solche, die sich gerne Zeit lassen und deshalb Hauptverkehrsstraßen aus Sicherheitsgründen meiden. Die unterschiedlichen Interessen müssen mit denen des motorisierten Verkehrs und des Fußgängerverkehrs unter einen Hut gebracht werden.
Die Bandbreite der einzelnen Schritte reicht von großen Vorhaben wie dem Anlegen von Fahrradstraßen und Umbauten an Knotenpunkten bis zu kleinen Maßnahmen wie Ergänzungen auf Verkehrsschildern. „Wo es möglich ist, verbessern wir die Barrierefreiheit, etwa indem wir Drängelgitter so versetzen, dass das Durchfahren einfacher wird“, nennt Severin Perscheid ein weiteres Beispiel. Der studierte Verkehrsingenieur kümmert sich in der Verwaltung seit dem vergangenen Oktober um die Umsetzung des Konzepts. Dabei kooperiert er mit den städtischen Mobilitätsmanagerinnen Meike Mäncher und Sarah Bülten.

Verkehrsingenieur Severin Perscheid kümmert sich um die Umsetzung des städtischen Radverkehrskonzepts.
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Neue Abstellanlagen hat die Stadt unter anderem an der Veybachstraße installiert.
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Ende 2024 hat die Stadt in der Straße Im Auel die erste Fahrradzone angelegt. Autos sind dort zugelassen, die Fahrer müssen aber größtmögliche Rücksicht auf Radfahrende nehmen, die Vorrang genießen und auch nebeneinander fahren dürfen. „Die Erfahrungen, die wir dort machen, sollen in weitere Fahrradzonen einfließen“, sagt Fachbereichsleiter Bernd Kuballa.
Als Leuchtturmprojekt des Konzepts bezeichnet Kuballa den Radbogen, der nach und nach in der Kernstadt entstehen soll. Er ist als Alternative zur Ringstraße gedacht, auf der der motorisierte Verkehr Vorrang hat, und soll als zentrale Verteilachse dienen. Nach Kuballas Worten wird er die Anbindung an die künftigen Radpendlerrouten zwischen Euskirchen und den Nachbarkommunen gewährleisten, die der Kreis Euskirchen plant.
Erster Abschnitt des Radbogens soll im Norden der Kernstadt entstehen
Die Stadtverwaltung arbeitet momentan an der Planung für Abschnitt A des Radbogens, der in der nördlichen Kernstadt über die Jahnstraße, Im Kleinefeldchen und die Sebastianusstraße führen wird. Es folgen Abschnitt B (Malmedyer Straße, Winkelpfad, Chlodwigstraße) sowie die Abschnitte C (Bendenstraße, Gartenstraße, Alte Gerberstraße, Moselstraße, Saarstraße) und D (Eichendorffstraße, Augenbroicher Straße, Thomas-Mann-Straße, Gottfried-Kinkel-Straße).
Teile des Radbogens sollen als Fahrradzone oder als Fahrradstraße eingerichtet werden. In einer Fahrradstraße hätte der Radverkehr durchgängig Vorfahrt. „Das wäre aus Sicht der Radfahrenden perfekt, wird aber nicht umzusetzen sein, denn wir müssen auch die Bedürfnisse der anderen Verkehrsteilnehmer berücksichtigen“, sagt Kuballa. „Ohne Kompromisse geht es nicht.“
Die Euskirchener Fraktionen sitzen mit am „Runden Fahrradtisch“
Details zur Ausgestaltung des Radbogens und zu anderen Maßnahmen erörtert die Verwaltung mit Vertretern der Ratsfraktionen am „Runden Fahrradtisch“. Das letzte Wort hat danach jeweils der Ausschuss für Tiefbau und Verkehr.
Fahrradschutzstreifen existieren in Euskirchen schon lange, etwa auf der Ringstraße. „Für derartige Streifen muss die Fahrbahn eine bestimmte Mindestbreite haben“, sagt Perscheid. Wo sie fehlt, sind Piktogrammketten mit stilisierten Fahrrädern erlaubt. Trennlinien fehlen in diesem Fall.
Die Stadt hat Piktogrammketten unter anderem in der Oststraße, der Alleestraße und in der Frauenberger Straße auf den Asphalt aufgebracht. Ein Teil der Kessenicher Straße soll folgen. Die Piktogramme sollen – wie auch rote Einfärbungen an Straßeneinmündungen – die Aufmerksamkeit der Autofahrer und damit die Sicherheit der Radfahrenden erhöhen.
Die Stadt hat vor einigen Monaten 102 beidseitig nutzbare Fahrradanlehnbügel installiert. Die Vorgängermodelle waren in die Jahre gekommen. Neu sind fünf Lastenradstellplätze. Die Gesamtkosten beliefen sich auf rund 55.000 Euro, von denen 95 Prozent durch Fördermittel abgedeckt wurden. An drei Stellen im Zentrum stehen jetzt auch Radservice-Stelen, an denen man Reifen aufpumpen und kleine Reparaturen ausführen kann.
Anlage am Bahnhof wird gesperrt
Die Stadt Euskirchen reinigt am Montag, 2. März, und Dienstag, 3. März, die Fahrradabstellanlage am Bahnhof. Sie geht Reihe für Reihe vor. Die betroffenen Abschnitte dürfen von 8 bis 16 Uhr nicht genutzt werden. Räder, die dennoch dort stehen, werden als besitzlos angesehen, entfernt und in Verwahrsam genommen, wie es auf Infotafeln heißt.

