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StadtratFast alle Kommunalgebühren in Euskirchen steigen, aber Sterben wird billiger

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Eine Kehrmaschine reinigt den Platz, im Hintergrund stehen Sonnenschirme.

Die Reinigung der Fußgängerzone und der übrigen Geschäftsstraßen ist für die Anlieger auch im neuen Jahr eine recht teure Angelegenheit. Dabei sind es in der Regel andere, die dort Müll hinterlassen.

Abfallentsorgung, Kanalbenutzung und Straßenreinigung werden 2026 in Euskirchen teurer. Die Friedhofsgebühren dagegen sinken.

Der Euskirchener Rat hat die Kommunalgebühren für 2026 festgelegt. Er folgte, mal einstimmig, mal mit großer Mehrheit, den entsprechenden Vorschlägen der Stadtverwaltung (siehe „Die neuen Tarife“). Die Euskirchenerinnen und Euskirchener müssen sich im neuen Jahr in den meisten Fällen auf höhere Kosten einstellen, lediglich die Friedhofsgebühren sinken in nahezu allen Bereichen.

Die Reduzierung der Friedhofsgebühren ist nach Angaben von Kämmerer René Strotkötter unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Verwaltung für 2026 mit niedrigeren Personalkosten kalkuliert. Sie stellen den größten Kostenanteil dar, so Strotkötter, der im Friedhofs- und Bestattungswesen von einem Gesamtaufwand der Stadt in Höhe von gut zwei Millionen Euro ausgeht.

Die Stadt Euskirchen muss alte Überschüsse und Fehlbeträge verrechnen

Welche Ausgaben am Ende des Jahres tatsächlich zustande gekommen sein werden, bleibt abzuwarten. Es ist immer so, dass die Abschlussrechnung einen Überschuss oder aber einen Fehlbetrag ergibt. Egal, ob Über- oder Unterdeckung: Sie müssen innerhalb der vier Folgejahre im Gebührenhaushalt berücksichtigt, also verrechnet werden. In den aktuellen Haushalt fließen 24.280 Euro Überschuss aus dem Jahr 2022 ein, aber auch ein Fehlbetrag von 12.430 Euro, der 2023 entstanden war.

Eine beachtliche Entlastung für die Gebührenzahler und -zahlerinnen ergibt sich zum wiederholten Mal aus dem Grünflächenanteil, den die Stadt Euskirchen auf die Allgemeinheit umlegt. So verfährt sie seit 2020. Der Grünflächenanteil wird damit begründet, dass die Friedhöfe parkähnliche Anlagen sind, die die Stadt in Ordnung halten muss. Daher gilt es allgemein als legitim, einen Teil der Pflegekosten durch Geld aus dem allgemeinen städtischen Haushalt, also durch Steuermittel, abzudecken. Hatte der Grünflächenanteil 2020 bei 70.000 Euro gelegen, so beläuft er sich mittlerweile auf 270.000 Euro.

Die Müllgebühren steigen, sind aber immer noch günstiger als 2024

Die Müllgebühren steigen im Vergleich zum zurückliegenden Jahr, sind aber immer noch günstiger als in der Zeit von 2022 bis 2024, wie man einer Tabelle der Stadtverwaltung entnehmen kann.

Die Erhöhung resultiere im Wesentlichen aus den gestiegenen Aufwendungen bei den Entsorgungsgebühren, die der Kreis Euskirchen als übergeordnete Behörde vorgebe, so Strotkötter. Besonders stark steige die Gebühr für die Sperrmüllentsorgung: von 208 auf 240 Euro je Tonne. Auf der Gegenseite kann die Stadt Überschüsse aus den Jahren 2022 und 2023 einberechnen, insgesamt knapp 600.000 Euro.

Stadtverwaltung Euskirchen verweist auf höhere Personalkosten

Bei den Kanalgebühren schlagen nach Angaben der Kämmerei unter anderem steigende Personal- und Verwaltungskosten zu Buche. Beim Schmutzwasser kommt ein Fehlbetrag von mehr als 1,2 Millionen Euro aus dem Jahr 2023 hinzu, der zur Hälfte in die Kalkulation einfließt.

Ein Blick zurück zeigt, dass die neue Schmutzwassergebühr (2,96 Euro je Kubikmeter) den Tarif von 2023 (2,28 Euro) deutlich übertrifft, aber auch klar unter dem 2014er-Wert (3,24 Euro) bleibt. Die Niederschlagswassergebühr (82 Cent je Quadratmeter) liegt ebenfalls zwischen den vergangenen Extremwerten von 1,00 Euro (2010) und 71 Cent (2011).

Bei der Straßenreinigung fällt der hohe Tarif (Jahresgebühr: 8,80 Euro je Meter Grundstücksseite) ins Auge, der in der Fußgängerzone und den Geschäftsstraßen fällig wird. Der Grund: Die Stadt lässt dort deutlich häufiger reinigen als in anderen Straßen. „In der Fußgängerzone wohnen auch Menschen“, sagte Franz-Josef Mauth (CDU) in der Ratssitzung: „Es sind aber nicht die Anlieger diejenigen, die dort den Müll hinterlassen.“

Deshalb solle man den Anteil an den Reinigungskosten in der Fußgängerzone anheben, den die Allgemeinheit trage, forderte Mauth. Kämmerer René Strotkötter schlug vor, diesen Vorschlag in einer interfraktionellen Arbeitsgruppe zu erörtern, die sich mit den Kommunalgebühren befasst.


Die neuen Tarife

Friedhof*

Grabnutzung: Wahlgrab 2902 Euro (bisher 3125), Reihengrab 2270 Euro (bisher 2445), Urnenwahlgrab 2021 Euro (bisher 2176), Urnenreihengrab 1694 Euro (bisher 1825), Baumwahlgrab 2257 Euro (bisher 2430), Baumreihengrab 1937 Euro (bisher 2086), Streufeld 695 Euro (bisher 748).

Grabarbeiten: Erdbestattung 682 Euro (bisher 788), Urnenbeisetzung 267 Euro (bisher 308).

Abräumgebühr: Wahlgrab/Reihengrab 387 Euro (bisher 380), Urnengrab 136 Euro (bisher 134), Baumgrab 17 Euro (unverändert).

Abfall*

Jahresgebühr: 60-Liter-Tonne 109,78 Euro (bisher 102,02), 80-Liter-Tonne 146,37 Euro (bisher 136,02), 240-Liter-Tonne 439,11 Euro (bisher 408,07). Die Gebühr deckt auch die Entsorgung von Biomüll, Altpapier, Sperrmüll und Sondermüll ab. Wer kompostiert und deshalb auf eine Biotonne verzichtet, erhält Rabatt.

Kanalbenutzung

Schmutzwasser 2,96 je Kubikmeter (bisher 2,52), Niederschlagswasser 0,82 Euro je Quadratmeter bebaute oder befestigte Fläche (bisher 0,72 Euro).

Straßenreinigung

Jahresgebühr je Meter Grundstücksseite: Anliegerstraße 1,67 Euro (bisher 1,45), innerörtliche Straße 1,81 Euro (bisher 1,59), überörtliche Straße 1,55 Euro (bisher 1,12), Fußgängerzone/Geschäftsstraße 8,80 Euro (bisher 7,60), Straße nur mit Winterwartung 0,26 Euro (bisher 0,09). 

*ausgewählte Beispiele