Euskirchen-Dom-Esch – Als Dagmar Lock und ihr Lebensgefährte Rolf Bludau zum ersten Mal den Nonnenhof betraten, war ihnen eine Sache sofort klar: Sie hatten endlich das richtige Domizil für ihre Patchworkfamilie gefunden. Etwas anderes wussten sie allerdings nicht: wie viel Arbeit in dem Haus steckte, das sie damals, im Jahr 2006, kauften.
Das Paar begann, die Fachwerkanlage auf Vordermann zu bringen. Knapp sechs Monate später zog die Familie ein. Heute, fast sechs Jahre später, „renovieren wir immer noch“, sagt Dagmar Lock. „Das wird wohl auch so bleiben, solange wir hier leben.“
Uralte Bausubstanz
Sie und ihr Partner sind im öffentlichen Dienst beschäftigt, die Arbeit daheim in Dom-Esch läuft nebenbei. „Wir hatten relativ wenig Ahnung, aber viel Idealismus“, beschreibt Lock die Ausgangslage für ihr Sanierungsprojekt. Mit Respekt vor der uralten Bausubstanz, aber ohne Scheu und stets in Abstimmung mit den Denkmalbehörden nahm das Duo die Aufgaben in Angriff, die der Nonnenhof bereithielt. So gut wie alle Arbeiten erledigte das eigentlich fachfremde Paar allein. Lust- und Frustphasen wechselten sich ab.
„Seit dem Beginn der Renovierung weiß ich, dass manche Dinge einfach Zeit brauchen und Geduld verlangen. Und ich habe gelernt, dass man sich auch an Unfertigem erfreuen kann“, sagt Dagmar Lock. Wer daraus schließt, dass das Paar mit seinen insgesamt fünf Kindern auf einer Art Baustelle lebt, liegt freilich falsch.
Vielmehr ist aus dem Nonnenhof im Laufe der Jahre eine überaus schmucke Wohnanlage geworden – mit einem schlichten, aber hübschen Vorgarten und einem Innenhof, der zum Verweilen einlädt. Die neueste Errungenschaft ist ein schickes Badezimmer, das Bludau und Lock in monatelanger Kleinarbeit in einem Raum eingerichtet haben, der vorher nichts vorzuweisen hatte als ein paar kahle Eichenbalken.
Apropos: Zu Beginn der Renovierung hatten die beiden die Fachwerkwände sanieren müssen. Unter bis zu acht Tapetenschichten kam Lehm zum Vorschein, der größtenteils lose war. „Elf Tonnen davon haben wir aus dem Haus geholt und eingewässert, so dass wir ihn wieder nutzen konnten“, erzählt Dagmar Lock.
Sie erinnert sich auch an wenig erfreuliche Momente, an einen Tag zum Beispiel, an dem sie heulend in der Ecke saß. Über Nacht hatte sich an einer frisch aufgebauten Lehmwand Schimmel gebildet. Dass dieses Problem mit einfachen Mitteln in den Griff zu kriegen war, wie ihr eine Denkmal-Expertin versicherte, gehört zu den vielen neuen Erkenntnissen, die das Paar der abwechslungsreichen Arbeit im Nonnenhof zu verdanken hat.
Die Anlage, einer von mehreren schönen Fachwerkhöfen in Dom-Esch, wurde erstmals 1197 erwähnt und gehörte lange zum Kölner Domkapitel, worauf der alte Name, Domhof, zurückzuführen ist. 1725 wurde der Basalttorbogen als Eingang zum Hof fertiggestellt, 1762 entstand das Wohnhaus, das die Familie Lock-Bludau außen wie innen mit bewundernswerter Ausdauer hergerichtet hat.
Das Gebäude ist also 250 Jahre alt – Grund genug für die Eigentümer, sich am Sonntag, 9. September, 11 bis 17 Uhr, am Tag des offenen Denkmals zu beteiligen. Wer den Hof besucht, wird allerhand über seine wechselvolle Historie erfahren. Die entsprechenden Daten hat Dagmar Lock mit Melanie und Heinz-W. Houf zusammengetragen, die Nachbarn sind und gleichzeitig Freunde.
Familienchronik durchforstet
Die Hobbygeschichtsforscher werteten Urkunden und andere Quellen aus Archiven aus, sie durchforsteten Familienchroniken der früheren Hofeigentümer und sprachen, um auch die jüngere Vergangenheit darstellen zu können, mit Zeitzeugen aus dem Dorf. Besagte Chroniken, zudem alte Briefe und andere Unterlagen hatten Bludau und Lock in einem Karton auf dem Dachboden entdeckt.
Die Chronik des Nonnenhofs, aufbereitet von Melanie und Heinz-W. Houf, findet man auch im Internet. Sie wartet mit einer Fülle von Details zu dem Anwesen auf, das in Esch, wie der Ort bis 1954 hieß, über Jahrhunderte hinweg eine bedeutende Rolle spielte.
Zu der Umbenennung kam es vermutlich, als Bartholomäus Brabender den Hof 1812 erwarb. Er war auch Pächter des Klosterhofs in Essig, der im Volksmund Nonnenhof hieß. Die Menschen, so Dagmar Lock, wandten sich, wenn sie etwas von Brabender wollten, an „den vom Nonnenhof“. Dieser Name übertrug sich schließlich auch auf die Anlage in Esch.
Was Kardinal Joachim Meisner mit dem Nonnenhof zu tun hat, welche Geschichte sich um die Wetterfahne rankt und warum im Erdgeschoss Marmorfensterbänke aus der früheren Henkel-Villa in Unkel eingebaut wurden – alles das kann man sich am Sonntag in Dom-Esch erzählen lassen.
