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Pop-up-HochzeitIm Garten der Burg Flamersheim werden Paare gesegnet

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Dorothee Lindenbaum und Stefan Bergner (l.) stehen am Wassgeraben, in dem  sich die Burg Flamersheim spiegelt.

Vor der malerischen Kulisse der Burg Flamersheim stellten Stefan Bergner und Dorothee Lindenbaum ihre Pläne vor.

Die evangelische Kirche veranstaltet im Juni bundesweit die Aktion „einfach heiraten“. In Flamersheim können sich Paare im Garten der Burg segnen lassen.  

Dass Braut und Bräutigam vor der Hochzeit nervös sind, ist normal. In diesem Fall sind aber auch Pfarrer und Pfarrerin aufgeregt. Schließlich ist es keine normale Eheschließung, die ansteht. Sondern eine Pop-up-Hochzeit. Genauer gesagt: eine ganze Reihe Pop-up-Hochzeiten. „Lass uns einfach heiraten...“ heißt die Aktion der evangelischen Kirche. In ganz Deutschland werden um den 26. Juni – 26.6.2026, leicht zu merken – Paare beziehungsweise Beziehungen gesegnet.

Das beziehungsreiche Datum fällt auf einen Freitag, in Flamersheim hat man das Segensfest kurzerhand auf den darauffolgenden Sonntag geschoben. Nicht zuletzt, weil es auch im Garten der Burg Flamersheim stattfindet. Die ist ohnehin als Location für Hochzeiten beliebt, am Freitag wäre es dort vermutlich eng geworden.

Dorothee Lindenbaum ist die neue Pfarrerin in Flamersheim, Stefan Bergner begleitet die dortige Kirchengemeinde in der Zeit des Übergangs. Die beiden organisieren gemeinsam die ungewöhnliche Hochzeitsaktion. Die Idee dazu hatten die Flamersheimer tatsächlich schon, bevor der Aufruf zur bundesweiten Aktion kam.

Die Hürden für den Segen sind niedrig

Bei einem Treffen im Februar des vergangenen Jahres habe man gemeinsam über neue Formate nachgedacht, erzählt Bergner, und sei sehr schnell auf das Segensfest gekommen. Um den Segen zu bekommen, muss man nicht heiraten. Paare können längst verheiratet sein oder gar nicht vorhaben, den Bund der Ehe zu schließen. „Menschen, die einander lieben, kommen und lassen ihre Liebe segnen“, umschreibt das Pfarrerin Lindenbaum.

Die Hürden sind denkbar niedrig: Wer möchte, dass die Segnung anschließend als kirchliche Trauung gilt, muss volljährig und standesamtlich verheiratet sein. Und wenigstens einer der Eheleute muss der Evangelischen Kirche angehören. Ansonsten kann einfach jeder kommen, der möchte.

Ein Segen ist ein Segen, egal ob er in einem alten Auto oder in der Kirche erteilt wird.
Dorothee Lindenbaum

Lindenbaum und Bergner denken groß. Gleich vier Stellen, an denen der Segen erteilt wird, bieten sie an: Zwei lauschige Plätze im Burggarten, dazu die evangelische Kirche und einen Oldtimer, der auf dem Flamersheimer Marktplatz stehen wird. Die Pfarrerin ist pragmatisch: „Ein Segen ist ein Segen, egal ob er in einem alten Auto oder in der Kirche erteilt wird.“

Sie planen auch reichlich Kollegen ein, 15 bis 20 Pfarrer könnten im Einsatz sein. So wollen sie von 12 bis 17 Uhr rund 40 Trauungen vollziehen. Dass der Rahmen ungewöhnlich ist und das Ganze ein bisschen nach Schnellverfahren klingt, macht Bergner keine Bauchschmerzen: „Ich sehe, dass menschliche Beziehungen Segen brauchen.“

Online-Anmeldung ist seit dem Valentinstag möglich

Dass die Ehe in der evangelischen Kirche – anders als in der katholischen –kein Sakrament sei, mache es einfacher, jeder Beziehung diesen Segen zukommen zu lassen. Die Formulierung „jeder Beziehung“ nehmen die beiden Geistlichen durchaus wörtlich. Was passiert, wenn es nicht um eine Zweier-, sondern um eine Dreierbeziehung geht? Kein Problem, findet Dorothee Lindenbaum.

Und wenn zwei Leute kommen, die zwar verheiratet sind, aber nicht miteinander? Sie überlegt nur kurz. „Ich bin nicht dafür da, die Beziehung zu verurteilen, sondern sie zu segnen“, sagt sie. Seit dem Valentinstag am 14. Februar ist die Online-Anmeldung freigeschaltet, und tatsächlich seien schon 13 Anmeldungen eingegangen.

Wir wollen den Reichtum jeder einzelnen Beziehung feiern.
Dorothee Lindenbaum

Die Pop-up-Hochzeit ist zwar neu für Flamersheim und neu als bundesweite Aktion, aber keine Neuerfindung. Stefan Bergner hat schon bei solchen Aktionen mitgewirkt, und dennoch ist er gespannt auf das, was ihn diesmal erwartet. Sicher ist: Es wird intensiv und anstrengend für die Geistlichen.

Mit jedem Paar führen sie ein etwa viertelstündiges Vorgespräch. Denn die Traurede soll keineswegs aus Versatzstücken bestehen, sondern sehr persönlich sein. „Wir wollen den Reichtum jeder einzelnen Beziehung feiern“, formuliert Dorothee Lindenbaum. Auf dem Marktplatz werden die Paare und ihre Gäste in Empfang genommen.

Auch da ist alles möglich, von der ganzen Familie im Schlepptau bis zum Paar, das unter sich bleiben will. Ob die Menschen in Hochzeitskleid und -anzug kommen oder in der Jogginghose – egal. Ob angemeldet oder spontan – auch egal. Es habe sogar schon die Anfrage eines Paares gegeben, das den Pfarrer aus seiner Heimatgemeinde mitbringen möchte, erzählen die Geistlichen.

Den Sekt, der auf dem Marktplatz ausgeschenkt wird, spendiert Johannes von Bemberg. Er mache gern mit, sagt der Burgherr, dessen Familie seit mehr als 175 Jahren in Flamersheim ansässig ist. Und eine durchaus besondere Beziehung zur benachbarten Kirche hat: Einer der Vorfahren hat den Kirchturm gestiftet. Lange Zeit, so erzählt es Johannes vom Bemberg, habe zudem der Gottesdienst auf dem Burggelände stattgefunden.

Katholische Kirche bietet Ausweichquartier bei Regen an

Dorothee Lindenbaum und Stefan Bergner strahlen, wenn sie das Segensfest in leuchtenden Farben malen, mit glücklichen Menschen und wunderbarer Stimmung auf dem Marktplatz. Und wenn es regnet? Dann geht es unter den Schirm der gelebten Ökumene. Die katholische Kirche habe bereits angeboten, dass Paare und Geistliche dann in ihr Pfarrheim ausweichen können.

Nach dem Segensmarathon werden die beteiligten Pfarrerinnen und Pfarrer erschöpft sein, das weiß Bergner aus Erfahrung. Er weiß aber auch: „Wir werden spüren, dass wir mitgetragen werden.“ Mitgetragen vom gemeinsamen Glauben, in den das große Segensfest eingebettet wird. Einzelheiten zur Aktion „Einfach heiraten“ findet man im Internet, dort kann man sich auch anmelden.


In Hellenthal wird am 26.6.2026 gesegnet

Auch der Kirchenkreis Aachen macht mit bei der Aktion „Einfach heiraten“. Pfarrer Oliver Joswig öffnet dafür am Freitag, 26.6.2026, die evangelische Kirche in Hellenthal. Er und sein Team stünden bei der Planung noch eher am Anfang, erzählt er. Aber er ist sicher: „Wir werden den ganzen Tag zu tun haben.“ Mindestens vier, aber eher fünf oder sechs Geistliche sollen vor Ort sein, Termine werden für die Zeit von 10 bis 18 Uhr vergeben.

Außer der Kirche, Im Kirschseiffen 27, steht in Hellenthal der Taizé-Raum im alten Pfarrhaus zur Verfügung. Das sei ein Grund gewesen, sich für Hellenthal zu entscheiden. „Andere Orte mögen schönere Wiesen haben“, gesteht Joswig zu. Doch das Wetter stelle auch im Sommer ein nicht kalkulierbares Risiko dar. Es habe durchaus schon interessante Segensorte im Freien gegeben: In Bonn beispielsweise habe man an einer geschlossenen Schranke heiraten können.

In Hellenthal denkt man immerhin über einen kleinen Sektempfang vor dem Pfarrhaus nach. Organisiert wird die Aktion in Zusammenarbeit mit der benachbarten Kirchengemeinde Mechernich-Roggendorf. Die ersten Helfer hätten sich schon gemeldet, sagt Oliver Joswig.