Für die Premiere seiner Zauber-Show wählte Magier Imad Euskirchen aus. An der Performance muss das Team offenbar noch arbeiten.
Magie und HypnoseZauber-Show im Stadttheater Euskirchen mit einigen Premieren-Schwächen

Der Magier Imad feierte mit seiner Zaubershow Premiere in Euskirchen.
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Der Showbesuch beim Magier Imad im Euskirchener Stadttheater war mit Eintrittspreisen von teilweise mehr als 70 Euro nicht ganz billig. Es war eine Premierenveranstaltung, und das war dem Abend auch anzumerken.
Imad stammt aus Hamburg, pendelt aber nach eigenen Angaben seit Jahren zwischen Las Vegas und Deutschland. In den USA ist er vor großem Publikum aufgetreten, und jetzt möchte er seine magischen Fähigkeiten auch in seinem Heimatland präsentieren. Euskirchen wurde sein erster Veranstaltungsort.
Scheinbar mit sehr heißer Nadel gestrickt, ging am Abend manches schief. Mal brach die Übertragung der Tricks auf zwei Leinwänden ab, mal setzte die Musik nicht ein, mal kam der Kameramann nicht mit, wenn Imad im Publikum die kleineren Nummern seiner Kunst vorstellte. Die Einleitung der Pause bestand lediglich aus dem Ausschalten der Beleuchtung und dem Schließen des Bühnenvorhangs. Dass Pause war, musste man sich denken. Die Beleuchtung war bei den Spaziergängen in den Reihen spärlich, worunter auch die Bildqualität der Videoprojektion litt.
Teilweise waren die Tricks für das Publikum kaum zu sehen
Wenigstens kamen die an den Tricks beteiligten Zuschauer ins Staunen. Da wurden Papierstücke und Münzen in Scheine verwandelt und Dollars in Euros. Leider blieben die Tricks für den Rest des Publikums trotz Leinwand teilweise dem Glauben an Imads Worte überlassen. Zu sehen war wenig. Imad wusste viel von sich zu erzählen: „Ich habe schon einmal jemandem durch Hypnose dazu verholfen, 30 Minuten ohne Sauerstoff unter Wasser zu bleiben und zu überleben.“ Nett zu hören und zu glauben, aber nichts, was das Publikum zu sehen bekam, auch nicht auf Video.
Seine Hypnosefähigkeiten, die er nach der Pause zum Einsatz brachte, sind beachtlich. Menschen folgen schnell seinen Worten und fallen in Trance. Das konnte das Publikum auch auf den Videoclips sehen, die zwischendurch eingespielt wurden. Leider waren diese Videos genau dieselben, die schon im Internet kursieren. Gibt es nicht mehr?
Gut klappte auf der Bühne das Verschwindenlassen
Der hocherotische und anspruchsvolle Tanz eines Paares als Zwischeneinlage war leider ohne jeden Bezug zur Magie. Schön anzuschauen, aber irgendwie unzusammenhängend. Der Tänzer wurde vorab hoch gelobt, und Imad erwähnte, mit wem er alles schon zusammen getanzt hat. Diese Tendenz, große Worte zu machen, schwächt den Auftritt. Wer kann, der zeigt! Man muss dem Publikum nicht vorab suggerieren, dass es gefälligst beeindruckt zu sein habe.
Einige Tricks waren gut gelungen. Imad zauberte Weinflaschen aus hohlen Zylindern auf einen Tisch oder ließ einen Zettel in ein Buch verwandeln. Verwandlung und Verschwindenlassen waren die Stärken der Show. So verschwand Imad auf der Bühne hinter einem Tuch, um Sekunden später von hinten den Saal zu betreten. Verblüffend.
Mit einem Wurfmesser die richtige Karte getroffen
Auch ein Messerwurftrick konnte begeistern. Eine Assistentin warf ein Kartenspiel in die Luft, in dem sich eine signierte Karte eines freiwilligen Helfers befand. Der stand mit einem Schutzbrett vor dem Bauch und verbundenen Augen auf der Bühne. Als die Karten sich in der Luft befanden, warf Imad ein Wurfmesser. Es blieb mit der handsignierten Karte des Teilnehmers im Brett stecken. Spannend. Wie geht sowas?
Erstaunlich war ebenfalls eine Illusion, bei der Imads Körper anscheinend in zwei Hälften geteilt und gekippt wurde. Der Körper klappte zur Seite auf. Leider fehlte diesem Trick die richtige Einleitung mit einem Spannungsaufbau. Ein Entfesselungstrick schaffte es auch nicht, besonders zu faszinieren. Dabei wurden Imad von seinen emsigen Mitarbeiterinnen Ketten angelegt, die ihn auf eine Metallunterlage fixieren sollten. Kein Zuschauer durfte jedoch überprüfen, wie sicher die Verschnallung war. Der eigentliche Trick erfolgte dann hinter einem Tuch.
Die Show litt unter zu viel Selbstdarstellung des Magiers
Eine zu schwache Beleuchtung von hinten sollte Imads Entfesselungsversuche darstellen. Er musste es nach eigenen Worten in 60 Sekunden schaffen, sich von der Unterlage zu befreien, bevor Eisenstäbe herabfielen und ihn durchbohrt hätten. Kein Countdown sorgte für Spannung. Am Ende waren die Stäbe unten und Imad gesund. Wer hätte das gedacht?
Obwohl der Trick für viel Spannung hätte sorgen können, ist es Imad nicht gelungen, ein Gruseln zu erzeugen. Das lag unter anderem daran, dass sich der Magier in Selbstdarstellung verliert. Nicht das Mystische schien am Abend im Vordergrund zu stehen, sondern die eigene Person.
Da es sich um eine Premierenveranstaltung handelte und viele Details der Präsentation mit Sicherheit noch weiterentwickelt werden, muss man sich mit einem abschließenden Urteil zurückhalten. Es darf auch nicht übersehen werden, dass ein großer Einsatz an Können und finanziellem Risiko hinter so einer Show stecken.
Alle Zaubereien des Abends haben durchaus das Zeug, eine beeindruckende magische Veranstaltung zu werden. Aber an der Performance muss das Team noch arbeiten. Ein Moderator, der dem Magier erlaubt, sich auf die schwierigen Illusionen zu konzentrieren, könnte eine Verbesserung darstellen. Das Publikum im etwa halb besetzten Stadttheater blieb auffallend zurückhaltend mit seinem Applaus.

