Karneval in EuskirchenFeiern in Zeiten des Krieges

In farbenfrohen Kostümen feierten Groß und Klein auf dem Alten Markt in Euskirchen gemeinsam ein bisschen Karneval. Auf ein Bühnenprogramm war verzichtet worden.
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Euskirchen – Plötzlich wurde es ganz still auf dem Alten Markt in Euskirchen. Männer und Frauen, Kinder und Senioren hatten sich am Samstag mit farbenfrohen Kostümen zusammengefunden, um nach langer, von der Corona-Pandemie und der verheerenden Flutkatastrophe geprägten Zeit endlich wieder gemeinsam Karneval zu feiern.
"Nachrichten sind ein Schock"
Die ersten Minuten dieses Treffens, galten jedoch einem anderen Thema. „Die Nachrichten, die uns aktuell aus der Ukraine erreichen, waren für uns alle ein großer Schock“, sagte Dominik Schmitz, Vizepräsident des Festausschusses Euskirchener Karneval (Feuka). Aus diesem Grund wolle man die Veranstaltung mit einer Schweigeminute beginnen. Im Vorfeld habe es zudem eine lange Diskussion darüber gegeben, ob die Karnevalsfeier überhaupt stattfinden solle.
„Viele von den hier Anwesenden haben sich seit Jahren nicht gesehen, und auch die Flut hat viele hart getroffen. Wir fanden es daher wichtig, in einer solchen Zeit den Menschen eine Möglichkeit zu bieten, sich für kurze Zeit von den düsteren Gedanken abzulenken, ohne dabei jedoch unsere Solidarität für die vom Krieg betroffenen Menschen zu vergessen“, sagte Schmitz.

Bürgermeister Sacha Reichelt (2.v.r.) freute sich, dass die Menschen einmal abschalten konnten.
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Besuche in Kindergärten, mit denen die Feuka-Mitglieder in den vergangenen Wochen zumindest ein wenig Karnevalsstimmung unter dem Euskirchener Nachwuchs verbreiten wollten, hätten gezeigt, wie wichtig der Erhalt des Brauchtums sei, betonte er. „Einige Kinder wussten mit Karneval überhaupt nichts anzufangen, da wir im letzten Jahr alle Besuche absagen mussten. Nach einer kurzen Erklärung waren aber alle von der Ablenkung begeistert.“
Dennoch blieb die Frage, ob die Lage in Osteuropa eine ausgelassene Feier überhaupt zulasse, in den Köpfen der Karnevalsfreunde bestehen. „Ich kann jeden verstehen, der heute nicht hier ist, um zu feiern. Genauso kann ich aber auch jeden verstehen, der heute hier ist“, erklärte Euskirchens Bürgermeister Sacha Reichelt. „Gerade jetzt ist es wichtig, in der Gemeinschaft über das Geschehen nachzudenken, sich auszutauschen und in einem würdigen Rahmen die Gelegenheit zu nutzen, einmal abschalten zu können.“'
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Diese Worte schienen die Narren am Samstag verinnerlicht zu haben. Obwohl die allgemeine Stimmung kaum mit der Sorglosigkeit der vergangenen Jahre vergleichbar war, schunkelten die Anwesenden zur Euskirchener Stadthymne, besangen mit DJ Jörg Greve „et Trömmelche“ und schlossen sich der von den Kindern der KG Erfttal angeführten Polonaise an.
Auf ein Bühnenprogramm hatten die Veranstalter aber bewusst verzichtet, wie Dominik Schmitz erklärte. „Unsere Gedanken sind auch weiterhin bei den vom Krieg betroffenen Menschen in der Ukraine. Diese Feier soll eine Möglichkeit bieten, mit seinen Gedanken nicht allein bleiben zu müssen.“




