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Zu viel NitratKein Wasser aus dem Verbandswasserwerk Euskirchen für Hochwald

Lesezeit 4 Minuten
An der Wassergewinnungsanlage in Oberelvenich wird für 400.000 Euro ein Absatzbecken gebaut, um speziell den zu hohen Eisenanteil im Wasser zu reduzieren.

An der Wassergewinnungsanlage in Oberelvenich wird für 400.000 Euro ein Absatzbecken gebaut, um speziell den zu hohen Eisenanteil im Wasser zu reduzieren.

Euskirchen/Mechernich – Wenn alles nach Plan läuft, wird die Hochwald Foods GmbH im kommenden Frühjahr beginnen, im Gewerbegebiet Obergartzem III eine große Milchfabrik zu bauen, in der 220 Arbeitsplätze entstehen. Die Grundstücksgeschäfte zwischen der Stadt und dem Unternehmen sind weitgehend unter Dach und Fach.

Dennoch sind bis zum Baubeginn noch einige Fragen zu klären – unter anderem, wo die 1500 bis 2000 Kubikmeter Wasser herkommen, die Hochwald für die tägliche Produktion benötigt. Geklärt ist, dass das Verbandswasserwerk Euskirchen als möglicher Lieferant aus dem Rennen ist, wie aus einem Gespräch dieser Zeitung mit Oliver Müller, dem Geschäftsführer des Wasserwerks, hervorging.

Angesichts der Tatsache, dass Mechernichs Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick Aufsichtsratsvorsitzender des Euskirchener Wasserwerks ist, überrascht die Absage an Hochwald ein bisschen. Aber der Geschäftsführer hat Gründe für den negativen Bescheid. „Wir wären durchaus in der Lage, Hochwald mit den nötigen Mengen Wasser zu beliefern“, stellte Müller klar. Während der Hitzewelle habe man statt der üblichen 9000 Kubikmeter pro Tag bis zu 15000 Kubikmeter an die Kundschaft geliefert, ohne dabei an die Reserven gehen zu müssen. Sowohl der benachbarte Wasserversorgungsverband Euskirchen-Swisttal als auch der Wasserverband Oleftal hatten im extrem heißen und trockenen Sommer die Verbraucher zum sparsamen Umgang mit dem Wasser aufgerufen.

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„Man muss sich vor Augen halten, dass die Milchfabrik einen Wasserverbrauch hat, der dem einer Stadt mit 10000 bis 15000 Einwohnern entspricht“, erklärte Müller im Beisein des Prokuristen Werner Möhrer. Es sei deshalb nicht ganz einfach, Wassermengen in dieser Größenordnung von einem Tag auf den anderen zur Verfügung zu stellen.

Die Eifel und die Zülpicher Börde, so Müller, gehörten zu den trockensten Regionen in ganz NRW. Im Bergischen Land beispielsweise falle deutlich mehr Regen. Trotzdem verfügt das Verbandswasserwerk über ergiebige Quellen unter anderem in Bleibuir, Satzvey, Eicks und Oberelvenich.

Die Quantität des Wassers ist die eine Sache, die Qualität eine andere. Die Euskirchener Wasserversorger haben zum Beispiel mit den Mehlenbach-Quellen bei Eicks seit Jahren Probleme. Die Nitratwerte des Wassers aus diesem Brunnen liegen regelmäßig über dem Grenzwert von 50 mg pro Liter. Das heißt, dieses Wasser kann nur als Trinkwasser genutzt werden, wenn es mit geringer belastetem Wasser vermischt wird.

Keine Besserung der Wasserqualität

Dieses „Verschneiden“ ist mit einigem personellen und finanziellen Aufwand verbunden, den letztendlich die Kunden zu bezahlen haben. Die Wasserversorger haben in der Vergangenheit versucht, die Landwirte, die im Bereich der Mehlenbach-Quellen ackern, dazu zu bringen, weniger Kunstdünger und vor allem Gülle auszubringen. Aber eine Besserung der Wasserqualität hat sich bisher noch nicht eingestellt. „Es ist erfreulicherweise aber auch nicht gravierend schlechter geworden“, so Müller.

Im Bereich des größten Brunnens des Verbandswasserwerks in Oberelvenich wurden bisher keine besonders hohen Nitratwerte gemessen. Dafür ist der Eisen- und Sulfatanteil im Wasser, das dort gefördert wird, ungewöhnlich hoch. Eisen und Sulfat, so Müller, rührten von abgebauten Nitraten her, das hätten Expertisen zweifelsfrei ergeben. Man will speziell das Eisen durch den Bau eines Absatzbeckens, das 400000 Euro kostet, weitestgehend aus dem Wasser entfernen. Außerdem haben Fachingenieure dem Wasserversorger geraten, möglichst alle Quellen gleichzeitig anzuzapfen, um eine bessere Durchmischung zu gewährleisten.

Auch in Oberelvenich wird es ab dem 1. Januar 2019 eine Kooperative mit den betroffenen Landwirten geben. Landwirtschaftliche Experten, die vom Wasserversorgungsverband bezahlt werden, sollen den Bauern helfen, den Einsatz von Düngemitteln auf das Nötigste zu beschränken.

Bereits im vergangenen Jahr hatte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit auf Antrag des Erftverbands den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im Rübenanbau im fraglichen Bereich untersagt.

Die Erfahrungen aus den zurückliegenden Jahren haben gezeigt, dass Kooperativen mit den Landwirten nicht dazu geführt haben, dass die Belastung des geförderten Wassers geringer wurde. Oliver Müller hofft zwar nicht, dass die Nitratwerte in Zukunft noch höher ausfallen. In einem solchen Fall würde es dem Verbandswasserwerk schwer fallen, bis zu 2000 Kubikmeter Wasser pro Tag an Hochwald zu liefern. „Ein solches Unternehmen benötigt diese Menge schließlich sieben Tage die Woche“, gab Müller zu bedenken.

Weil die Quellen in Eicks und Oberelvenich mit den erwähnten Problemen behaftet sind, wollte der Geschäftsführer keinerlei Risiko eingehen. „Unsere Kunden haben ein Recht darauf, von uns mit einwandfreiem Wasser beliefert zu werden“, lautet Müllers Credo. Wenn die Zusammenarbeit mit den Landwirten keine positiven Ergebnisse zeitige, müsse man leider in zusätzliche, kostenintensive Reinigungsanlagen investieren.

Möglicherweise erhalten die Wasserversorger der Region aber auch Schützenhilfe von der EU. Der Europäische Gerichtshof hatte Deutschland im Juni wegen der Verletzung von EU-Recht verurteilt, weil die Bundesregierung zu wenig gegen Nitrate im Grundwasser unternommen hatte. Die EU-Kommission könnte nun eine Strafzahlung gegen Deutschland verhängen.

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