Träumen darf man ja: In Weilerswist haben manche die Idee für einen großen Gemeindezug. Ob das aber jemals umgesetzt wird, ist offen.
Mehr als 700 TeilnehmerDer Zoch in Weilerswist ist ein buntes Karnevals-Rodeo

Ein Herz für Weilerswist, ein Herz für den Karneval: Die Gruppe um Regina Arz war herrlich jeck.
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Die Idee klingt abgehoben. Ein Gemeindezug von Vernich bis Weilerswist. Volle Kraft voraus. Jecke Kräfte bündeln für eine Mission, die so schwerelos klingt wie die Mondlandung. „Das würde der Gemeinde richtig gut tun“, sagt Bettina Frankenberg. Die Weilerswisterin weiß, wovon sie spricht. Sie kennt den Zoch noch, als er am Veilchendienstag durch die Straßen zog. „Ich hatte als Kind die Chance, vier Tage Kamelle zu sammeln und dann dienstags zu werfen. Trotzdem finde ich gut, dass der Zug mittlerweile samstags geht“, so Frankenberg: „Dennoch wäre ich Fan von einem echten Gemeindezug.“
Die Weilerswisterin ist längst aus dem Alter raus, die gesammelten Kamelle zu werfen. Seit 27 Jahren geht sie mit den „Dauerbrennern“ im Zoch mit – in diesem Jahr als Fische. Entsprechend gingen sie nicht durch die Straßen, sondern schwammen und hatten ihre Kamelle im Planschbecken dabei – und tauchten die Zuschauer am Straßenrand in ein Leckereienmeer.
An den Marterpfahl musste in Weilerswist niemand
Zu einem guten wilden Westen gehört auch ein Schütze. Entsprechend hatte die Gruppe „Zugsüchtig“ um Regina Arz den amtierenden Bürgerkönig der Schützen in ihren Reihen. Allerdings scheint sich Ralf Kessel einen zweifelhaften Ruf erarbeitet zu haben. Der Grund: Am Bagagewagen wehte ein „Most Wanted“-Schild mit Kessels Konterfei. Ansonsten feuerten die 15 Jecke aus allen Rohren – Kamelle und Strüßjer. Schwerter zu Pflugscharen, Revolverhelden zu Herzensbrechern am Valentinstag.
Auf einen Saloon verzichteten die Zugsüchtigen, eine Art Marterpfahl hatten sie aber dabei. Der war in Form des Swister Turms auf den Bagagewagen gebaut. Da sich aber die Jecke am Straßenrand gut benahmen, dürfte da am Ende des Zugs höchstens der Nubbel festgebunden worden sein.
Völlig losgelöst von der Erde schwebte die Elterninitiative durch die Straßen, die seit fünf Jahren fester Bestandteil des Nelkensamstagszugs in Wielde ist. Das Motto wechselt jedes Jahr, koordiniert wird alles über Whatsapp-Gruppen. In diesem Jahr waren die rund zehn Familien samt Freunden und Anhang als Astronauten verkleidet – Wieldes Pänz for Future.
Und wer weiß, vielleicht gehen die Nachwuchsraumfahrer irgendwann tatsächlich in einem echten Gemeindezug mit. Es wäre jedenfalls passender als das Motto der Gemeinde „Am Swist der Zeit“. Wer so um die Ecke denkt, kann auch über eine riesengroßen Gemeindezoch nachdenken – vielleicht wären auch noch mit Metternich, Lommersum, Hausweiler gerne dabei. Herrlich jeck wäre es jedenfalls.
Die größte Gruppe war übrigens wieder die Gesamtschule. 150 Schüler, Eltern und Lehrer waren dabei. Zugleiter Dennis Weyer, seine Frau Mareike und Tochter Laura waren zufrieden. „Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde, den Hilfsorganisationen und den Jecken ist toll. Das macht unsere Arbeit sehr leicht“, so der Zoch-Chef, der wieder vom bunten Wagen den Umzug durch Wielde eröffnete.


