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Neue VerkehrsführungMünsterstraße in Zülpich wird ab 2024 umgestaltet

Lesezeit 6 Minuten
Stadtplaner Christoph Hartmann geht auf der Münsterstraße, die im Rahmen des Integrierten Handlungskonzeptes saniert werden soll.

Mehr Fußgänger, weniger Autos: Das will Stadtplaner Christoph Hartmann auf der Münsterstraße erreichen.

Zahlreiche Bauvorhaben stehen in den nächsten Jahren in Zülpich an, bei denen knapp elf Millionen Euro investiert werden.

Zwei große Baustellen kommen im kommenden Jahr auf die Zülpicher Bürgerinnen und Bürger zu. Zum einen wird mit der Umgestaltung von Münsterstraße, Brauersgasse und Juhlsgasse begonnen, zum anderen soll der zweite Bauabschnitt der Sanierung der Römerallee eröffnet werden. Das berichtet Christoph Hartmann Stadtplaner der Stadt Zülpich im Gespräch mit dieser Zeitung.

Bei der ersten Baustelle handelt es sich um eine Maßnahme aus dem Integrierten Handlungskonzept (IHK) für die Stadt Zülpich, das vor drei Jahren vorgestellt wurde. Die Fördergelder für die Maßnahme seien bereits beantragt und bewilligt, weshalb die Neugestaltung dieses Innenstadtbereichs bis Ende 2025 abgeschlossen sein müsse, erläutert Hartmann. „Deshalb geht es jetzt auch mit Vollgas los.“

Irritiert zeigt er sich darüber, dass bei vielen Zülpichern nach wie vor Unklarheit über die künftige Verkehrsführung auf der Münsterstraße herrscht. Das sei doch längst beschlossen. Man wolle die Aufenthaltsqualität auf der Münsterstraße verbessern, mehr Platz für Außengastronomie, Geschäftsaufsteller und Fußgänger schaffen. „Deshalb sollen die Stellplätze aus der Münsterstraße raus, nicht aber der Verkehr.“ Also keine feste Fußgängerzone.

Der Park-Suchverkehr in der Zülpicher Innenstadt wird reduziert

Konkret sei geplant, den permanenten Park-Suchverkehr in der Innenstadt zu stoppen. Aktuell fahren viele Autofahrer über die Münsterstraße in die Stadt hinein, biegen dann vor der Kreissparkasse links auf die Guinbertstraße ab, fahren dann wieder links auf den Mühlenberg, biegen erneut links auf die Brauersgasse ab, um schließlich mit einem erneuten Links-Abbiegen wieder auf der Münsterstraße zu landen. Die meisten fahren laut Hartmann solange in diesem Kreis, bis sie einen Parkplatz in der Innenstadt finden.

Unterbinden will man das, indem man die Einbahnstraßenregelung der Brauersgasse ändert. Künftig soll es möglich sein, nach dem Passieren des Münstertors links auf die Brauersgasse abzubiegen und direkt zum Mühlenberg zu gelangen. Dadurch sei ein Im-Kreis-Fahren in der Innenstadt nicht mehr möglich, so Hartmann. Und: „Das soll die Autofahrer dahin lenken, wo es die meisten Parkplätze gibt, nämlich auf den Mühlenberg.“ Denn durch die wegfallenden Stellplätze auf der Münsterstraße gebe es für Parkplatzsuchende überhaupt keinen Grund mehr, über diese Straße durch die Innenstadt zu fahren.

Zudem soll der neue Parkplatz an der Nideggener Straße Entlastung schaffen. Etwa 50 Parkplätze sollen hier entstehen, also mehr als dreimal so viele, wie auf der Münsterstraße künftig wegfallen werden. Die Bauarbeiten dort sind bereits in vollem Gang. Ziel sei es, dass der Parkplatz fertiggestellt sei, bevor die Baumaßnahme auf der Münsterstraße beginne, so Hartmann.

Haltebuchten für den Lieferverkehr sind vorgesehen

Da die Geschäfte auf der Münsterstraße zum Teil auf Anlieferungen angewiesen seien, werde es in Zukunft Liefer- und Haltebuchten auf der Münsterstraße geben, in denen man für einen gewissen Zeitraum halten dürfe. Wie viele genau das sein sollen, ist laut Hartmann noch in Planung, aber es sollen weniger als 15 sein.

Diese Verkehrsführung auf der Münsterstraße entspricht laut Stadt der ursprünglichen Planungsvarianten 2b und 3. Diese unterscheiden sich im Wesentlichen nur darin, dass 2b eine temporäre Fußgängerzone vorsieht, Variante 3 nur einen verkehrsberuhigten Bereich. Beschlossen wurde das laut Stadt schon im Dezember 2020, einstimmig. Bei einer Bürgerwerkstatt im Juni 2021 – es gab Verzögerungen wegen Corona – sei dann die Öffentlichkeit darüber informiert worden.

Temporäre Fußgängerzone könnte ausprobiert werden

Laut Hartmann hat die Stadt mit der Entscheidung für diese beiden Varianten die höchstmögliche Flexibilität. Umgesetzt werden soll erst einmal die Variante ohne Fußgängerzone. Es wäre aber denkbar, in Zukunft eine temporäre Fußgängerzone, beispielsweise am Wochenende, auszuprobieren. Theoretisch könnte man auch die Stellplätze wieder einführen. „Da wollen wir aber nicht hin.“ Ziel ist es, Anfang des Jahres mit den Bauarbeiten zu beginnen. Die Bauphase werde zwei Jahre betragen.

„Wir werden natürlich nicht alle Maßnahmen gleichzeitig anpacken“, sagt Hartmann. Die Neugestaltung der Schumacherstraße habe man daher auch erst einmal zurückgestellt, aber auch diese müsse bis Ende 2025 abgeschlossen sein. Die gesamte Maßnahme (Münsterstraße, Schumacherstraße, Brauersgasse und Juhlsgasse) sind im IHK mit rund 1,1 Millionen Euro veranschlagt.

An der Römerallee soll auch weiter gearbeitet werden

Die Stadt hat eine Bürgerversammlung für diesen Montag angesetzt, um über die Baumaßnahme zu informieren. Im November soll dann der Ausschuss für Struktur, Verkehrs- und Energiewende darüber beraten.

Ebenfalls 2024 soll auch an der Römerallee weiter gearbeitet werden. Der nächste Bauabschnitt reiche von der Straße „Am Meilenstein“ bis hin zum Kreisverkehr am Autohaus Anton Gotzen, berichtet der Stadtplaner. Derzeit warte man noch auf die Bewilligung der Fördergelder für die Schwammstadtbäume. Er rechne damit, dass im ersten Quartal 2024 die Arbeiten beginnen können. „Das heißt, wir haben zwei große Baustellen vor uns“, resümiert Hartmann.

Zülpicher Rathaus soll für 2,8 Millionen Euro saniert werden

Doch dabei wird es nicht bleiben, denn das IHK sieht noch einige weitere Maßnahmen vor. Ebenfalls bis Ende 2025 muss die Rathaussanierung abgeschlossen sein. Die 2,8 Millionen Euro teure Maßnahme soll noch in diesem Jahr politisch beraten werden. Ziel sei es, den Eingangsbereich einladender und barrierefrei zu gestalten sowie das Gebäude energetisch zu sanieren, berichtet Hartmann. Ein großes Thema sei dabei die Heizung.

Die Neugestaltung der Von-Lutzemberger-Straße ist ebenfalls Teil des IHK und laut Hartmann auch dringend angezeigt. Geplant sei hier ein Baubeginn 2025 oder 2026. Zur Neugestaltung der Kölnstraße, ebenfalls im Konzept aufgeführt, soll es noch eine Bürgerversammlung geben. Hier plant die Stadt mit einem Baubeginn 2026/27. Und auch die Neugestaltung der Bürgerbegegnungsstätte Martinskirche sei für die Verwaltung ein wichtiges Projekt, sagt Hartmann.

Umsetzung des Konzepts wird zehn Jahre dauern

Insgesamt werde die komplette Umsetzung des IHK sicherlich zehn Jahre brauchen. „In der Stadtplanung darf man nicht ungeduldig sein.“ Das könnte für den ein oder anderen Zülpicher zum Mantra werden, wenn er in den kommenden Jahren durch die Baustellen in der Stadt fährt.

10,95 Millionen Euro sollen über das IHK in der Stadt Zülpich investiert werden. 65 Prozent davon werden gefördert. „Da ist der Deckel drauf“, sagt Christoph Hartmann. „Mehr Geld gibt es leider nicht.“ Jedoch seien die Baukosten inzwischen stark gestiegen, weshalb die Kosteneinschätzungen für einige Maßnahmen nun nicht mehr stimmten.

Einige Projekte wieder aus der Planung gestrichen

Die Stadt hat daher Einzelprojekte wieder aus dem IHK gestrichen. Der Großteil seien Maßnahmen, bei denen die Stadt ohnehin nicht im Eigentum sei und eine zeitnahe Umsetzung daher unrealistisch sei, so Hartmann. Das betrifft beispielsweise den Platz an der Grünen Gasse. „Das ist ein Schandfleck“, sagt Hartmann klar. Aber das Grundstück gegenüber der Eisdiele sei in privater Hand, und der Eigentümer wolle nicht verkaufen. Gleiches gelte für den Prälat-Lenzen-Platz.

Auch die Neugestaltung der Rathausgasse wurde gestrichen. Hier sei die Stadt zwar Eigentümerin, aber die Straße sei noch in einigermaßen gutem Zustand. „Das wäre nice to have“, sagt Hartmann

Alle Bürgerinnen und Bürger sind zu einer Versammlung eingeladen, die an diesem Montag, 30. Oktober, um 19 Uhr im Forum Zülpich beginnt. Die Stadt will dort über die Neugestaltung von Münsterstraße, Schumacherstraße, Brauersgasse und Juhlsgasse sowie die Ausführungsplanungen der einzelnen Bauabschnitte informieren. Auch die beteiligten Fachbüros werden dabei sein. „Wir hoffen, dass viele kommen“, sagt Hartmann. Noch könne man sich einbringen. Wenn die Bagger erst einmal rollten, sei es zu spät

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