Der Bürvenicher Weltreisende Florian Berg ist in den peruanischen Anden ums Leben gekommen – vermutlich traf ihn bei einem Unwetter ein Blitz.
Dorf steht unter SchockBürvenicher Rad-Globetrotter kommt in Peru bei Unwetter ums Leben

Florian Berg aus Bürvenich und mit seinem Fahrrad und allem, was er für die zweieinhalb Jahre zum Leben brauchte. Der Bürvenicher hatte sich vorgenommen, die Welt mit dem Rad zu umrunden.
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Was für viele ein ferner Traum bleibt, hat Florian Berg gelebt. Mit seinem Fahrrad hat er die Welt umrundet – getrieben von Neugier, Mut und einer großen Liebe zur Freiheit. Nun ist der 29-Jährige in den peruanischen Anden ums Leben gekommen. Nach ersten Erkenntnissen der peruanischen Polizei wurde der Bürvenicher während eines Unwetters in der Region Áncash von einem Blitz getroffen.
Berg war laut peruanischer Touristenpolizei am Samstag mit dem Fahrrad von Huaraz aus aufgebrochen, einer Stadt in den nördlichen Anden Perus, rund 400 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Lima. Er habe in Richtung der Laguna de Conococha fahren wollen, eines Hochlandsees zwischen Lima und Huaraz. Doch für den Abenteurer aus Zülpich endete dort auf tragische Weise seine außergewöhnliche Reise.
Region um Huaraz gilt als Zentrum für Bergsport und Abenteuertourismus
Nachdem der 29-Jährige mehr als einen Tag als vermisst gegolten hatte, starteten Polizei und Rettungskräfte eine Suchaktion. Laut lokalen Medienberichten hatte sich Berg während eines plötzlichen Unwetters in ein Zelt zurückgezogen und wurde dabei offenbar von einem Blitz getroffen. Die Region um Huaraz gilt als Zentrum für Bergsport und Abenteuertourismus in Peru. In der aktuellen Regenzeit kommt es dort regelmäßig zu schweren Unwettern mit Gewittern und starkem Niederschlag.
Der Tod des 29-Jährigen hat sich in seinem Heimatort längst herumgesprochen. „Ganz Bürvenich steht unter Schock“, sagt Jürgen Hoscheid, der im Ort vernetzt ist wie kaum ein anderer – und vor elf Jahren mit Florian Berg beim Halbmarathon in Köln an den Start ging.

Auf diesem von der Touristenpolizei in Huaraz zur Verfügung gestellten Bild ist die Suche nach einem deutschen Touristen zu sehen, der in der peruanischen Andenregion Ancash vermisst wurde.
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„Er war ein unheimlich netter Mensch“, sagt Hoscheid. Der tragische Tod gehe nicht nur ihm nahe, sondern auch den Mitgliedern des Bürvenicher Tambourcorps. Eigentlich hätte der Verein in dieser Woche einen Auftritt gehabt. Er wurde jedoch abgesagt. Zu tief sitze der Schmerz bei den Mitgliedern, denn auch Florian Berg war Teil des Tambourcorps – wenn er nicht gerade auf dem Rad die Welt bereiste.
„Er war sich damals bewusst, dass es eine unheimlich gefährliche Tour ist – und dass es das Risiko gibt, dass er nicht zurückkehren wird“, sagt Hoscheid.
Bürvenicher brach am 3. März 2024 ins Abenteuer auf
Auch die Redaktion hörte mit großer Betroffenheit vom Tod des 29-Jährigen. Zuletzt stand sie vor einigen Monaten im Kontakt mit dem jungen Abenteurer, als er für einen großen Bericht in dieser Zeitung aus den USA über seine bisherigen Erlebnisse berichtete. Auch auf seiner Internetseite www.bluemiracle.de. postete er fortlaufend Reiseberichte von seiner Weltumrundung.
Am 3. März 2024 war Florian Berg in sein wohl größtes Abenteuer aufgebrochen: eine Weltreise mit dem Fahrrad, einmal rund um den Globus. Mehr als 30 Länder hat er seitdem durchquert – durch Wüsten und Hochgebirge, durch Tropen und Tundra, durch Kälte, Hitze, Hunger und Staub. Er fuhr quer durch Europa bis in die Türkei, über die legendären Höhenpässe des Pamirgebirges, durch Zentral- und Ostasien, weiter nach Australien und Neuseeland, später durch Alaska, Kanada und die USA. Überall suchte er nicht den einfachsten Weg, sondern den echten – authentisch und lebensverändernd, wie er selbst es nannte.
Ein Glas Nutella wurde zum Symbol der Verbundenheit
Florian Berg war kein Tourist, er war ein Suchender. Ein Mensch, der sich selbst herausforderte und die Welt verstehen wollte – und der dennoch nie den Kontakt in die Heimat verlor. Nach Informationen dieser Zeitung war er während seiner Reise virtuell per Teams-Schalte bei einer Sitzung des Zülpicher Stadtrats zugeschaltet. Der Grund: Der Bürvenicher Florian Berg hatte beim Wettbewerb Stadtradeln mitgemacht – und das ausgesprochen erfolgreich.
Auf seiner Weltreise lernte er die unterschiedlichsten Gesichter der Menschlichkeit kennen – von der stillen Herzlichkeit in den Bergen Nepals bis zur überschäumenden Gastfreundschaft in Pakistan, wo ihm ein Fremder ein Glas Nutella schenkte, das vermutlich seit Jahren im Regal gestanden hatte. Für Florian war dieses Geschenk ein Symbol – nicht des Wohlstands, sondern der Verbundenheit.
Ich habe gelernt, dass viele Dinge, die wir in Deutschland für selbstverständlich halten, in weiten Teilen der Welt purer Luxus sind.
„Ich habe gelernt, dass viele Dinge, die wir in Deutschland für selbstverständlich halten, in weiten Teilen der Welt purer Luxus sind“, sagte er im August 2025 im Gespräch mit dieser Zeitung. Es war ihm wichtig, den Klimawandel und seine Folgen mit eigenen Augen zu sehen. Er berichtete von schmelzenden Gletschern, vertrockneten Feldern, brennenden Wäldern – und von Menschen, die ihre Heimat verlieren, weil die Erde sich verändert. Seine Reise war auch eine Mahnung: hinzuschauen, zu begreifen, Verantwortung zu übernehmen.
Der Bürvenicher lebte, was er sagte: Freiheit bedeutete für ihn nicht Leichtfertigkeit, sondern Selbstbestimmung. Mit seinem Zelt, seinem Kocher und seinem Fahrrad war er fast vollständig autark – kein E-Bike, keine Begleitung, kein Komfort. Nur die eigene Kraft, die Straße und der nächste Horizont. Er schlief unter Sternen, kochte am Straßenrand und fuhr tagelang durch Regionen, in denen es kein Wasser, keinen Empfang, keine Straßen mehr gab. „Alles geschieht aus eigener Kraft – ein Gefühl, das unendlich befreit“, schrieb er.
In den Anden Perus wollte Berg weiter nach Süden, Richtung Panama und später nach Afrika. Es war die Fortsetzung seines großen Traums – einer Reise, die zeigen sollte, dass Mut, Neugier und Einfachheit ein erfülltes Leben tragen können. Die Staatsanwaltschaft in Peru untersucht die genauen Umstände seines Todes. (mit dpa)

