In der Ausstellung „Zündstoff“ in der Zülpicher Galerie Roy sind Werke von Maf Räderscheidt und Max Leinfelder zu sehen.
AusstellungIn der Galerie Roy in Zülpich gibt's ein feuriges Spektakel

Im Rahmen der Ausstellung „Zündstoff“ präsentierten Stephan Everling, Maf Räderscheidt und Max Leinfelder (v.l.) eine zum Thema passende Performance für die Besucher der Galerie Roy.
Copyright: Cedric Arndt
Für Kunstfreunde können die Bilder von Maf Räderscheidt, die derzeit in der Galerie Roy in Zülpich zu sehen sind, ganze Geschichten erzählen. Sie scheinen nicht nur eine Momentaufnahme darzustellen, sondern ständig in Bewegung zu sein. Glaubte man gerade noch, die dargestellte Szene auf einen Blick erfasst zu haben, offenbaren sich während der Betrachtung immer neue Details, die das Gesehene in eine völlig andere Richtung lenken können.
„Abends liege ich oft im Bett und mir fallen die Geschichten ein, die ich dann sofort aufschreibe“, berichtete die Künstlerin. Im Rahmen der Ausstellung „Zündstoff“, die die Schleidenerin gemeinsam mit Künstlerkollege Max Leinfelder präsentiert, wollte sie nun auch die Besucherinnen und Besucher an eben diesen Geschichten teilhaben lassen.
Maf Räderscheidt singt, was sie beim Malen denkt
„Zur Musik singe ich das, was mir auch beim Malen der Bilder durch den Kopf gegangen ist. Dadurch werden die Motive noch lebendiger“, so Räderscheidt. Zu diesem Schritt habe sie jedoch zunächst eindringlich von Stephan Everling, der die musikalische Performance an der Gitarre begleitete, motiviert werden müssen. „Ich habe Stephan immer gesagt, dass ich nicht singen kann, aber er hat trotzdem darauf bestanden“, berichtete Maf Räderscheidt lachend.
Mit dem Ergebnis, das das in Anlehnung an den Großvater der Künstlerin „Alles außer Anton“ genannte Duo bereits in einem eigenen Album veröffentlicht hat, sei sie dennoch sehr zufrieden. Der Titel „Träum weiter“ beschreibe genau den Zustand, der beim Hören der Musik und im Idealfall beim gleichzeitigen Betrachten der Bilder entstehen solle.
Zu den Malereien entstehen individuelle Musikstücke
„Mit den Free-Jazz- und Blues-Genres bin ich sehr gut vertraut und habe daher auch schon einige Erfahrungen in der Improvisation sammeln können, die mir bei unserer heutigen Performance zugute kommen“, berichtete der Journalist und Musiker. Obwohl die Rahmenhandlung des von Maf Räderscheidt vorgetragenen Sprechgesangs zwar bei jeder Vorführung erhalten bleibe, ändere sich die Reihenfolge der Details und somit auch die Klangfarbe einzelner Szenen.
„Wenn ich zum Beispiel über das Bild ,Plumpsklo' singe, weiß ich genau, was ich ausdrücken möchte. Trotzdem singe ich immer das, was mir von der ganzen Handlung gerade in den Sinn kommt. Darauf muss Stephan sich dann einstellen“, erklärte die Künstlerin lachend. Für die Besucher der Galerie Roy entstand daher ein neues, in seinen Feinheiten individuelles Musikstück zu den vorgestellten Malereien, das ein noch tieferes Abtauchen in die Gedankenwelt und das Schaffen der Künstlerin ermöglichte.
Max Leinfelder setzte eines seiner Bilder in Brand
Abgerundet wurde die gemeinsame Performance durch ein feuriges Spektakel, das Ausstellungspartner Max Leinfelder ebenfalls zu den Klängen der Musik des Duos entzündete. Dabei steckte er eines seiner Bilder in Brand, das entgegen manchen Erwartungen dennoch nicht zerstört wurde. „Ich bin bei meiner Arbeit sehr spontan und entscheide häufig aus dem Bauch heraus, welche Farbe sich am besten eignen würde, um ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen“, so Leinfelder. Diese Vorgehensweise beschreibt der Künstler als kreativen Zufall, bis der Zufall schließlich „sein Gesicht zeigt“.
Auch die Performanceidee sei einem ähnlichen Umstand zu verdanken. „Ursprünglich war ich eigentlich nur zu ungeduldig, darauf zu warten, dass die Farben trocknen. Auf diese Weise geht es deutlich schneller und für die Zuschauer ist es auch viel schöner mit anzusehen.“ Kaum war die schwarze, das Bild umfassende Folie in den Flammen verschwunden, erstrahlte das Gemälde wieder in alter Pracht und gab für die Gäste einen neuen Blickwinkel auf das dargestellte Motiv preis. Beide Performanceteile trugen auf ihre Weise dazu bei, die aktuelle Ausstellung „Zündstoff“ noch einmal neu erleben zu können.
Während die Bilder in der Galerie Roy, Nideggener Straße 25 in Zülpich, nur noch bis Samstag, 16. Mai, zu sehen sein werden, kann die akustische Reise abseits der Performance dank des Albums „Träum weiter“ auch weiterhin unternommen werden. Einen tieferen Einblick in die Arbeit von Stephan Everling ohne gesangliche Begleitung erlaubt zudem das ebenfalls neu erschienene Album „Live Moments“. Beide Alben sind über die bekannten Musikstreaming-Dienste erhältlich.
