Abo

Prognose bis 2035Wo die Bevölkerung in NRW schrumpft und wächst

5 min
Blick auf Köln und Dom

In Köln sollen 2035 fast zehn Prozent mehr Menschen wohnen.

  1. Eine Studie hat die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland bis 2035 prognostiziert.
  2. Vor allem in Köln wird es gehörig eng werden.
  3. In den umliegenden Kreisen hingegen müssen die Kommunen gegen den Einwohnerverlust ankämpfen.

Köln – Das Postamt macht dicht, dann die Bank und die Geschäfte. Genug Ärzte gibt es auch nicht mehr. Wenn die Bevölkerung auf dem Land schrumpft, wird die Infrastruktur aus Kostengründen runtergefahren. In vielen ländlichen Gebieten ist das bereits Realität. Der Trend wird sich jedoch fortsetzen, wie die aktuelle Studie „Die demografische Lage der Nation“ des Berlin-Instituts zeigt.

Betroffen sind ganze Landstriche in Nordrhein-Westfalen, darunter einige Kreise rund um Köln.

So wird Euskirchen drei Prozent seiner Bevölkerung bis 2035 verloren haben. Im Oberbergischen Kreis sind es sogar 6,1 Prozent. Östlich daran angrenzend verliert die wirtschaftsstarke Region um Olpe 6,9 Prozent.

Und im Hochsauerlandkreis werden 9,2 Prozent weniger Menschen leben. Auch der Rheinisch-Bergische Kreis verliert 4,1 Prozent, der Rhein-Sieg-Kreis moderate 1,0 Prozent.  Mit dem Bevölkerungsschwund einher geht der Verlust an Facharbeitern. Ein großes Problem für Unternehmen auf dem Land.

In Köln sollen 2035 fast zehn Prozent mehr Menschen wohnen

Anders sieht es da schon im Rhein-Erft-Kreis aus, wo es ein leichtes Plus von 0,5 Prozent geben werde. Die Stadt Köln kann sich auf ein sattes Plus von 9,5 Prozent mehr Menschen einstellen. Städte wie Köln, Düsseldorf, München oder Berlin würden alles dafür tun, dass sie so viele Menschen aufnehmen können, sagt der Leiter der Studie, Reiner Klingholz. „Sie bauen neue Wohnungen, nutzen alte Flächen, etwa Industriegebiete, wo sie neuen Wohnraum schaffen können. Die sind dabei, das zu regeln. Und damit ziehen sie natürlich erst recht neue Leute an“, erklärte er.

Auch die hohen Mieten würden Menschen nicht davon abhalten, in Städte wie Köln zu ziehen. Und das sei im Grunde zu begrüßen, sagt der Forscher. „Es ist nachhaltiger, auf engerem Raum zu leben, dort sind die Wege kürzer. In mehrstöckigen Häusern sind etwa die Heizkosten geringer. Das ist ökologischer, als wenn Menschen verstreut auf dem Land leben. Auch eine alternde Gesellschaft ist in Städten besser aufgehoben, weil die Wege zum Arzt oder zum Apotheker kürzer und die Versorgung besser ist.“

Das könnte Sie auch interessieren:

Die Forscher haben untersucht, wie zukunftsfähig die deutschen Städte und Landkreise sind. Die positive Nachricht: Durch Zuwanderung und die gestiegene Kinderzahl wird Deutschland vorerst nicht schrumpfen, wie viele es vorher prognostiziert hatten. Fast 83 Millionen Menschen leben in Deutschland. Allerdings werde die Zahl in den nächsten 15 Jahren leicht abnehmen, 2035 würden nur noch 82,3 Millionen Menschen hier leben.

Bis zu 25 Prozent: Ostdeutschland leidet unter Einwohnerverlust

Dennoch gibt es Gegenden, die immer mehr Einwohner verlieren. Am stärksten betroffen sind Gebiete in Ostdeutschland. Spitzenreiter ist hier der Landkreis Elbe-Elster, dem ein Rückgang der Einwohner um 25 Prozent vorausgesagt wird, der Höchstwert in Deutschland. Aber auch für das Ruhrgebiet sind die Aussichten alles andere als rosig. Besonders düster sieht die Zukunft für Gelsenkirchen aus.

Die Folge: Die Bevölkerung schrumpft und altert. Und damit setzt eine Abwärtsspirale ein. Die Infrastruktur wird zurückgefahren, weil sie zu teuer ist. Damit haben vor allem ältere Menschen das Problem, gut versorgt zu werden. „In unserem Prognosezeitraum bis 2035 schrumpfen die stark gealterten Regionen auch wegen zunehmender Sterbefälle – nicht mehr nur, weil die jungen Menschen abwandern“, sagt Klingholz.

Die Landflucht wird sich auch in den nächsten Jahren fortsetzen. Profiteure sind die großen Städte wie Köln, Berlin, Hamburg oder München. Rund um die bayerische Metropole wachsen auch die Landkreise bis 2015 weiter, ein Trend, der für Bayern und Baden-Württemberg gilt. Die Einwohnerzahl wird dort leicht ansteigen, was fast für alle Landkreise der beiden Bundesländer gilt, in denen quasi Vollbeschäftigung herrscht.

Problematisch werde es erst, so die Wissenschaftler des Berlin-Instituts, wenn die Baby-Boomer in Rente gehen. Dann werden auch dort Arbeitskräfte fehlen.

Zukunftsprognose für Köln und Umgebung im Durchschnitt

In der Studie wird daher auch die Zukunftsfähigkeit der Regionen bewertet. Hierbei werden Bevölkerungsentwicklung, der Anteil älterer Menschen, die Zahl der Arbeitslosen und das Haushaltseinkommen sowie Zahlen, wie viele Väter Elterngeld beziehen – was für eine moderne Familienpolitik spreche – mit in die Bewertung hineingenommen.

Die beste Note geht mit einer 2,3 nach München, die schlechteste nach Nordrhein-Westfalen. Gelsenkirchen ist mit einer 4,7 das absolute Schlusslicht in Deutschland.Köln und die umliegenden Landkreise erhalten jeweils eine durchschnittliche Bewertung: der Oberbergische Kreis erhält eine 3,5, der Rheinisch-Bergische eine 3,6, der Rhein-Sieg-Kreis eine 3,3, Köln eine 3,2, Leverkusen eine 3,6, der Rhein-Erft-Kreis eine 3,4 und der Kreis Euskirchen eine 3,7. Die Stadt Düsseldorf schneidet mit einer 3,1 besser als Köln ab. Noch besser wird Bonn mit einer 2,9 bewertet.

Haushaltseinkommen: Köln schlechter als die Region

Der Anteil der über 74-Jährigen wird in Köln im Jahr 2035 bei 9,1 Prozent liegen. Der Top-Wert in der Region. Im Oberbergischen liegt er bei 11,5, im Rheinisch-Bergischen bei 12,6, im Rhein-Sieg-Kreis bei 11,0 in Bonn bei 9,8, im Rhein-Erft-Kreis und Euskirchen bei 10,9 und sogar in Düsseldorf bei 10,5 Prozent.

Anders sieht die Rangfolge beim derzeitigen Haushaltseinkommen aus. Köln liegt hier im Durchschnitt bei 21 454 Euro und damit unter dem im Oberbergischen Kreis (22 704), Rheinisch-Bergischen-Kreis (25 270) oder Rhein-Sieg-Kreis (22 944) und Bonn (22 938), sogar Euskirchen liegt mit 21 841 Euro über Köln. Nur Leverkusen schneidet mit 20 908 Euro schlechter ab.

Und wenn es um eine moderne Familienpolitik geht, liegen Köln und Bonn mit 23 bzw. 25 Männern je 100 Frauen, die zurzeit Elterngeld beziehen, an der Spitze vor den umliegenden Kreisen. München mit 20 Männern, Berlin mit 23 oder Hamburg mit 19 Vätern, die Elterngeld beziehen, liegen gleichauf oder darunter. 

Die Gewinner: Süddeutschland und das Münsterland

Das gute Leben wird sich dennoch nicht in Köln und im Rheinland abspielen, sondern eher in Süddeutschland, zumindest wenn es um die wirtschaftliche Entwicklung geht. Und selbst in NRW sind die Städte entlang des Rheins keine Spitzenreiter. Diese finden sich im Münsterland. Vor allem die Universitätsstadt Münster sticht als Wanderungsgewinner deutlich heraus.

Zudem kommen im Münsterland vergleichsweise viele Kinder zur Welt. Rosige Zeiten dort. Anders als in Duisburg oder Bottrop. Dort haben die Menschen pro Jahr gerade 17000 Euro in der Tasche. Damit ist man in diesen Städten des Ruhrgebiets nicht nur in Nordrhein-Westfalen, sondern in ganz Deutschland das Schlusslicht.