Abo

Kommentar zur KlinikstudieDie Krankenhauslandschaft muss sich ändern

3 min

Größere Krankenhäuser mit konzentrierter Kompetenz fordert die neue Bertelsmann-Studie.

  1. Die unabwendbare Flurbereinigung in der Krankenhaus-Landschaft hat ihre Ursache in den Versäumnissen vergangener und aktueller Gesundheitspolitik.
  2. Die Anzahl von Kliniken allein hat jedoch keine Aussagekraft.
  3. Fest steht dennoch: Die Krankenhauslandschaft muss sich ändern – zum Wohl der Patienten.

Machen wir uns nichts vor: Die Krankenhauslandschaft, so wie sie aktuell besteht, hat keine Zukunft. Einen radikalen Umbau legt die Studie des Berliner Instituts für Gesundheits- und Sozialforschung (IGES) nahe, die im Auftrag der Bertelsmann Stiftung erstellt wurde. Statt der bisher 38 Kliniken in Köln, Leverkusen, dem Rheinisch-Bergischen, Oberbergischen- und Rhein-Erft-Kreis täten es auch 14 Häuser in dieser Region.

Das wissen Gesundheitspolitiker, Krankenkassen, Klinikleitungen, auch wenn sie sich auf eine so extrem niedrige Zahl nicht festlegen lassen wollen. Doch vor dem radikalen Schnitt scheut man zurück. Wer das deutsche Gesundheitssystem mit seinen unbestreitbaren Qualitäten verschlanken will, schürt Ängste und riskiert den Unmut der Bevölkerung. Folglich beschränken sich die Eingriffe auf kosmetische Korrekturen, die keinem wehtun und in der Bevölkerung nicht als bedrohlich wahrgenommen werden.

Das könnte Sie auch interessieren:

Bisher hat es die Politik den Kliniken nur allzu gern selbst überlassen, sich doch bitte schön Gedanken zu machen, wie sie sich profitabler aufstellen können – mit Patienten, die eben nicht nur Kranke, sondern auch Wirtschaftsfaktor sind. Natürlich rechnet es sich, das noch belegte Krankenbett zügig frei zu machen für die neue Hüfte oder andere gut dotierte Eingriffe samt kostspieliger Untersuchungen an teuren Apparaturen.

Ist es den Krankenhäusern zu verdenken, wenn sie mit Blick auf steigende Kosten und sinkende Einnahmen Abteilungen einrichten, die den Gewinn steigern? Und liegt es nicht auf der Hand, dass Ärzte in einem Haus mit Rundumversorgung nicht so routiniert sein können wie Mediziner in der einige Kilometer entfernten Spezialklinik, wo tagaus, tagein am Rücken operiert wird, wo ständig neue Hüft- und Kniegelenke eingesetzt werden oder Herzkatheter-Untersuchungen und neue Herzklappen zum Alltagsgeschäft gehören?

Versäumnisse vergangener und aktueller Politik

Parallel dazu wurde billigend in Kauf genommen, dass die Personaldecke vor allem bei den Pflegekräften den Stand von vor 20 Jahren tunlichst nicht überschreitet – um Kosten zu sparen. Bei Fachärzten sieht es personell weniger dramatisch aus, aber sie wandern in Kliniken ab, die ihnen in ihrem Fachgebiet bessere Arbeitsmöglichkeiten und in der Folge eine höhere Reputation bieten.

Die unabwendbare Flurbereinigung in der Krankenhaus-Landschaft hat ihre Ursache in den Versäumnissen vergangener und aktueller Gesundheitspolitik und den daraus resultierenden Notlösungen, die Kliniken zum Überleben wählten. Ja, eine Konzentration der Kliniken und ihrer Aufgaben ist zwingend geboten. Aber die Anzahl von Kliniken allein hat keine Aussagekraft. Es bedarf der Zentren mit fachärztlich hoher Kompetenz und dem Anspruch, dem „Patienten Mensch“ zu helfen und nicht den Kostenfaktor X zu traktieren. Das wird dem Auftrag der Ärzte gerecht und der Versorgung der Patienten.