Das Gebäude neben der Bücherei am Markt wurde sorgfältig restauriert.
DenkmalDas Kramerhaus in Burscheid kann endlich benutzt werden

Architekt Frieder Heinz, Michael Cordts, Nathalie Kelder, Dirk Runge, Daniel Hein und Sebastian Solbach (von links) versammelten sich am Dienstag vor dem Kramerhaus.
Copyright: Thomas Käding
Dem Architekten ist es „nicht langweilig geworden“ in den vergangenen zwei Jahren. Frieder Heinz hat schon viele Denkmäler restauriert. Deshalb weiß er, dass man schon einmal Geduld haben muss, bevor man denn überhaupt an spezialisierte Handwerker kommt. Im Kramerhaus brauchte man die: Das jahrhundertealte Fachwerkhaus am Burscheider Markt war erst 1981 unter Denkmalschutz gestellt worden. Das bedeutet: jede Menge Einbauten aus der Rigips-Phase. Denn das Haus war bis zuletzt bewohnt. Vor gut vier Jahren erwarb es die Stadt, um aus dem Gebäude, das sich zwischen Stadtbücherei und evangelischem Gemeindehaus schmiegt, einen öffentlichen Treffpunkt zu machen.
Für den Architekten Frieder Heinz und seinen Planer Daniel Hein gab es schon aus statischen Gründen keine Alternative zu einer Restaurierung des Denkmals: Die Giebel der beiden Nachbargebäude sind mit dem Kramerhaus verbunden. Hätte man die Neuerwerbung abgebrochen, hätte man die Nachbarhäuser aufwändig abstützen müssen. Keine gute Idee.
Auch nicht für die Stadtverwaltung. Das machte Bürgermeister Dirk Runge am Dienstagnachmittag deutlich. In der Bevölkerung wäre es niemals akzeptiert worden, die historische Häuserzeile zu unterbrechen. Zumal das Kramerhaus als ehemalige Schuhmacherwerkstatt weithin bekannt ist.
Das war eine Wundertüte unter Gipskarton
Also widmeten sich Frieder Heinz und Daniel Hein der „Wundertüte unter Gipskarton“, so beschrieb es der Architekt aus Solingen. Was folgte, war „Bauen mit Gremien“. Im Kramerhaus stieß Denkmalschutz auf Brandschutz. Das ist nie einfach. Weil das absehbar war, müsse man der Stadtverwaltung unbedingt „Mut bescheinigen“, lobte Heinz. Am Ende seien Umbau und Restaurierung des Gebäudes „insgesamt wirtschaftlich“ gewesen, ergänzte er.
Doch es musste einiges erledigt werden. Verfaulte Fachwerkbalken mussten ersetzt, danach die Gefache neu mit Lehmziegeln ausgemauert werden. Wie es unter der weißen Mineralfarbe aussieht, zeigt eine Aussparung hinter Glas, gleich rechter Hand der stabilen, eichenen Eingangstür: Dort wurden zwei Segmente offengelassen.
Das neue Domizil des Tri-Café
Die sonstige Einrichtung ist allerdings hochmodern. Das muss auch so sein, denn das Kramerhaus wird der neue Sitz des Tri-Café. Also gibt es im Erdgeschoss eine Küche und neben zwei großen auch ein paar kleinere Räume. In einem von ihnen wird ein Teil der Werkstatt unterkommen, berichtet Michael Cordts beim Rundgang. Die wird für das Reparatur-Café, das sich großer Beliebtheit erfreut, auf jeden Fall gebraucht. Genauso wie die 3D-Drucker, mit denen sich Ersatzteile herstellen lassen, die es schon seit Langem nicht mehr gibt.

Michael Cordts und Nathalie Kelder haben viel vor im Kramerhaus. Nicht nur der Makerspace im Obergeschoss will bespielt werden.
Copyright: Thomas Käding
Der Leiter des komplett ehrenamtlich organisierten Tri-Cafés freut sich, dass der anstehende Umzug ins Kramerhaus nicht nur eine zentralere Lage ergibt: Weil sich während der langen Umbauzeit herumgesprochen hat, dass das Kramerhaus das neue Domizil wird, gebe es auch neue Anfragen. „Wir werden einen Pop-Chor haben, eine Yoga-Gruppe und ein philosophisches Café“ – Letzteres eine Art Import aus Wermelskirchen.
Ein ganz normales Café sei „auch eine Idee“, so Cordts: Die zentrale Lage und die technische Ausstattung des restaurierten Kramerhauses legten das nahe. Eine Konkurrenz zu Mösch und Co. werde man natürlich nicht sein wollen, unterstrich er.

Der Hublift ist wichtig für einen barrierefreien Zugang zum umgebauten Kramerhaus. Dort kommt man über die Stadtbücherei hin.
Copyright: Thomas Käding
Die erste Etage des historischen Gebäudes gehört dem Makerspace. Nathalie Kelder hat für den Förderverein der Stadtbücherei längst ein Konzept entwickelt. Auch dort soll 3D-Druck eine Rolle spielen, aber auch Nähen und Malen. Oben gibt es auch einen Übergang zur Stadtbücherei. Der ist aus zwei Gründen wichtig: Auf der ersten Etage kann die Bücherei eigene Veranstaltungen machen. Und im Kramerhaus war gerade Platz genug für einen Hublift. 56 Zentimeter Höhenunterschied gibt es zwischen den beiden Gebäuden. Der Lift sorgt dafür, dass der obere Teil des Kramerhauses auch für Rollstuhlfahrer zugänglich ist.
Für Kauf und Ausbau des Gebäudes konnte die Stadt auf zwei Förderprogramme zurückgreifen. Was mit diesem öffentlichen Geld ermöglicht wurde, kann jedermann Anfang Mai in Augenschein nehmen. Am Sonntag, 3. Mai, wird das Haus im Rahmen des Burscheider Umwelt- und Familienfestes feierlich eröffnet. Natürlich gibt es auch eine Internetseite: www.kramerhaus.de

