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StadtentwicklungEin Projekt, das Burscheid „mit Bordmitteln nie schaffen könnte“

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Das Stadtwerke-Gelände in Burscheid

Viel Platz, vor allem für Wohnungen: Das Stadtwerke-Gelände in Burscheid liegt durchaus zentral. Der alte Stadtwerke-Bau (rechts) könnte unter Umständen wegfallen.

Auf dem Stadtwerke-Areal soll eines Tages unter anderem die Wohnungsnot ein bisschen gelindert werden.

Es gibt Konstellationen, da wirkt Stadtentwicklung einfach – und trotzdem ist sie kompliziert. Mit so einem Fall hat es Ina Scharrenbach in Burscheid zu tun. Die Ministerin, zu deren Ressort Bauen und Kommunales gehört, hat deshalb die Landestochter NRW Urban in Marsch gesetzt. Sie soll mit einer Bürgschaft über gut 1,2 Millionen Euro helfen, ein Gelände zu entwickeln, das die Stadt sonst wohl hätte verkaufen müssen. Obwohl es von den Stadtwerken genutzt wurde und auch jetzt noch in öffentlicher Hand ist.

Auf den 7500 Quadratmetern an der Ecke Pastor-Löh-Straße / Auf der Schützeneich soll ein neues Wohnquartier entstehen. Nebst ein bisschen Platz für Gewerbe, aber das ist nur ein Nebenaspekt. Vor allem soll das Land Platz bieten für Wohnungen, 30 Prozent öffentlich gefördert. Das kann helfen, die doch erkennbar große Wohnungsnot in Burscheid zu lindern. Von der „höre ich als Bürgermeister praktisch jeden Tag“, unterstrich Dirk Runge am Freitag.

Willkommene Hilfe vom Land

Es sei ein echter Vorteil, mit Hilfe des Landes die Entwicklung des nahe an der Innenstadt gelegenen Grundstücks weiter selbst bestimmen zu können, so Runge. „Normalerweise hätten wir das an einen Investor geben müssen“, denn „mit Bordmitteln könnten wir das nie schaffen“, ergänzte der Bürgermeister mit Blick auf seine personell sehr schlank aufgestellte Stadtverwaltung.

Dirk Runge und Ina Scharrenbach werden von einem Medienmitarbeiter des Ministeriums gefilmt.

Bürgermeister Dirk Runge und Heimatministerin Ina Scharrenbach unterzeichneten am Freitag, 13. März, eine Vereinbarung, mit der das frühere Stadtwerke-Gelände entwickelt werden soll.

Wobei Burscheid da kein Einzelfall ist, hat das Scharrenbach-Ministerium doch das Programm „Go 4 Bauland“ aufgelegt. Nach dem Motto: „Ohne Bauland kein Bauen, ohne bezahlbares Bauland kein bezahlbares Wohnen“, so Scharrenbach.

Umgesetzt wird es von der Städtebau-Tochter NRW Urban. Deren Geschäftsführer Ludger Kloidt spielte auf dem Festakt am Freitag an der Pastor-Löh-Straße keine kleine Rolle, auch wenn für sein Haus die Arbeit nach Unterzeichnung der Zielvereinbarung zwischen Bürgermeister und Ministerin erst losgeht. Kloidt sieht ein „untergenutztes Grundstück“, auf dem man sich einiges vorstellen kann.

Indes soll nicht nur die Phantasie der Planer von NRW Urban zum Zuge kommen. Kloidt denkt an einen Ideenwettbewerb unter Studenten. Damit habe man in seinem Haus durchaus gute Erfahrungen gemacht. Aber auch so etwas braucht Zeit. Auf Befragen nannte er einen Zeitraum von sechs Jahren – „dann sollte die Vermarktung spätestens abgeschlossen sein“. Macht nix, wenn’s schneller geht – auch das schwang in seiner Aussage mit.

Nachbargrundstück ist auch im Blick

Die Politiker denken unterdessen schon weiter. Joachim Wirths fragte sich, ob die anschließende Fläche, die bis zur Balkantrasse und somit praktisch in die Innenstadt reicht, ebenfalls ein guter Wohnstandort sein könnte. „Das haben wir auf dem Schirm“, war die Antwort des Bürgermeisters. Die Idee des Freidemokraten fußt auf dem Denkmodell, das Konsens ist im Burscheider Stadtrat: Bevor in den Ortschaften drumherum immer neue Wohngebiete ausgewiesen werden, auf denen meist Einfamilienhäuser entstehen, soll die Innenstadt dichter bebaut werden.

Christian Meuthen, Geschäftsführer der Technischen Werke Burscheid und somit noch Hausherr, sieht auf dem derzeit noch durch einen Parkplatz großflächig versiegelten Gelände sehr viele Möglichkeiten. Grünzüge gibt es nämlich auch, und das sei bei der Entwicklung von Wohnraum sehr wichtig. Wie dicht dort gebaut wird, muss sich noch herausstellen. Einen Wunsch, wie viele Wohnungen entstehen sollen, formuliert Dirk Runge noch nicht.

Was aber ziemlich klar ist: Das Gebäude, in dem früher die Stadtwerke residierten, wird eher nicht bleiben. Der Bau ist – was man ihm von außen nicht ansieht – deutlich mehr als 100 Jahre alt und nicht besonders hoch. Da geht mehr, schätzt Horst Buttkus. Erst recht, weil die Topografie zur Hilfe kommt: Das Gelände liegt in einer Senke. „Wir können ziemlich hoch gehen“, ohne dass es allzu sehr stört. Dem Wohnungsmarkt in Burscheid dürfte das nur gut tun.