Abo

Butscha fiebert mitWo die Luftalarm-Sirenen den WM-Jubel unterbrechen

3 min
Dima Jaroschewytsch schaut mit seiner Tochter das Spiel von Deutschland gegen Curacao

rina hat sich Deutschlandfähnchen auf die Wangen geschminkt, bevor sie mit Papa Dima in Butscha das WM-Spiel anschaute.

Auch in Gladbachs Partnerstadt Butscha fiebern Menschen beim deutschen WM-Auftakt mit – bis zum nächsten russischen Angriff.

Als Kai Havertz, Jamal Musiala und ihre Teamkollegen am Sonntagabend Tor um Tor gegen Curaçao erzielten, wurde nicht nur in Bergisch Gladbach gejubelt. Rund 2000 Kilometer entfernt, in der ukrainischen Partnerstadt Butscha, verfolgte Dima Jaroschewytsch das Auftaktspiel der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft.

Gemeinsam mit seiner Tochter Irina saß der Leiter der Kommunalen Verkehrsbetriebe Butscha Transservice vor dem Fernseher und fieberte mit. Die deutschen Farben sind in Butscha beliebt. Nicht zuletzt, weil Deutschland die Ukraine seit Beginn des russischen Angriffskrieges unterstützt – und weil Bergisch Gladbach und Butscha seit Jahren eine enge Städtepartnerschaft verbindet. Für die von Dima Jaroschewytsch nach der russischen Besetzung der Stadt und den Massakern neu aufgebauten Verkehrsbetriebe hat der Partnerschaftsverein Bergisch Gladbach–Butscha inzwischen mehr als ein Dutzend Busse organisiert und in die Ukraine gebracht.

Jedes Spiel ist für uns ein echtes Fest voller Emotionen, Spannung und Begeisterung.
Dima Jaroschewytsch, Leiter der Kommunalen Verkehrsbetriebe in Butscha

„Unsere Familie unterstützt die deutsche Nationalmannschaft von ganzem Herzen“, schrieb Jaroschewytsch noch während des Spiels an die Freunde in Bergisch Gladbach. „Jedes Spiel ist für uns ein echtes Fest voller Emotionen, Spannung und Begeisterung. Wir freuen uns über jedes Tor, fiebern bei jeder gefährlichen Szene mit und glauben bis zur letzten Sekunde an die Mannschaft.“ Deutschland stehe für ihn und viele Ukrainer für „Stärke, Charakter, Zusammenhalt und einen unerschütterlichen Siegeswillen“, so Dima Jaroschewytsch. Deshalb wünsche er sich nichts sehnlicher, als die deutsche Mannschaft am Ende des Turniers als Weltmeister zu sehen. „Wir glauben an euch und werden euch bis zum Schlusspfiff unterstützen“, schrieb er.

Dima Jaroschewytsch schaut mit seiner Tochter das Spiel von Deutschland gegen Curacao

Dima Jaroschewytsch schaut mit seiner Tochter das Spiel von Deutschland gegen Curacao bei der WM in Nordamerika.

Doch genau dieser Schlusspfiff war am Sonntagabend in Butscha plötzlich Nebensache. Noch bevor die Partie im Stadion von Houston beendet war und der Jubel über den deutlichen 7:1-Erfolg richtig losbrechen konnte, heulten um 20.54 Uhr Ortszeit wieder die Sirenen. Luftalarm. Ein Geräusch, das die Menschen in Butscha seit mehr als vier Jahren begleitet. Ein Geräusch, das daran erinnert, dass der Krieg trotz aller Hoffnung, aller Normalität und aller Fußballfreude nie weit entfernt ist. Während in Bergisch Gladbach nach dem Abpfiff über die Chancen der deutschen Mannschaft diskutiert wurde, suchten die Menschen in Butscha Informationen darüber, wo genau die russischen Raketen oder Drohnen unterwegs waren.

Doch für einen Moment hat der Fußball die Menschen in beiden Städten miteinander verbunden. Die Freude über Tore, die Hoffnung auf den Titel, das gemeinsame Mitfiebern vor dem Bildschirm. Dann holte die Wirklichkeit die Menschen in der Partnerstadt wieder ein. Und doch endet Dima Jaroschewytschs Nachricht mit einem Satz, der viel über die Haltung vieler Ukrainer verrät: „Auf geht’s, Deutschland! Wir möchten euch als Weltmeister sehen. Es war ein tolles Spiel heute.“

Weitere aktuelle Infos zur Städtepartnerschaft und den Projekten des Städtepartnerschaftsvereins Bergisch Gladbach – Butscha gibt es hier im Internet.