Der Besuch der Schüler aus Leverkusen war Teil einer Projektwoche am Landrat-Lucas-Gymnasium.
„Am Ende sind alle gleich“Leverkusener Schüler besuchen Hospiz in Burscheid

Karten mit Sprüchen zum Thema Tod sind auf dem Boden verteilt.
Copyright: Violetta Gniß
Am Eingang des ökumenischen Hospizes in Burscheid haben die Beate Heß und Birgit Hensel einen Stuhlkreis aufgebaut, in der Mittel liegen kleine Karten. Sie stammen vom Welthospiztag des vergangenen Jahres und haben die Aufschrift „Niemand will einsam leben –warum sollten wir dann einsam sterben?“ oder auch „Gestorben wird immer, darüber gesprochen zu wenig“.
„Selbstbestimmt leben und sterben“ lautete das Motto, unter dem sich knapp 20 Schülerinnen und Schüler des Landrat-Lucas-Gymnasiums am Donnerstagmorgen am Hospiz in Burscheid versammelt hatten. Jugendliche aus der neunten und zehnten Klasse befassten sich in einem Workshop zwei Stunden lang mit Sterbe- und Trauerbegleitung im Rahmen einer Projektwoche. Heß und Hensel sind die Koordinatorinnen des Besuchs.
Vier Tage lang lief die Projektwoche. Die Schülerinnen und Schüler konnten zwischen 50 verschiedenen Kursen wählen, unter anderem konnten sie sich für das Thema „Tod“ entscheiden.

„Selbstbestimmt leben und sterben“ lautete das Motto, unter dem sich knapp 20 Schülerinnen und Schüler des Landrat-Lucas-Gymnasiums am Donnerstagmorgen am Hospiz in Burscheid versammelt hatten.
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Nach einer kurzen Vorstellungsrunde sollten die Schülerinnen und Schüler über ihre eigenen Erfahrungen mit dem Thema sprechen. Es fiel auf, dass jeder schon mal mit dem Thema in Berührung gekommen ist, sei es durch Familie, Bekannte oder Freunde. Bemerkenswert war außerdem, dass die Jugendlichen auf ganz unterschiedliche Art und Weise ihre Trauer verarbeiten, manche schweigen lieber, für andere ist das Gespräch wichtig.
Ein Schüler erzählte, dass er vor wenigen Monaten seinen besten Freund verloren habe. „Ich verarbeite meine Trauer, indem ich an seine alte Nummer schreibe und ihm von meinen Gefühlen berichte“, sagte er. Eine andere Schülerin erzählte, dass ihr Opa auf einer Palliativstation gewesen sei, aber sie auch schöne Erinnerungen damit verbinde. Das Zimmer sei gemütlich eingerichtet gewesen und es habe einen Springbrunnen gegeben.
Burscheid: Tod aus der Tabu-Zone holen
Die Jugendlichen waren gekommen, um über das Tabu-Thema „Tod“ zu sprechen, sie wollten ein Verständnis für die Arbeit der Trauerbegleitung entwickeln. „Hospiz ist ganz spannend“, findet auch Birgit Hensel, „es ist die letzte Begleitung eines Menschen und das ist für jeden unterschiedlich, so wie auch das ins Leben kommen“.
Bei dem Hospiz in Burscheid ist eine ambulante Einrichtung. Die beiden Koordinatorinnen machen die Erstgespräche und lernen die Menschen kennen. Anschließend begleiten sie Ehrenamtliche in die Haushalte. Diese kümmern sich dann weiterhin um die Familien. „Die Menschen sollen das Gefühl haben, nicht allein zu sein, sie sollen sich umsorgt wissen“, sagt Beate Heß.
Es ist wichtig, sich professionell abzugrenzen, aber das ist auch sehr schwer, da man eine emotionale Bindung zu den Menschen aufbaut.
Der psychosoziale Dienst trage aber auch dazu bei, dass die Menschen sich öffnen und über die Dinge sprechen können, über die sie mit ihren Angehörigen nicht sprechen würden. Außerdem erhalten die Angehörigen Tipps, wie sie sich am besten verhalten können. Die Arbeit des Hospizes teilt sich also zu 50 Prozent in Betreuung und zu anderen 50 Prozent in Angehörigenarbeit.
Den beiden Koordinatorinnen gefällt besonders die Begegnung mit den Menschen und die Kreativität in ihrem Beruf. Lehrerin Eva Mebus, die den Besuch der Einrichtung geplant hat, arbeitet ehrenamtlich im Hospiz. Über die Hausbesuche sagt sie: „Es ist wichtig, sich professionell abzugrenzen, aber das ist auch sehr schwer, da man eine emotionale Bindung zu den Menschen aufbaut.“
Sie begeistere die Arbeit, weil man etwas geben könne, aber zudem auch etwas erhalte und verweist dabei auf die Lebensfreude. „Und es ist bemerkenswert“, schließt sie, „am Ende des Lebens sind alle Menschen gleich, egal ob arm oder reich, alle haben die gleichen Bedürfnisse“.

