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„Bedingungslose Liebe“Ursula und Werner Dabringhaus feiern in Burscheid Eiserne Hochzeit

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Ursula und Werner Dabringhaus feiern Eiserne Hochzeit

Ursula und Werner Dabringhaus feiern Eiserne Hochzeit.

Auch eisiger Ostwind am kältesten Tag des Jahres 1956 konnte die Liebe zwischen Ursula und Werner Dabringhaus nicht verhindern.

„Bedingungslose Liebe, der Schlüssel sind Kompromisse“, sagen Ursula und Werner Dabringhaus. Am 9. Mai 1958 gaben sich die beiden Burscheider ihr Eheversprechen, am Dienstag feiern sie Eiserne Hochzeit – fünfundsechzig Jahre wahrhaftiges Eheglück. 

Dabringhausens verraten, dass das Geheimnis hinter dieser Wonne immer schon beidseitige Kompromissbereitschaft gewesen sei. Werner war ein Stadtkind, er erinnert sich an die Zeit, als er Ursula, die auf dem Land aufwuchs, das erste Mal sah. Die beiden sangen Bass und Sopran in einem gemischten Kirchenchor in Hatzfeld, heute Wuppertal. „Die Liebe war es dabei erst auf den zweiten Blick“, erklärt der 95-Jährige, zu groß seien die Sorgen gewesen, dass das Ganze nicht klappt, denn dann hätte sicherlich er oder sie den Chor verlassen müssen.

Wir kämpften uns bei minus zehn Grad Celsius gegen einen eisigen Ostwind
Ursula Dabringhaus

Im Januar 1956 kam es dann zu der Verabredung auf einen Kaffee. Hier ahnte Ursula noch nicht, wie diese die Weichen für ein gemeinsames Leben richtig stellen würde. „Es war der kälteste Tag des Jahres“, berichtet die Neunzigjährige, „Werner brachte mich heim, wir kämpften uns bei minus zehn Grad Celsius gegen einen eisigen Ostwind.“ Trotz der bitteren Kälte habe es hier zwischen dem Paar gefunkt und es wurde ein Feuer entfacht, welches noch fünfundsechzig Jahre später ihre Herzen wärmt.

Kurz darauf brach sich Werner bei einem Skiunfall das Bein. Ursula besuchte ihn in dieser Zeit häufig. So lernten die beiden von Anfang an füreinander einzustehen und Herausforderung gemeinsam zu meistern, auch wenn das Leben nicht immer einfach war. Beide erinnern sich noch gut daran, wie sie den Familien „präsentiert“ wurden. „Werner kam zum ersten Mal mit zu mir nach Hause, als ob er direkt zur Familie gehören würde“, so Ursula.

Nach einem ersten kleinen gemeinsamen Urlaub in einem Erholungshaus in Hattingen und einer rauschenden Silvesterparty im Folgejahr verlobten sich die beiden Burscheider. Woraufhin im heutigen Velbert ein buntes Hochzeitsfest im evangelischen Gemeindehaus gefeiert wurde: „Wir haben es krachen lassen, mit Sketchen und viel Gesang.“ Das junge Paar wohnte anfangs zusammen in eine Dreizimmerwohnung in Ursulas Elternhaus.

Beide engagieren sich in ihrer Kirche

Ursula schwärmt von den zahlreichen glücklichen Momenten, die sie in ihrer Ehe erlebt haben. Gemeinsame Reisen, die Geburt ihrer vier Kinder und zwei Enkelkinder, aber auch über kleine Gesten und Aufmerksamkeiten im Alltag – all das mache ihre Ehe zu etwas ganz Besonderen. Ein Höhepunkt war die Hochzeitsreise nach Ramsau in Österreich. Das Christentum und die Musik verbindet die beiden ihr ganzes Leben und ist so ihre gemeinsame Grundlage. „Zum Sonntag gehört der Gottesdienst“, findet sie, „Kirche, da sind wir zuhause.“

Er engagierte sich in Ausschüssen, sie im Presbyterium. Alle zehn Jahre reist das Paar zu den Passionsspielen nach Oberammergau. Gerne machten sie Ausflüge nach Altenberg zum Dom. Werner ist Hobbymaler: Zahlreiche seiner Aquarelle von Kirchen wurden in Burscheid bereits bei „Kunst im Schaufenster“ ausgestellt, nun zieren sie das Wohnzimmer des Paares. Natürlich ist auch ein Aquarell von Burscheid darunter.

Beim Urlaubsziel gab's Diskussionsbedarf

Urlaub sei zum Beispiel immer so ein Thema gewesen, wo sich die beiden uneinig waren. „Ursula wollte immer in die Berge, ich ans Wasser“, sagt Werner. „Aber wenn jeder auf dem besteht, was für ihn richtig ist – das wird nichts“, erklärt Ursula. Aktuell sei zum Beispiel die Gasheizung ein Thema, bei dem sie sich uneinig waren, aber erfolgreich einen Kompromiss gefunden hätten.

Neben der Kompromissbereitschaft seien es ihre Bekannten und Freunde sowie ihre Familie, die sie zu dem gebracht haben, wo sie heute sind. „Wenn wir allein lebten, sähe das sicher anders aus“, sagt Ursula. „Wir haben nicht ausschweifend gelebt, aber ganz normal“, gibt Werner an. Auch er ist sich sicher, dass es das Umfeld und die Kontakte des Paares sein, die fit im Alter halten. Nun wird Eiserne Hochzeit im Garten gefeiert.

„Wir feiern mit Nachbarn und Freunden und nachmittags mit der Familie“, so der Plan der beiden. Es sei ihnen wichtig, dieses Fest mit ihren Kindern und Enkeln zu verbringen. Die Geschichte der beiden ist die eines erfüllten Lebens, geprägt von Höhen und Kompromissen, aber vor allem von viel Liebe und Zusammenhalt. 

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