FertighausNeubau muss abgerissen werden

Als wäre eine Granate eingeschlagen: Das Wohnhaus in der Egger Straße muss abgerissen werden.
Copyright: Ralf Krieger Lizenz
Burscheid – Kleine Ursache - große Wirkung: Vor rund zwei Jahren konnte eine Kleinfamilie ihr Fertighaus an der Egger Straße in Rötzinghofen beziehen. Wenig später fanden auch Ameisen Gefallen an dem Neubau. Als alle handelsüblichen Schädlingsbekämpfungsmittel wie etwa Ameisenköder bei den "Duftstraßen" versagten und die lästigen Insekten nicht vertrieben werden konnten, wurde ein Kammerjäger aus der Region engagiert. Um den Plagegeistern den Garaus zu machen, soll er unter anderem auch chemische Wirkstoffe (Pestizide, Insektizide) eingesetzt haben. Allerdings mit verheerenden Folgen für das junge Ehepaar mit Kleinkind: Über die hausinterne Lüftungsanlage soll das übelriechende Gift nach und nach im gesamten Haus verteilt worden sein. Die aggressiven Wirkstoffe sollen unkontrolliert in die Raumluft gelangt sein und sich auf den Oberflächen von Wänden, Böden, Möbeln und weiterer Einrichtungsgegenstände abgesetzt haben.
Nicht nur die Angst vor möglichen Vergiftungen ihres Kindes, sondern auch die unerträgliche Geruchsbelästigung ließ die Familie schier verzweifeln. Nach entsprechenden Gutachten gab es nur eine Option: Abreißen. Der Hausherr zog mit Frau und Kind vor einiger Zeit ins Hotel. Vergangene Woche begann der 185-PS-starke Hitachi-Kettenbagger des Wuppertaler Abbruchunternehmens "Sop" mit seiner Arbeit. Baggerführer Andreas Enndenbach in einer Arbeitspause: "So etwas habe ich in meiner rund 20-jährigen Laufbahn im Abbruchgeschäft noch nicht erlebt." Auch sein Kollege Miro Majstorovic betritt in der Entsorgung des Hauses Neuland: "Es tut in der Seele weh, ein so schönes Haus abzureißen." Die vom Bagger abgerissen Materialien wie etwa Beton, Holz, Styropor, Glaswolle und Metall werden fein säuberlich getrennt für die Entsorgung gelagert. Laut Enndenbach werden die Abrissarbeiten voraussichtlich am Wochenende abgeschlossen sein. Dann, so ein Experte vom Bauamt, müsse möglicherweise geprüft werden, in wie weit der Boden kontaminiert ist.
Erst danach kann an einen Neubau auf dem Grundstück in dem Neubauviertel gedacht werden. Entsetzt zeigten sich am Montag die Nachbarn und die Mitarbeiter der Abbruchfirma über die Plünderungen in den vergangenen Tagen. Majstorovic: "Dass in einer solch ruhigen Wohngegend aus dem Gebäude der Hausbriefkasten, Dachpfannen, Treppengeländer und sogar ein Schrank geklaut wurden, ist ein Skandal." Diese Einschätzung teilten eingeholte Stimmen aus Verwaltung, Politik und Wirtschaft. Verbunden allerdings mit einer weiteren Überlegung: Hoffentlich ist der Schädlingsbekämpfer gut versichert.
