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50. SengbachlaufDer Witzheldener Lauf, bei dem nur ehrliche Läufer starten

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Sengbachlauf TV Witzhelden, rund um die Sengbachtalsperre . Bild: Ralf Krieger

Beim Sengbachlauf des TV Witzhelden wird auch die über 120 Jahre alte Staumauer der Sengbachtalsperre als Laufweg genutzt.

Zum 50. Mal ging es rund um die Talsperre.

Der Sengbachlauf ist ein Lauf, mit dem man im Prinzip alt werden konnte: Die Premiere war laut TV Witzhelden im Herbst 1978. Das erste Mal war offenbar so lokal und klein angelegt, dass die Zeitung im Lokalteil noch nicht darüber berichtete. Aber das änderte sich bald, denn erstens begann der Jogging-Boom der 1980er-Jahre, die Witzheldener erarbeiteten sich einen Ruf in der Laufszene und die Talsperrenrunde wurde ein fester Termin im Kalender.

Anfangs mehr als ein Lauf im Jahr

Dass 50 Läufe in nur 48 Jahren stattgefunden haben, das liegt angeblich daran, dass es in der Anfangszeit in manchen Jahren zwei Sengbachläufe gegeben haben soll, erklärt Margret Knigge vom Verein. Sie ist seit 1988 dabei. Als hätte man es geplant: 2028 steht also das zweite 50. Jubiläum des Talsperrenlaufs an, dessen Strecke im Laufe der Jahre mehrfach geändert wurde.

Sengbachlauf TV Witzhelden, rund um die Sengbachtalsperre Bild: Ralf Krieger

Start zum 50. Sengbachlauf des TV Witzhelden im dichten Eichenwald.

Am Sonntag waren 1002 Läuferinnen und Läufer gemeldet, die meisten starteten bei der 11,3 Kilometer-Runde. Bei den Anmeldezahlen scheint es wieder eine steigende Tendenz zu geben, denn es gab zuletzt auch mal ein Jahr, zu dem sich nur 750 Sportler angemeldet hatten. 21,1 Kilometer lang ist der Halbmarathon; 30,9 Kilometer ergeben einen ¾-Marathon, von dem Knigge sagt, die Strecke sei hier eigentlich zu lang, bei den heftigen Steigungen. Besonders auf der Hunderte Meter langen Bergetappe nach dem Überqueren der Staumauer hört man die Läufer schwer schnaufen. Dennoch meldeten sich 135 Personen für den längsten Lauf, bei dem drei Runden um die Talsperre zu absolvieren sind, also auch der fiese Berganstieg.

Auch der Witzheldener Peter Thönes fürchtet diesen Streckenabschnitt, er startet mit beim Halbmarathon, quasi als Trittbrettfahrer, denn er hat sich dieses Mal nicht offiziell angemeldet. Für ihn ist aber schon nach der ersten Runde Schluss, also nach einem halben Halbmarathon. „Am Ende der Runde ist es brutal“, sagt der Psychologe und Fotograf. Wie einige andere hat er sich warm angezogen, denn am Sonntag macht die Hitzewelle Pause; um 9 Uhr zur Startzeit ist es angenehm kühl. Das Jubiläumswetter ist denkbar günstig.

Das war nicht immer so: Es gab Läufe in strömendem Regen und bei stechender Hitze.

Sengbachlauf TV Witzhelden, rund um die Sengbachtalsperre Bild: Ralf Krieger

Die Sengbachtalsperre

Die Laufstrecke braucht keine Konkurrenz zu fürchten, was die Schönheit angeht. Schon der Startplatz liegt in einem herrlich tiefschattigen Eichenwald. Dann folgen Passagen durch Mischwälder, mit Lärchen und Buchen. Im Bereich der Staumauer liegen Felsen in den Hängen offen. Einige Male gibt es erhabene Aussichten auf die Talsperre und den See. Nicht zu vergessen ist der Transit über die Sperrmauer aus Grauwacke, die 1903 vollendet wurde. Die Sengbachtalsperre ist eine der ältesten Trinkwassertalsperren, weshalb um den See auch Wasserschutzgebiet höchster Kategorie gilt. Das Wasser trinkt man in Solingen.

Beim Sengbachlauf starten übrigens ausschließlich aufrichtige Läufer, denn ein Betrug, wie er bei anderen Läufen durchaus vorkommt, ist hier einfach unmöglich: Man kann nämlich keine Abkürzung nehmen, denn dann müsste man den Stausee an einer günstigen Stelle durchschwimmen. Mal abgesehen davon, dass Betrüger auffallen würden, ist Schwimmen in der Trinkwassertalsperre strengstens verboten.