„Academy“ treten anBier und neue Bands bei „Umsonst und Draußen“ in Leichlingen

Mehr Publikum hätte das Open-Air-Festival am Leichlinger Jugendzentrum in der Balker Aue verdient gehabt.
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Leichlingen – Bei „Umsonst und Draußen“, der vierten und letzten Open-Air-Veranstaltung des Leichlinger Kultursommers, tanzen die 40 Konzertbesucher im Regen – weil Bühne und Technik des Jugendzentrums von der Flut zerstört wurden, blieb nichts anderes übrig. Jede der durch die Bundeskulturstiftung geförderten Veranstaltungen hat eine besondere Zielgruppe, diesmal war die Jugend dran, wofür das Kulturbüro Leichlingen mit dem Kinder- und Jugendzentrum in der Balker Aue kooperiert.
Alica Ahmad Ibrahim und ihre Freunde waren froh, dass endlich auch wieder größere Veranstaltungen in ihrem Jugendhaus stattfinden. „Vor Corona waren wir oft hier, jetzt laufen wir rum, chillen auf Bänken und Spielplätzen oder auf dem Schulhof“, so die 14-Jährige, die immer noch nicht fassen könne, wie schwer das Jugendzentrum von der Flut getroffen wurde.
Rebecca Hermann vom Kulturbüro der Stadtverwaltung erklärt, dass sie sich genau aus dem Grund gemeinsam mit dem Rheinisch-Bergischen Kreis für das Förderprogramm beworben hat: „Wir müssen nach Corona erst mal wieder die Kultur ans Laufen bekommen. Dafür wollten wir vor allem jungen Künstlerinnen und Künstlern aus der Region die Chance geben, sich auszuprobieren.“ Dafür konnten sich Musiker mit Hörbeispielen bewerben, um dann mit technischer Begleitung auf der großen Open-Air-Bühne spielen zu können.
So hat es Ben Kontetzky gemacht. „Während des Lockdowns dachten wir, man kann ja eh nichts sonst machen, da haben wir eine Band, Academy, gegründet“, erinnert sich der 16-jährige Schüler des Leichlinger Gymnasiums.
Premiere mit Lampenfieber
Mit einer Mischung aus eigenen Titeln und bekannten Cover-Songs englischer Pop- und Rock-Musik rockten die Nachwuchsmusiker den Abend. Mitschülerin Lysan Zimmermann ist nach ihrem Auftritt noch überwältigt von ihren Gefühlen: „Ich war am Anfang so aufgeregt – das war das erste Mal, dass wir vor Publikum gespielt haben, aber den Leuten hat’s anscheinend ganz gut gefallen und als es dann auch erst mal los ging, war das Lampenfieber auch direkt verflogen und wir haben den Moment zusammen genossen.“
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Jugendliche halfen auch bei der Organisation, beim Aufbau und bei der Einlasskontrolle. Hier gab es unterschiedlich farbige Bändchen für über und unter Sechzehnjährige. Sabine Riegler, die Leiterin des Zentrums, hat nämlich ein neues Konzept für den Umgang mit Alkohol erarbeitet, was sie bei „Umsonst und Draußen“ erprobte: „Im Regelbetrieb gibt es bei uns ein strenges Alkoholverbot, aber wir haben uns überlegt, dass zu jugendkulturellen Veranstaltungen vielleicht auch mal Bier dazu gehört.“ Der Umgang mit solchen Substanzen müsse schließlich auch erlernt werden. „Und dann ist das doch besser in einem jugendpädagogischen Umfeld, unter Aufsicht, als irgendwo unbeobachtet“, so Riegler. Sie sei überzeugt, dass man, wenn man dem Ganzen einen geeigneten Rahmen gibt, auch Alkoholkonsum betreuen kann.
Der 17-jährige Niko Kürten findet das gut: „Ich sehe es genauso wie Sabine Riegler und bin froh über ihr Vertrauen.“ Auch wenn die Probe des Konzeptes für Riegler ein Erfolg war, betont sie, dass dies keinen Einzug in den Regelbetrieb finden wird, sondern nur bei besonderen Veranstaltungen der zum Tragen kommen wird.
„Bleibt dran!“
Das Finale spielte mit einer Menge Energie, unglaublicher Spielfreude und einer Schippe Ironie das Duo der „Betrayers of Babylon“ aus Düsseldorf, die schon etwas länger im Showgeschäft sind. In ihren selbst geschrieben Songs bekennen sich Lukas Gaedtke und Noah Wiederhold zur Weltoffenheit und machen den anderen Künstlerinnen das Abends Mut: „Wir haben früher auch mit so kleinen Gigs im Jugendzentrum angefangen – bleibt dran!“ Das will auch Hermann: „Wir wollen weiter an solchen Angeboten arbeiten und diese ausbauen.“


