Erneut Geldautomat in Leichlingen gesprengtPolizei vermutet spezialisierte Bande

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Sprengung

Erneut wurde ein Geldautomat gesprengt.

Leichlingen – Die Explosion war gewaltig. 40 Meter weit flogen Glasscherben und Trümmerteile aus der Fassade der Ladenzeile und des Mobiliars aus der Filiale über den Marktplatz. Zwei heftige Detonationen erschütterten nachts das Brückerfeld und schreckten in der weiten Umgebung die Menschen aus dem Schlaf. Bei den Anwohnern klirrten die Fensterscheiben. Und als sie nachschauten, was draußen passiert war, kam ihnen vom Tatort des Banküberfalls aus eine Staubwolke entgegen.

Um 2.38 Uhr, so datiert es die Polizei, ist der Geldautomat der Deutschen Bank in Leichlingen in die Luft gesprengt worden. Zum zweiten Mal nach 2018. Mit einer Heftigkeit, die man selten gesehen hat. Fast könnte man meinen, dass die Täter ihren Sprengstoff überdosiert haben. Jedenfalls wollten sie sichergehen, dass sie die begehrte Tresorkassette im Inneren des Bankautomaten mit Gewalt heraussprengen konnten.

Riesiger Scherbenhaufen

Das ist ihnen offenkundig gelungen, denn wie die Polizei am Morgen bestätigte, hat die Bande, die wohl hinter der Tat steht, Beute gemacht. Wie viel Geld in dem SB-Gerät gesteckt hat, wird noch ermittelt. Aber über die Höhe von Diebesgut schweigen sich die Geldinstitute ohnehin für gewöhnlich aus, um keine Nachahmer zu motivieren.

Explosions-Serie

Vier Sprengungen von Geldautomaten gab es seit 2018 in Leichlingen. Sie wurden bisher nicht aufgeklärt:

■Am 1. September 2021 ist die Selbstbedienungs-Filiale der Kreissparkasse Köln am Bahnhof nachts um 4.40 Uhr in die Luft gesprengt worden. Dabei ist das Wohn- und Geschäftshaus beschädigt worden und musste evakuiert werden. Die schwarz vermummten Täter sind mit ihrer Beute in einem dunklen BMW Richtung Autobahn geflüchtet.

■Am 5. April 2019 haben drei maskierte Täter nachts um 4.30 Uhr den Geldautomaten der Commerzbank an der Kirchstraße mit Gas in die Luft gejagt. Nachbarn sahen die Bande in einem Mercedes-Kombi davonrasen. Die Täter flüchteten ohne Beute, das Geldfach hatte der Sprengung standgehalten.

■Am 10. Mai 2018 haben drei Täter das Gerät der Deutschen Bank am Marktplatz, die nun erneut überfallen worden ist, nachts um 4 Uhr mit Gas gesprengt und waren mit Beute geflüchtet. Ein Augenzeuge hatte den Fluchtwagen, vermutlich ein Audi, damals mit seinem Handy gefilmt. (hgb)

Noch am Morgen, als ein Teil der Scherben nach der Spurensicherung schon zusammengefegt worden war, standen Passanten und Nachbarn erschüttert über das Ausmaß der Schäden hinter den Polizei-Absperrungen.

Nicht nur die Selbstbedienungs-Filiale der Deutschen Bank, in der es kein Beratungspersonal gibt und die nach 2018 zum zweiten Mal gesprengt worden ist, ist völlig demoliert worden. Auch die Wände des benachbarten Drogeriemarkts von dm, der am Montag geschlossen bleiben musste, und der Döner-Imbiss wurden erschüttert. Noch in der Pizzeria Mamma Mia, zwei Ladenlokale weiter, haben umher fliegende Teile die Glasscheibe zertrümmert. Ein in der Nacht hinzu gezogener Statiker des Technischen Hilfswerks stellte aber fest, dass für das Wohn- und Geschäftshaus keine Einsturzgefahr bestehe.

Drei Täter im Audi

Die drei dunkel gekleideten Täter konnten mit ihrer Beute entkommen. Ihren Fluchtwagen hatten sie auf dem Marktplatz geparkt. Dabei soll es sich um einen dunklen Audi-Sportwagen handeln, mit dem sie in Richtung Autobahn davon gerast sind. Mehrere Menschen haben Handy-Fotos von ihren Beobachtungen gemacht und der Polizei zur Verfügung gestellt.

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Eine Zeugin konnte sogar das Kennzeichen des Wagens erkennen und den Ermittlern nennen. Das Nummernschild aus dem Kreis Mettmann hilft bei der Fahndung aber nicht viel weiter, denn es stellte sich bei der Überprüfung rasch heraus, dass es in der gleichen Nacht kurz zuvor in Langenfeld gestohlen worden ist.

Auch hinter diesem professionell ausgeführten Überfall steckt nach Vermutungen der Polizei eine auf Automatensprengungen spezialisierte Bande. Während bei den ersten beiden Fällen in Leichlingen dafür ein explosives Gasgemisch gezündet worden ist, haben die Profis im September 2021 bei der Sparkassen-Filiale am Bahnhof und jetzt bei der Deutschen Bank im Brückerfeld Festsprengstoff eingesetzt. Diesmal offenbar sehr viel. Sprengstoffreste klebten jedenfalls noch an dem explodierten Geldautomaten. Entschärfer des Landeskriminalamtes wurden angefordert, um die explosiven Reste in einem gesicherten Bereich kontrolliert zu sprengen. Das geschah am Vormittag – mit einem dritten lauten Knall – in der Balker Aue.

Zeugen, die sachdienliche Beobachtungen gemacht haben, bittet die Polizei, sich unter ☎ 02202 / 2050 zu melden.

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