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Imker in LeichlingenDie Bienen sind früh dran

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Detlev Steiner, Vorsitzender des Imkervereins, zeigt eine Honigwabe – und sich zufrieden mit dem Honigertrag.

Leichlingen – Normalerweise verbringt Detlef Steiner seine freie Zeit mit Bienen. Schließlich ist der 56-Jährige seit 13 Jahren Vorsitzender des Imkervereins Leichlingen. Und der aktuelle Teil des Frühjahrs, der schon schnurstracks Richtung Sommer geht, ist genau die Zeit, in der seine Bienenvölker Honig produzieren. Dieses Mal jedoch kommen zumindest an diesem einen Nachmittag noch zwei Politiker zu den Bienen hinzu: Rainer Deppe und Bürgermeisterkandidat Maurice Winter von der CDU lassen sich von Steiner seine Arbeit zeigen – und packen selber mit an.

Wichtige Arbeit für die Natur

Sie wollen damit einerseits dem Imkerverein zu dessen 85-jährigen Bestehen gratulieren. Sie wollen aber auch signalisieren: Die Politik hat verstanden, wie wichtig die Arbeit an, mit und für die Natur ist. Steiner weiß das natürlich schon lange. Er wuchs dank seines Vaters, der ebenfalls als Imker tätig war, mit Bienen auf. Und er sagt klipp und klar, dass der Klimawandel für seine Zunft zu spüren ist: „Noch vor ein paar Jahren schleuderten wir den ersten Honig frühesten Anfang Juni. Mittlerweile ist die Natur durch milde Winter und ein warmes Frühjahr der früheren Zeit um zwei bis drei Wochen voraus. Alles explodiert quasi gleichzeitig.“ Die Imker müssten entsprechend früher „raus“, um sich um ihre Bienenvölker zu kümmern.

Immerhin: Das Hobby der Imkerei sei in den vergangenen Jahren ungeheuer populär geworden: „Als ich vor 13 Jahren Vorsitzender des Imkervereins wurde, hatten wir 23 Mitglieder. Heute sind es 51. Und es kommen immer mehr jüngere Kollegen hinzu.“ Nicht nur aber eben auch in Leichlingen. Er erklärt sich das unter anderem mit einer veränderten Einstellung und Wahrnehmung innerhalb der Gesellschaft: Zum einen würde seit Jahren immer wieder - und offenbar durchaus erfolgreich – auf die Wichtigkeit von Bienen fr die Natur hingewiesen. Zum anderen sei es so, dass nicht nur immer mehr Menschen ihren Fokus auf hochwertige regionale Produkte legten, sondern dass es mittlerweile in Mode sei, sich sein Essen „quasi selber zu ziehen“. „Das Bewusstsein für Bienen ist da. Das Bewusstsein für sie als Nutztiere und als wichtiger Faktor in der Natur.“

2020 ist ein gutes Jahr

Für Steiner persönlich ist das Jahr 2020 bislang übrigens ein gutes Imkerjahr: „Ich erwarte am Ende eine Ertrag von gut 30 Kilogramm Honig pro Volk.“ Im vergangenen Jahr seien es nur sechs Kilogramm gewesen, was nicht schön sei, was aber passieren könne. Imkerschicksal eben.

Zu dem gehört letztlich auch das regelmäßige Einstecken von Stichen – auch wenn sich das Risiko dafür durchaus minimieren ließe: Durch eine ruhige Hand etwa. Durch Schutzkleidung natürlich. Oder aber durch das Wissen darum, mit was für einer Art Bienenvolk man es als Imker gerade zu tun habe. „Eines meiner Völker ist etwa ein sehr ruhiges. Da passiert kaum etwas. Da muss ich nicht mit kompletter Schutzmontur rangehen. Ein anderes gleich daneben aber hat Bienen, die gleich hochgehen, wenn ich nach den Waben greife.“

Faszinierendes Hobby

Geprägt werde dieses Verhalten zu einem großen Teil vom Charakter der jeweiligen Königin, erklärt Steiner – und zeigt mit jedem Satz, wie faszinierend dieses Hobby ist, dass er als hauptberuflicher IT-Administrator, der seine Kollegen regelmäßig mit Honig versorgt, betreibt. Die Belohnung für allen Zeitaufwand und Stichverletzungen: der gerade aus der Wabe geschleuderte Honig. „Ehe er ins Glas kommt, schmeckt er am besten.“ Auf den Moment, in dem er die ersten Kostproben vor Ort von seinem Vater erhielt, habe er sich als Kind immer am meisten gefreut. Und genau das tun denn auch Politiker wie Deppe und Winter, wenn sie in den Genuss frischen Honigs kommen: sich wie Kinder freuen.