Kirsten Siefer hat in Leichlingen einen Garten geschaffen, der von Harmonie, Vielfalt und ihrer Überzeugung lebt: Jede Pflanze braucht den richtigen Platz.
Jede Pflanze hat ihren PlatzKirsten Siefer gestaltet in Leichlingen einen Garten voller Harmonie und Vielfalt

Ihr Garten ist für Kirsten Siefer mehr als ein Hobby: Er ist ein Ort, der wächst, sich verändert und geteilt wird.
Copyright: Viktoria Langenhuizen
Unter dem alten Apfelbaum summen Wildbienen, zwischen den Stauden blühen Rosen und Lavendel. Wer den Garten von Kirsten Siefer betritt, merkt schnell: Hier wurde mit Bedacht gestaltet. „Die Natur sucht sich ihren Weg“, sagt die 67-Jährige. In ihrem rund 750 Quadratmeter großen Garten in Leichlingen finden Wildbienen in Mauerritzen Unterschlupf, Molche leben im Wasserbecken, und zwischen den Pflanzen entsteht ein lebendiger Lebensraum.
Gespür für Pflanzen und Räume
Als Kirsten Siefer 2010 in das Haus einzog, war das Grundstück noch nicht so groß wie heute. Zwei Jahre später kaufte sie das Nachbargrundstück dazu. Hier entstand ab 2014 Stück für Stück ein neuer Garten. Die unterschiedlichen Ebenen miteinander zu verbinden, war eine Herausforderung. Wie der Garten heute aussieht, ist das Ergebnis jahrelanger Erfahrung und eines guten Gespürs für Pflanzen und Räume.
Die Liebe zum Gärtnern begleitet Kirsten Siefer seit ihrer Kindheit. Aufgewachsen ist sie im Oberbergischen Kreis. Dort prägten klassische „Bauerngärten“, die Blumen mit Gemüsebeeten kombinierten das Bild. „Die Frauen in meiner Familie sind alle in Gärten groß geworden.“ Es ist bereits der dritte Garten, den sie selbst gestaltet hat. Unterstützung durch einen Gartenarchitekten brauchte sie nicht. Vieles entwickelte sich während der Arbeiten weiter.

Rasen gibt es in Kirsten Siefers Garten nicht, aber rund 200 verschiedene Pflanzen.
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Heute wachsen auf dem Grundstück rund 200 verschiedene Pflanzen. Farblich dominieren Blau- und Violetttöne. Trotz der großen Vielfalt wirkt der Garten ruhig. „Harmonie, Vielfalt und Struktur“ nennt Kirsten Siefer die drei Grundprinzipien ihrer Gestaltung. Wiederkehrende Elemente wie Kies und Wasser sorgen dafür, dass die unterschiedlichen Pflanzen dennoch ein stimmiges Gesamtbild ergeben.
Erst beobachten dann pflanzen
Für Kirsten Siefer beginnt gutes Gärtnern mit Beobachtung. „Ich schaue immer, dass ich was für die Pflanzen tun kann. Hat sie den richtigen Platz bekommen? Hat sie einen Mangel?“ Wenn eine Pflanze kränkelt, sucht sie nicht sofort nach einer Lösung, sondern zunächst nach der Ursache. Bekommt sie genug Sonne? Steht sie zu schattig? Fehlt ihr etwas? Für Kirsten Siefer geht es darum, die Bedürfnisse der Pflanzen zu verstehen.
„Manchmal muss man auch einfach abwarten“, sagt sie. Nicht jede Veränderung im Garten sei gleich ein Grund zum Eingreifen. Pflanzen bräuchten Zeit, um sich an ihren Standort zu gewöhnen und ihren Platz im Garten zu finden. Diesen Rat gibt die Heilpraktikerin auch Gartenanfängern mit auf den Weg. „Man muss sich vorher informieren: Wo ist viel Sonne? Wo ist Schatten? Welche Pflanze möchte ich wohin setzen?“ Wer die Standortansprüche beachte, erspare sich später viel Arbeit.
Ich finde, man sollte Pflanzen wählen, die nicht jedes Jahr neu gekauft werden müssen.
Auch beim Düngen setzt sie auf natürliche Kreisläufe. Herbstlaub bleibt auf dem Grundstück und wird zwischen die Stauden gelegt. Es schützt den Boden vor dem Austrocknen, fördert Mikroorganismen und wird nach und nach zu Humus. Hinzu kommt selbst hergestellter Kompost aus Garten- und Küchenabfällen. Künstlichen Dünger verwendet sie nicht. „Ich finde, man sollte Pflanzen wählen, die nicht jedes Jahr neu gekauft werden müssen“, sagt sie. Deshalb setzt sie vor allem auf winterharte Stauden, die über viele Jahre am richtigen Standort wachsen können.

Molche leben im Wasserbecken, und zwischen den Pflanzen entsteht ein lebendiger Lebensraum.
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Ein Garten der gelebt wird
Ihr Lieblingsplatz liegt in einer türkis gestalteten Sitzecke vor dem Saunahäuschen. Mit Gästen sitzt sie dagegen am liebsten unter dem alten Apfelbaum, dessen Krone sie bewusst so erzogen hat, dass möglichst viel Schatten entsteht. Der Garten ist für sie kein Rückzugsort, den nur sie allein genießt. „Der Garten wird richtig gelebt“, betont Kirsten Siefer. „Familienfeiern finden hier ebenso statt wie Treffen mit Freunden. Auch ihre Patienten können den Garten von der Praxis aus erleben.

Ihr Lieblingsplatz liegt in einer türkis gestalteten Sitzecke.
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Seit 2016 beteiligt sich Kirsten Siefer außerdem an der Offenen Gartenpforte. Zuletzt kamen an einem Nachmittag fast 90 Besucher. Viele der Stauden stammen ursprünglich von Pflanzentauschbörsen im Oberbergischen. Heute gibt sie selbst Ableger an interessierte Besucher weiter.
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