Witzhelden„Butterküche“ und Jugendtreff am Sportplatz in Leichlingen drohen zu scheitern

Lesezeit 3 Minuten
Solinger Straße in Witzhelden am Edeka-Markt mit Mobilstation und Leihrädern.

Der Fußgänger-Überweg auf der Solinger Straße lässt weiter auf sich warten. Die Mobilstation mit Leihrädern vor dem Edeka-Markt (r.) ist noch nicht in Betrieb.

Entsetzen im Bezirksausschuss Witzhelden: Förderanträge für die „Butterküche“ und den Jugendfreizeittreff am Sportplatz wurden abgelehnt.

Lauter schlechte Nachrichten, ganz schlechte Nachrichten musste der Bezirksausschuss Witzhelden in seiner Sitzung am Dienstagabend verdauen. Die Stadtverwaltung eröffnete den Politikerinnen und Politikern, dass es in mehreren Anläufen bisher nicht gelungen ist, die benötigten Fördermittel für zwei wichtige Vorhaben im Dorf zu bekommen: Die Einrichtung einer Bürgerbegegnungsstätte in der früheren „Butterküche“ und der Bau eines Jugendfreizeittreffs am Sportplatz drohen zu platzen.

Enttäuscht bis erbost mussten die Fraktionsmitglieder zur Kenntnis nehmen, dass die beiden Leuchtturm-Projekte auf der Kippe stehen und das Integrierte Handlungskonzept (InHK) für Witzhelden womöglich komplett scheitert. Wenn es keine Zuwendungen des Landes für die Projekte gibt, weiß niemand, wie man sie verwirklichen soll. Einen Plan B für die Finanzierung gibt es nicht.

Das Backsteingebäude der historischen „Butterküche“ am Markt

Die historische „Butterküche“ am Markt wollte die Stadt zum Bürgertreff ausbauen. Aber die eingeplanten Zuschüsse bleiben bislang aus.

Damit nicht genug: Auch die seit mehr als zehn Jahren geforderte Anlage eines Fußgängerüberwegs auf der Solinger Straße ist immer noch nicht in Sicht. Und sowohl bei der Denkmal- und Gestaltungssatzung als auch beim gewünschten Fassadenprogramm für den Dorfkern gibt es so große Probleme, dass die Planungsarbeiten inzwischen gestoppt werden mussten.

Mir drängt sich der Verdacht auf, dass uns Fördergelder abgelehnt werden, weil es in der Innenstadt bereits ein InHK gibt und Witzhelden jetzt komplett leer ausgeht
Martin Steinhäuser (Bürgerliste)

Nicht erstaunlich daher, dass in der für Witzhelden zuständigen politischen Vertretung angesichts dieser Hiobsbotschaften blankes Entsetzen herrschte. Während in der Innenstadt überall Baukräne stehen und Transparente an der Stadtpark-Baustelle blühende Landschaften verheißen, geht es in Witzhelden momentan nirgendwo voran. Ausschuss-Vorsitzender Martin Steinhäuser (Bürgerliste) sprach die im Raum stehende Eifersucht aus: „Mir drängt sich der Verdacht auf, dass uns Fördergelder abgelehnt werden, weil es in der Innenstadt bereits ein InHK gibt und Witzhelden jetzt komplett leer ausgeht.“

Fachwerkfassade der "Alten Post" in Witzhelden

Die frühere Gaststätte "Alte Post" hätten die Witzheldener viel lieber als Bürgerbegegnungsstätte. Das Haus verfällt zusehends. Und die Arbeiten für eine Denkmalsatzung sind ins Stocken geraten.

So sei es nicht, „das kann nicht das Problem sein“, beteuerte die fürs Bauwesen zuständige Fachbereichsleiterin Mirjam Bosse. Aber sie konnte zur Verärgerung des Ausschusses auch keine Begründung der Zuschussgeber liefern, warum die Anträge aus Witzhelden abgelehnt worden sind. Offenbar ist auch die Verwaltung von der Pleite überrascht worden. Sie hatte den Weg empfohlen, für einzelne Bausteine spezielle Fördertöpfe anzuzapfen, statt das millionenschwere gesamte InHK-Paket einzureichen. Und hatte mit dieser Taktik bisher keinen Erfolg.

Drei von vier Förderanträgen wurden schon abgelehnt

Für Bürgerstätte und Jugendtreff sind insgesamt vier infrage kommende Programme angefragt worden. Aber es hagelte im März und April drei Absagen aus den NRW-Förderlinien „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“, „Heimatzeugnis“ und „Wohnviertel im Wandel“. Die Stadt hat jetzt nur noch die Chance, ihre Projekte aus dem Fonds „Dorferneuerung“ bezahlt zu bekommen, der über die Anträge noch nicht entschieden hat. Wann die Prüfung beendet und mit einer Antwort zu rechnen ist, ist unbekannt.

„Das ist frustrierend“, fasste Steinhäuser die aufgebrachte Stimmung im Bezirksausschuss zusammen. „Wir finden das genauso unerfreulich“, entgegnete Bosse. Auf die drängenden Nachfragen, wie die als sicher geglaubten Vorhaben zur Attraktivierung des Dorflebens denn gerettet werden können, wenn auch die vierte Chance verloren geht, konnte sie für die Verwaltung nur versprechen: „Wir werden nicht einfach sagen: Wir machen das nicht mehr.“

Auf eigene Faust plant die Verwaltung weiter an einer Umgestaltung der Solinger Straße. Der Ausschuss war erzürnt, dass die nötigen Grundstücksverhandlungen mit Privateigentümern zum Bau des Fußgänger-Überwegs wegen Arbeitsüberlastung immer noch nicht geführt worden sind. Aber er folgte der Idee, den Zebrastreifen in ein weiter reichendes Konzept zur Attraktivierung und Begrünung der Solinger Straße vom Ortseingang bis zum Markt einzubetten, auch wenn dies bis 2025 voraussichtlich ein Jahr länger in Anspruch nehmen wird.

Nachtmodus
KStA abonnieren