Die Redaktion des „Leverkusener Anzeiger“ stellt ihre Lieblingsplätze in Leverkusen, Leichlingen und Burscheid vor.
„Lieblingsorte“Der alte Wasserturm in Witzhelden symbolisiert den ganzen Reiz des Höhendorfs

Ein wahres Kleinod ist der Alte Wasserturm im Leichlinger Höhendorf.
Copyright: Niklas Pinner
Es ist sicher kein Zufall, dass an diesem sonnigen Montagnachmittag, als der Autor dieser Zeilen am Alten Wasserturm in Witzhelden ankommt, er nicht allein ist. Auf einer der Holzbänke neben dem Turm sitzt eine Frau. Sie hat die Augen geschlossen und lässt sich den Wind durch die mittellangen Haare wehen. Vor ihr steht eine Flasche Wasser – vermutlich hat sie eine Pause auf einem Spaziergang gemacht.
Dass die Witzheldener darauf bestehen, dass sie Witzheldener und keine Leichlinger sind, hat einmal natürlich historische Gründe. Bis zur Kommunalen Neugliederung 1975 war Witzhelden eine eigene Gemeinde des Rhein-Wupper-Kreises. Da ist ein gewisser störrischer Lokalpatriotismus zu verzeihen. Es gibt aber auch einen anderen Grund: Das Höhendorf hat seinen eigenen Reiz.
Und zwar auf mehreren Ebenen: Da sind einmal die Menschen. Es ist höchst beachtlich, wie viele Menschen sich in Witzhelden ehrenamtlich engagieren. Nirgends deutlicher zu erkennen als während des Erntedankfests. Und da ist zum anderen der dörfliche Charme. Der Marktplatz mit der imposanten Kirche und den schicken Fachwerkhäusern drumherum ist wirklich schön. Das Einzige, was stört, ist der Verkehr dort.

Gleich neben dem Turm befindet sich ein Bouleplatz.
Copyright: Niklas Pinner
Der Alte Wasserturm ist nun so etwas wie das Sinnbild für das, was Witzhelden ausmacht. Einerseits ist er ein Rückzugsort, ein richtiges Kleinod. Ein bisschen weg vom Zentrum hält man sich dort einfach gern auf. Andererseits steht der Turm aber auch genau für das, was die Menschen in ihrem Höhendorf auf die Beine stellen. Es gibt einen Bouleplatz direkt daneben, verschiedene Vereine setzen sich für den Erhalt und die Verschönerung ein, inzwischen feiert das Dorf auch wieder im Schatten des Turms die Reisbreikirmes.
Errichtet wurde der Turm 1928 auf dem höchsten Punkt des Ortskerns. Schon zuvor hatten die Mitglieder des 1897 gegründeten Wasserversorgungsvereins einen Wasserturm errichtet, um ihre Mitglieder auch in trockenen Sommern mit Wasser versorgen zu können. Die 15 Kubikmeter Fassungsvermögen reichten irgendwann aber nicht mehr aus.

Die Bänke um den Turm herum wurden von verschiedenen Institutionen gestiftet.
Copyright: Niklas Pinner
Sie rissen den alten Turm ab und errichteten auf dem von der evangelischen Kirchengemeinde an den Wasserverein verpachteten Grundstück den neuen Turm, der ein vierfaches Fassungsvermögen hatte. Den Grundstein legte man am 17. März 1928, schon im Juni feierte man Einweihung.
1966 schloss sich der Wasserversorgungsverein ans 1960 gegründete Netz des Wasserversorgungsvereins Rhein-Wupper an. Man brauchte den Wasserturm nicht mehr und 31 Jahre passierte fast nichts mit dem Bauwerk. „Nach Beschädigungen wurde die Türe zugemauert, das Gelände um den Turm verwahrloste, ein Teil wurde landwirtschaftlich genutzt“ ist in der Historie auf der Internetseite des Wasserturm-Fördervereins zu lesen.
Als der Turm dann 100 Jahre alt wurde, beschloss der Vereinsvorstand, den Turm zu renovieren. 1999 stellte man die Arbeiten fertig. Am 16. August desselben Jahres wurde der Förderverein Alter Wasserturm gegründet. In der Satzung steht: „Zweck des Vereins ist die Erhaltung, Nutzbarmachung und Nutzung des alten Wasserturmes und des angrenzenden Geländes als ein Wahrzeichen von Witzhelden und als Kultur-, Kunst- und Sportstätte des Dorfes.“
Serie „Lieblingsorte“
Erst kürzlich stellte das TV-Format „TV Total“ die These auf, dass Leverkusen zu den hässlichsten Städten der Welt gehört. Das stimmt nicht, findet die Redaktion des „Leverkusener Anzeiger“. Ihre Lokalreporterinnen und Lokalreporter stellen deshalb Plätze in Leverkusen, Leichlingen und Burscheid vor, auf denen sie sich gerne aufhalten. (nip)
