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Historisches GebäudeWitzhelden diskutiert über die Zukunft der Alten Post

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Über die Zukunft der Alten Post in Witzhelden wird dieser Tage viel diskutiert.

Über die Zukunft der Alten Post in Witzhelden wird dieser Tage viel diskutiert.

Die Stadt soll die unter Denkmalschutz stehende Immobilie kaufen, fordert die Politik.

Es ist schon ein beklagenswertes Bild, das sich beim Anblick des eigentlich schicken Fachwerkhauses im Zentrum von Witzhelden bietet: Das Holz ist morsch, Farbe blättert ab – die ehemalige Gaststätte aus dem Jahr 1850 ist in einem schlechten Zustand. Und das schon lange, was das Thema erneut auf die Tagesordnung der politischen Gremien brachte.

Genauer gesagt war es die SPD, die für den Bezirksausschuss zuletzt einen Antrag hervorgeholt hatte, den sie ein Jahr zuvor schon einmal gestellt hatte: Die Stadt soll das Gebäude kaufen, das sich seit 2015 im Besitz eines Unternehmens befindet. Das hatte der Rat 2021 schon einmal abgelehnt. Die Stadtverwaltung war auch dagegen, woran sich bis heute nichts geändert hat: „Die Verwaltung hält den Kauf des Objekts ‚Alte Post‘ für nicht wirtschaftlich und ist mit viel zu großen Risiken und baurechtlichen Hürden belastet.“

Damals hatte die Stadt auf Grundlage einer Machbarkeitsstudie dann nicht die Alte Post, sondern die Butterküche gekauft, um in Witzhelden ein Bürgerzentrum zu errichten.

Seit 1983 ist das Gebäude ein Baudenkmal. Der Erhalt des Gebäudes liege beim Eigentümer, teilt die Stadt mit, den habe die Denkmalbehörde auch schon angeschrieben. Allerdings passiert in Sachen Erhalt ganz offenkundig nichts, einem Schild im Fenster des Gebäudes nach scheint der Eigentümer auch zum Verkauf bereit zu sein.

Wie der Verkehrs- und Verschönerungsverein Witzhelden auf Anfrage des „Leverkusener Anzeiger“ mitteilt, habe man schon 2015, als der Unternehmer das Gebäude gekauft hat, Sorge gehabt, dass „dieses wunderschöne und die historische Dorfmitte von Witzhelden stark prägende Fachwerkhaus […] dem Verfall preisgegeben wird“. Der Unternehmer habe angekündigt, auf dem angrenzenden Kirmesplatz, den er ebenfalls gekauft hatte, Eigentumswohnungen zu bauen und die Alte Post „für eine gewerbliche Nutzung denkmalgerecht zu renovieren“. Das ist aber nicht passiert, offenbar lag der VVV mit seinen Bedenken richtig.

Einen städtebaulichen Vertrag habe die Stadt versäumt zu unterzeichnen, teilt der VVV mit und beruft sich dabei auf Gespräche mit Fachbereichsleitungen der Verwaltung. Der Verein ist schon seit einigen Jahren dafür, die Alte Post zu kaufen, um dort ein Bürgerzentrum zu errichten: „Über 120 Bürgerinnen und Bürger wollten sich damals an einer eigenständigen Betreibergenossenschaft beteiligen.“ Nach „unzähligen Gesprächen“ habe man sich wegen des zunehmenden Verfalls des Gebäudes an die Obere Denkmalbehörde im Kreishaus gewandt und sich diesbezüglich juristisch beraten lassen.

Das Ergebnis ist, dass bis heute keinerlei Zusagen des Eigentümers vom 1. Juli 2025 eingehalten wurden.
Verkehrs- und Verschönerungsverein Witzhelden

Das Ergebnis: Der Kreis als Obere Denkmalbehörde müsse sicherstellen, dass die Untere Denkmalbehörde, die Kommune, sich um den Denkmalschutz kümmert. Grundsätzlich liege die Zuständigkeit laut Paragraf sieben im NRW-Denkmalschutzgesetz beim Eigentümer. Aber laut Absatz vier könne die Denkmalbehörde „gebotene Maßnahmen selbst durchführen oder durchführen lassen“, wenn der Eigentümer seinen Aufgaben nicht nachkomme. Man müsste finanziell in Vorleistung gehen und sich das Geld vom Eigentümer zurückholen, so der VVV.

Nach einem Ortstermin am 1. Juli 2025 – unter anderem mit den Eigentümern, den Denkmalbehörden, dem Landschaftsverband, dem VVV und der Stadt – habe der Eigentümer per E-Mail versichert, bei dem Termin abgesprochene Maßnahmen in die Wege zu leiten. Zum Beispiel eine neue Dachrinne am hinteren Gebäudeteil. Der VVV teilt mit: „Das Ergebnis ist, dass bis heute keinerlei Zusagen des Eigentümers vom 1. Juli 2025 eingehalten wurden.“

VVV geht es vor allem um die Außenfassade

Dem VVV geht es vor allem um die Außenfassade. Deren Erhalt müssten Politik und Verwaltung sicherstellen, das erwartet der Verein, der auch klarstellt: „Der VVV Witzhelden wird weder die denkmalgerechte Sanierung der Alten Post begleiten, noch die anschließende Bewirtschaftung oder Nutzung durchführen.“

Der Bezirksausschuss stimmte letztlich mehrheitlich für den Kauf, die CDU war dagegen. Sie wollte Informationen von der Verwaltung: zu denkmalrechtlichen Verpflichtungen, die mit dem Kauf einhergingen, zu den Sanierungskosten, zu Personal- und Betriebskosten, zu den Auswirkungen auf die Grundsteuer B und zu der Rolle einer möglichen Genossenschaft. Und natürlich zur Finanzierung selbst, denn Geld ist dafür im Haushaltsentwurf, der derzeit beraten wird, nicht eingestellt.

Am Donnerstag teilte die Verwaltung in ihrer Antwort mit: Etwa 3,1 Millionen Euro Sanierungskosten müsste man einplanen. 2021 hatte man in der Machbarkeitsstudie mit 2,3 Millionen kalkuliert, inzwischen müsse man durch gestiegene Baukosten mit im Schnitt 33 Prozent mehr planen, so die Stadt. Und in den Sanierungskosten seien noch kein Kaufpreis und keine Kaufneben- oder andere durch den Erwerb entstehende Kosten enthalten. Was die Personalkosten für ein soziokulturelles Zentrum/Bürgerzentrum angeht, zieht die Stadt ebenfalls die Studie von 2021 zurate, rechnet Preissteigerungen von etwa 13 Prozent drauf und kommt so auf Personal- und Betriebskosten in Höhe von 139.135 Euro pro Jahr.

Selbst bezahlen kann die Stadt das nicht, ohne Steuern zu erhöhen: „Zur Finanzierung des beantragten Immobilienerwerbs wäre eine 100-prozentige Fremdfinanzierung erforderlich“, teilt die Verwaltung mit. Insgesamt müsste man wohl 3,5 Millionen Euro an Investitionsvolumen im Haushalt 2026 noch einstellen. Finanzieren müsste man das „durch Mehreinnahmen, zum Beispiel aus der Grundsteuer A/B oder Gewerbesteuer“. Würde man die Grundsteuer B erhöhen, um das Projekt zu finanzieren, wären das 19 Hebesatzpunkte. Alternativ könnte man anderweitig sparen: zum Beispiel durch den Verzicht auf eine Umstellung der Beleuchtung in der Stadt auf LED oder auf die neue Sporthalle in Witzhelden.

Unter diesen Bedingungen erscheint eine Ratsmehrheit am 23. März mehr als fraglich. In Sachen Genossenschaft sei noch niemand mit einem Gesamtkonzept auf die Stadt zugekommen. Klar sei: „Das Projekt muss strukturell, organisatorisch und finanziell so aufgestellt sein, dass keine dauerhafte Belastung für den städtischen Haushalt entsteht“, heißt es in der Antwort von Bürgermeister Maurice Winter.