Magdalena Schalk blickt auf ein bewegtes Leben zwischen Kriegserinnerungen, großer Liebe und jahrzehntelangem Einsatz als Pastorenfrau zurück.
Leichlingerin wird 100Ein Jahrhundert zwischen Krieg, Liebe und Glauben

Magdalena Schalk mit der großen Liebe ihres Lebens, Ehemann Ferdinand, der vor zehn Jahren verstarb.
Copyright: Charlotte Breidohr
Es ist ein ganz besonderer Geburtstag, den Magdalena Schalk heute feiern kann. Vermutlich der besonderste Geburtstag überhaupt: Die Leichlingerin wird heute, am 6. Juni, 100 Jahre alt. Die rüstige Seniorin blickt auf ein ganzes Jahrhundert zurück: Sie erlebte als junge Frau den Zweiten Weltkrieg, studierte Pharmazie und fand Erfüllung in ihrer Arbeit als Pastorenfrau.
Magdalena Schalk traf den wichtigsten Menschen in ihrem Leben, ihren zukünftigen Ehemann Ferdinand, an dem Ort, an dem sie heute ihren Lebensabend im Diakoniewerk verbringt: in Weltersbach. Vieles ist ihr mit den Jahrzehnten abhandengekommen, an die erste Begegnung mit ihrem „Ferdi“, erinnert sich die 100-Jährige, die in Barmen (heute ein Stadtteil von Wuppertal) geboren wurde, noch ganz genau: „Meine Eltern haben mich nach Weltersbach zur Jugendhilfe fahren lassen. Es hat in Strömen geregnet und ich habe mir auf einer Bank die Socken ausgezogen, um sie zu trocknen. Dann kam Ferdinand vorbei und richtete mir Grüße aus von seiner Schwester. Dann haben wir den ganzen Tag miteinander verbracht.“ Magdalena Schalk war damals 15 Jahre alt und besuchte das Mädchengymnasium in Barmen.
Bombennächte, Mut und eine gerettete Zukunft
Ihre Eltern, Johanna und Fritz, legten großen Wert auf Bildung. Magdalena (damals noch Hausberg) und ihr jüngerer Bruder Lothar absolvierten das Abitur. Magdalena legte eine Prüfung ab, um anschließend in einer Apotheke in Barmen zu arbeiten. Im Zweiten Weltkrieg wurden bei einem verheerenden Luftangriff durch die britische Royal Air Force in der Nacht vom 29. auf den 30. Mai 1943 rund 3400 Menschen in der Stadt getötet. „Ich höre heute noch die Bomben und Flugzeuge über meinem Kopf“, so die Seniorin und ahmt das Geräusch der Flieger nach. Magdalena Schalk erinnert sich daran, wie die ganze Familie und Nachbarn bei Angriffen Schutz im Keller ihres Elternhauses suchten, weil er der stabilste in der Umgebung war.

Magdalena wurde am 6. Juni 1926 als Tochter von Johanna und Fritz Hausberg in Barmen (heute Wuppertal) geboren.
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„Tante Nena ist eine starke Frau“, sagt ihr Neffe Dr. Bernhard Hausberg. „Sie hat immer wieder in der Familie erzählt, dass sie allein zu Hause war, als ihr damals 16-jähriger Bruder abgeholt werden sollte, um an der Front zu kämpfen. Lothar spielte hinten im Haus. Sie log den Soldaten mitten ins Gesicht, dass er nicht da sei, und hat ihm wohl damit das Leben gerettet.“
Ein Liebesbrief verändert den Lebensweg
Nach dem Krieg studierte Magdalena Schalk zwei Semester Pharmazie in Bonn. Bis sie einen Liebesbrief von ihrem Ferdinand bekommt, der als Marinesoldat aus dem Krieg zurückgekehrt war. „Darf ich dich bitten, eine Predigerfrau zu werden, mit allen Lasten und Pflichten?“, steht auf dem leicht vergilbten Papier, das ihr Neffe mit vielen weiteren Erinnerungen aufbewahrt hat. Für Magdalena war sofort klar: „Ich habe mit dem Studium Schluss gemacht und wir haben geheiratet.“ Bereut sie das rückblickend? „Nein, ich hatte eine gute Ehe.“

Magdalena Schalk adoptierte zwei Jungs, heute hat sie vier Enkelkinder und sechs Urenkelkinder.
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65 Jahre sind Magdalena und Ferdinand verheiratet, ziehen als Pastorenpaar der Baptisten, eine der ältesten und größten evangelischen Freikirchen der Welt, alle acht Jahre um. Magdalena arbeitet in Gemeinden in Salzgitter, Lüdenscheid, Wien (Österreich), Köln und Dortmund. „Wir waren mittendrin im Leben für andere da und wollten Menschenherzen erreichen. Ich hatte immer ein offenes Haus, egal, wo es war. Jeder konnte an unserem Tisch kommen.“ Das Paar adoptiert zwei kleine Jungs, Bernd und Karl-Heinz. Heute hat Magdalena Schalk vier Enkelkinder und sechs Urenkelkinder.
Ich bin ein bisschen stolz. Es freut mich, dass ich das geschafft hab. Ich bin dankbar, dass unsere Familie so zusammengehalten hat und gesund und fromm ist.
Nach der Rente zieht das Pastorenpaar erst ins Elternhaus nach Wuppertal-Barmen, dann in einen Bungalow in Weltersbach, wo sie sich zum allerersten Mal trafen. Sechs Monate nach dem 65. Hochzeitstag stirbt Ehemann Ferdinand und Magdalena Schalk zieht in eins der Haupthäuser im Diakoniewerk. Hier gibt sie nach wie vor jeden Sonntag das Frauenfrühstück.
Bis heute sind der 100-Jährigen die Familie und der Glaube das Wichtigste im Leben. Deshalb feiert sie auch ihren besonderen Geburtstag heute im Kreise der Familie und Freunde im Dorfcafé Weltersbach: „Ich bin ein bisschen stolz. Es freut mich, dass ich das geschafft hab. Ich bin dankbar, dass unsere Familie so zusammengehalten hat und gesund und fromm ist. Wir sind alle gläubig, das ist mir wichtig.“
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