Leichlingen – Die Freunde der vom Untergang bedrohten Diepentalsperre können neue Hoffnung schöpfen. In die zwischenzeitlich zum Stillstand gekommenen Bemühungen, ein Konzept zur Zukunft des Naherholungsgebietes zu erarbeiten, ist wieder Bewegung gekommen. Bei einem Treffen des Wupperverbandes mit den Eigentümern wurde ein neuer Anlauf für eine Machbarkeitsstudie unternommen, die sich auf drei Ziele konzentrieren soll: Die Aufgabe der Talsperren-Technik mit dem Wasserkraftwerk und die Renaturierung der Landschaft, aber auch den Erhalt des oberen Sees mit Gastronomie und Freizeitaktivitäten.
Die Besprechung am Seeufer hat bereits Mitte Oktober stattgefunden. In einer dazu gestern veröffentlichten Presse-Erklärung des Wupperverbandes heißt es, dass die Eigentümer dabei ein klares Bekenntnis zur Entwicklung des Talsperren-Areals abgegeben hätten und man sich auf eine neu konzipierte Machbarkeitsstudie verständigt habe. Diese war wie berichtet vor vier Wochen zunächst gescheitert. Die Stadt Leichlingen und der Wupperverband hatten ihre Finanzierungszusage zurückgezogen, weil sich die Familien Halbach und Weiglhofer nicht im erwarteten Ausmaß an der Untersuchung beteiligen wollten. Nun sollen nicht mehr alle möglichen Alternativen von der kompletten Renaturierung des Tals bis zum Neubau der Talsperre untersucht werden, sondern nur noch die Kompromisslösung, die allen Beteiligten die liebste wäre. Die Kosten der Studie sinken so von 30-auf etwa 20 000 Euro. Das Geld wollen sich die Parteien teilen. Jede Seite müsste nur noch 3333 Euro übernehmen. Der Leverkusener Stadtrat hatte Mitte Oktober beschlossen, sich sogar mit bis zu 10 000 Euro zu beteiligen.
Wupperverband steht zur Zusage
Professor Bernd Wille geht daher davon aus, dass die Finanzierung nun kein Problem mehr ist und steigt wieder mit ins Boot: „Aus der Zusage der Eigentümerfamilien und des Rates der Stadt Leverkusen ist zu hoffen, dass auch die Stadt Leichlingen ihren Teilbetrag für die Studie einbringen wird. Vor diesem Hintergrund steht der Wupperverband weiterhin zu seiner Finanzierungszusage und wird die Machbarkeitsstudie beauftragen.“ Teilnehmer des jüngsten Gesprächs, das wieder Bewegung in die festgefahrene Sache gebracht hat, waren Ursula Halbach und Erik Weiglhofer-Halbach (denen das Kraftwerk und der untere See gehören), Sascha Heinz in Vertretung für Ernst und Peter Halbach (vom touristisch genutzten und daher lukrativeren oberen See) sowie Vorstand Professor Bernd Wille und Dr. Frank vom Wupperverband. Bei der Besprechung wollten die von den Kommunen mit den Verhandlungen beauftragten Vertreter des Wupperverbandes erörtern, wie sich die Eigentümer die weitere Entwicklung vorstellen. Verbandssprecherin Monika Ebers zum Ergebnis: „Die Familien Halbach haben aufgezeigt, dass sie sich ihrer Verantwortung für die zukünftige Entwicklung des Diepentals bewusst sind und aufgrund der Vielzahl der wasserwirtschaftlichen und öffentlichen Berührungspunkte der Diepentalsperre als Gewässer und Naherholungsgebiet nach wie vor die enge Abstimmung mit dem Wupperverband sowie der Politik und der Öffentlichkeit suchen.“
Die Kernfrage sei: „Wie soll das Diepental zukünftig aussehen?“ Hierzu sei abgestimmt worden, dass die Talsperre an sich, die keine Funktion für den Hochwasserschutz hat, aufgegeben und eine Entwicklung angestrebt werde, die den Zielen und Inhalten der EU-Wasserrahmenrichtlinie entspricht. Das bedeute die Wiederherstellung der Durchgängigkeit des Murbachs, die Wahrung des Natur- und Artenschutzes, die Schaffung natürlicher Retentionsräume sowie den Schutz von Landschaftsbild und Naherholung.
Damit Diepental als Ausflugsziel nicht baden geht, soll untersucht werden, wie eine veränderte Gewässerfläche an dem von Restaurantbetrieb, Campingplatz und Bootsverleih gesäumten oberen See weiterhin für Freizeitaktivitäten erhalten bleiben kann.
Welche Kosten für eine solche Umgestaltung anfallen und wer sie bezahlen soll, ist weiterhin ungewiss. Der Wupperverband geht davon aus, dass die Ingenieurstudie eine belastbare Diskussionsgrundlagen für die Fragen liefert, ob sich diese Ziele unter einen Hut bringen lassen, wie teuer eine solche Lösung würde und ob sie aus öffentlichen Programmen gefördert würde. Noch aber ist Diepental nicht gerettet. „Bis es soweit ist,“ erinnert der Wupperverband an die entsprechende Ankündigung der Aufsichtsbehörde bei der Bezirksregierung, „wird davon auszugehen sein, dass aus Sicherheitsgründen eine Absenkung des Wasserspiegels der Talsperre um etwa 90 Zentimeter zu erfolgen hat.“
