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Seltene BerufeIn Leichlingen sorgt Laura Iber für frische Hufe

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Hufschmiedin Laura Iber vor ihrer mobilen Schmiede.

Hufschmiedin Laura Iber vor ihrer mobilen Schmiede.

Als Hufschmiedin braucht man nicht nur handwerkliches Geschick, sondern auch ein Gespür für Pferde – und ihre Menschen.

Es ist 9 Uhr an einem Freitagmorgen in Witzhelden. Bereits seit einer Stunde steht Laura Iber in einem überdachten Bereich des örtlichen Pferdehofs, der zumindest vor Regen schützt, gegen winterliche Kälte aber nichts auszurichten vermag.

Laura Iber soll heute dafür sorgen, dass fünf Pferde neue Hufeisen bekommen. Das erste Pferd des Tages reagiert sehr sensibel auf Geräusche. Es benötigt eine leichte Sedierung sowie die vertraute Nähe seiner menschlichen Vertrauensperson für den Eisenwechsel. Nach etwa eineinhalb Stunden hat es die Stute schließlich geschafft. Mit einer entschiedenen Drehung zieht sie ihre Besitzerin Richtung Boxen. Die Hufe sind fertig, nichts wie weg von hier.

Pferde haben, ebenso wie Menschen, unterschiedliche Charaktere, Temperamente und Nervenkostüme. Für die Hufschmiedin besteht die Kunst darin, sich auf diese unterschiedlichen Pferde – und deren Menschen – einzustellen. „Die Tiere sind für manche wie ein eigenes Kind. Da ist es normal, dass man auch mal nervös ist“, erklärt die Hufschmiedin. Sie weiß, wovon sie spricht, hat sie doch selbst seit ihrem zwölften Lebensjahr ein Pony, dem sie eng verbunden ist.

Laura Iber bringt ein Hufeisen in Form

Laura Iber bringt ein Hufeisen in Form

Heute ist Iber mit ihrer Assistentin, Heidi Frohnapfel, unterwegs. Diese schleift die Hufeisen, bürstet verschmutzte Hufe und unterstützt Iber bei vielen Handgriffen. Die Werkzeuge wie Bohrmaschinen, Schleifwerkzeuge, Hämmer und vieles mehr sind in einem Transporter untergebracht, der als mobile Schmiede fungiert. Die Kohleesse wurde gegen eine kleine Gasesse ausgetauscht, die ebenfalls im Auto verbaut ist. „Das hat den Vorteil, dass ich bei Ankunft die Esse nicht erst lange anheizen und im Anschluss lange auskühlen lassen muss“, erklärt die Hufschmiedin.

Sie hat gut zu tun. Das nächste Pferd ist eine ausgeglichene Kaltblutstute. Während die vor sich hindöst, löst Iber erst mal die Nägel der alten Eisen und entfernt diese. Im nächsten Schritt schneidet sie den Huf aus und raspelt die Ränder glatt. Hierbei ist präzise Sorgfalt vonnöten, denn bereits ein Millimeter zu wenig oder zu viel kann, je nach Huf, Probleme verursachen. Ist der Huf vorbereitet, kommt das Eisen ins Spiel. Es wird an den Huf gehalten, dann erhitzt, mit dem Hammer auf Größe gebracht und wieder angehalten, und zwar so lange, bis es passt. Vor dem Aufnageln wird das Eisen noch abgeschliffen.

Ein Huf wird gefeilt

Ein Huf wird gefeilt

Im Gegensatz zu ihren Kollegen vor 1835 stehen den heutigen Schmiedinnen und Schmieden Hufeisenrohlinge in unterschiedlichen Größen zur Verfügung, die dann nur noch an den jeweiligen Huf angepasst werden müssen. Das spart deutlich Zeit. Die Versorgung eines Pferdes mit neuen Eisen dauert zwischen einer und zwei Stunden, je nachdem, ob es Besonderheiten gibt oder nicht. „Es gibt zahlreiche Huferkrankungen“, erklärt die Hufschmiedin und legt den Hammer zur Seite. Das letzte Eisen sitzt wie angegossen am Huf. „Da gibt es unterschiedliche Arten, solch ein Eisen anzubringen. Manchmal muss man etwas unterlegen, anschmieden oder auch schon mal verlängern“, erklärt sie. „Ein Huf ist nicht einfach nur ein Stück Holz, auf das man willkürlich ein Eisen aufnageln kann. Es besteht aus Nerven und Blutgefäßen. Da ist es wichtig, zwischen dem sensiblen Teil und der äußeren Hornkapsel zu unterscheiden.“

Viel Wissen über Pferde

Die Tätigkeit eines Schmiedes geht weit über das grobe Image hinaus. „Wir müssen in der Ausbildung eine Menge über die Anatomie und Physiologie der Pferde lernen. Ein falscher Gang, der dann durch ein Spezialeisen ausgeglichen wird, könnte von einer Fehlstellung herrühren, von einer Verspannung oder sogar von der Fehlstellung der Zähne. Der Körper vom Pferd ist hochkomplex.“ Aus diesem Grund macht die 38-Jährige regelmäßig Fortbildungen, um die Pferde noch optimaler versorgen zu können.

Es gibt viele Pferde in Deutschland, aber immer weniger Hufschmiedinnen und Hufschmiede. Etwa 3500 Schmiedinnen und Schmiede stehen bundesweit laut der Deutschen Reiterlichen Vereinigung 1,3 Millionen Pferden gegenüber. Iber bewegt sich in einem traditionell verankerten Beruf, den es bereits seit mehreren 1000 Jahren gibt. Gemeinsam mit dem Waffenschmied ist der Beruf des Hufschmieds der älteste Vertreter des Schmiedehandwerks. Das Berufsbild hat sich im Laufe der Zeit jedoch stark verändert. Vor 2000 Jahren war der Hufschmied noch „der Beruf für alles“. Er schmiedete neben dem Huf- und Radbeschlag landwirtschaftliche Geräte sowie Werkzeug und grobes Eisenzeug, zog bei den Menschen die Zähne und fertigte Schmuck an.

Eine übergroße Statur und übertriebene Muskeln sind nicht notwendig
Laura Iber über ihren Beruf

Heutzutage konzentriert sich der Beruf auf den Pferdehuf und die Frauen haben nachgezogen. „Eine übergroße Statur und übertriebene Muskeln sind nicht notwendig“, sagt Iber, die optisch gerade das Gegenteil ist und damit noch manchmal Menschen verblüfft, die sie zum ersten Mal sehen. Das Traditionshandwerk, das inzwischen nicht mal mehr als solches gilt, braucht dringend Nachwuchs. Die Qualifizierung zum staatlich anerkannten Hufbeschlagschmied oder zur Hufbeschlagschmiedin ist eine Weiterbildung. Grundvoraussetzung ist eine Ausbildung, idealerweise aus dem Metallbauhandwerk oder aus dem pferdewirtschaftlichen Bereich, da diese Ausbildungen wichtige Fähigkeiten und Wissen vermitteln, die für den Beruf des Hufbeschlagschmieds oder der Hufbeschlagschmiedin hilfreich sind.

„Als Einstieg steht ein vierwöchiger Kurs an einer staatlich anerkannten Hufbeschlagschule“, erklärt die Hufschmiedin und greift sich den nächsten Huf. Trotz der Unterhaltung arbeitet sie konzentriert weiter. „Dann folgen zwei Jahre Praktikum bei einem staatlich anerkannten Hufbeschlagschmied. Am Ende steht eine viermonatige Vorbereitungszeit, wieder an der Hufbeschlagschule, die auf die Abschlussprüfung vorbereitet.“ Wer diesen Beruf wählt, tut das aus Überzeugung. „Man muss tatsächlich erst mal Geld mitbringen“, erzählt Iber. „Das können allein für die Lehrgänge und die Prüfung mal locker 4800 bis 8700 Euro sein. Auch das Material und die Ausrüstung sowie Essen und Unterkunft müssen die angehenden Hufschmiedinnen und Schmiede selbst bezahlen. Lediglich im Praktikum kommt etwas Geld rein. Nach bestandener Prüfung darf man sofort selbständig seine Hufbeschlagdienste anbieten oder sich für eine Anstellung bei einem Hufbeschlagschmied bewerben.

Laura Iber stellt nun auch diesen Huf ab, auf dem das neue Eisen wie angegossen sitzt. Einen hat sie noch vor sich und dann noch zwei Pferde. Das Wetter wird noch trüber, es beginnt zu regnen. Aber das macht ihr nichts aus. Gegen die Kälte hilft ein heißer Kaffee zwischen zwei Pferden. Die Assistentin hat inzwischen Feierabend. Das neue Pferd wird sie alleine beschlagen, aber auch das wird kein Problem sein. Iber hat ihren Traumberuf gefunden und ist mit Herz und Seele dabei. Die Pferde und deren Besitzer danken es ihr.