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Ausstellung bis März Kunststudenten wollen nicht im Bayer Erholungshaus ausstellen

Im Erholungshaus werden ab Sonntag Werke von Studenten der Akademie der Bildenden Künste in München gezeigt. Doch nicht jeder angehende Künstler wollte unter dem Namen von Bayer ausstellen.

Im Erholungshaus werden ab Sonntag Werke von Studenten der Akademie der Bildenden Künste in München gezeigt. Doch nicht jeder angehende Künstler wollte unter dem Namen von Bayer ausstellen.

Leverkusen – Es habe Diskussionen gegeben im Vorfeld dieser Ausstellung. Wohlgemerkt: Unter den Künstlern, die nun im Erholungshaus die Ausstellung „Differenzen“ bestreiten. Denn: Zwar landen regelmäßig Einladungen der Bayer-Kultur bei Studierenden renommierter Kunsthochschulen im Lande und bieten diesen die Chance, sich mitunter zum ersten Mal im größeren öffentlichen Rahmen zu präsentieren. Und die entsprechende Ausstellungsreihe „Kunsthochschulen zu Gast“, einst erdacht von Bayer-Kuratorin Andrea Peters, ist bislang auch immer ein Erfolg gewesen.

Indes: „Wir merken, dass die eingeladenen jungen Künstler immer häufiger und intensiver darüber nachdenken, ob sie sich unter dem Namen eines Wirtschaftskonzerns, der streitbar ist, zeigen“, sagt Andrea Peters. Das führe dazu, dass nicht jede Einladung angenommen wird – was Lukas Hoffmann betont: „Einige von uns haben sich dazu entschieden, nicht nach Leverkusen zu gehen.“

„Von uns“ bedeutet in diesem Falle: Von den Schülern jener Klasse, die derzeit von der renommierten Künstlerin Pia Fries an der Akademie der Bildenden Künste in München unterrichtet wird. David Borgmann ist deren Tutor und kündigt an, dass in naher Zukunft auch noch Diskussionsrunden zum Thema an der Hochschule anberaumt würden. Denn das Thema sei heikel.

Die neue Ausstellung heißt „Differenzen“ – und fördert auch welche zutage.

Die neue Ausstellung heißt „Differenzen“ – und fördert auch welche zutage.

Und es sei – das betont Andrea Peters – wichtig und richtig, denn: „Es geht darum, als Künstler eine Haltung zu entwickeln. Sich für eine Haltung zu entscheiden.“ Womit sie recht hat: Wer eine Haltung hat, kann diese in seine Kunst überführen und dazu anregen, sich über diese Haltung auszutauschen. Genau das muss Kunst erreichen. „Differenzen“ ist aber auch so eine beeindruckende Schau der Haltungen. Der, wie es der Titel sagt, unterschiedlichen Haltungen.

Konsequentes Reflektieren

Nicht nur, weil die Beteiligten offenbar einen Sinn für gesellschaftliche, soziale, politische Dimensionen haben. Sondern weil ihre Arbeiten allesamt zeigen, wie konsequent und lustvoll-leidenschaftlich sie über das reflektieren, was sie da Tag für Tag in der Akademie und den Ateliers tun. Die hauptsächliche Haltung scheint zu sein: Es gibt keine Grenzen. Gedanklich ohnehin nicht. Aber auch nicht technisch. Der Bilderrahmen ist zu eng. Es muss eine ganze Wand sein, die ein Kunstwerk aus mehreren kleineren Teilen ergibt (Marco Stanke, Alexia Trawinski). Es muss Kunst sein, die in den Raum wächst und sich ausdehnt (Lukas Hoffmann, Theresa Hecker, Aron Herdrich, Martin Huber). Die Leinwand muss als Projektionsfläche dienen, die nicht flach auf dem Holzrahmen angebracht ist, sondern durchsichtig einen Blick auf eine zweite, stoffliche Ebene dahinter und darunter offenbart (Charlotte Giacobbi, Asuka Miyahara).

Pengfei Lin dokumentierte seinen Akt des Erschaffens von Holzkunst vom eigenhändigen Fällen eines Baumes an bis zum fertigen, skurrilen Schubladen-Werk sowohl filmisch als auch zeichnerisch. Simon Dorfner zerschlägt durch gewaltige, chaotische Farbspiele menschliche Gesichtsformen. Seine im Sinne des Wortes geradezu „zerguckte“ und nur noch an ihrer Silhouette zu erkennende „Mona Lisa“-Hommage „Simona Lisa“ sieht mit dem aus Ölfarbschmiere bestehenden Gesicht aus wie die Umsetzung eines totgenudelten Musik-Ohrwurms, an dem man sich satt gehört hat.

Und wenn einer wie Jonas Pretterer riesige Papierstreifen über eine Farbrollenmaschine laufen lässt, dann zeigt er damit auf künstlerische Weise, was passiert, wenn man Kontrolle abgibt: Man gibt sich der Überraschung hin und bekommt Strukturen – im übertragenen Sinne auch: Einsichten –, die einem sonst wohl verborgen geblieben wären. Es ist das große Verdienst der Ausstellung: Diese „Differenzen“ regen nicht nur speziell zur Deutung der gezeigten Arbeit an. Der Deutung jeder einzelnen Arbeit.

Sie regen auch an zur Deutung des Kunstbegriffs allgemein. Zum Nachdenken darüber, was Kunst kann und darf und soll und muss. Das ist: Haltung.

„Differenzen“ wird am Sonntag, 12. Januar, um 11 Uhr im Erholungshaus an der Nobelstraße eröffnet und ist bis zum 22. März zu sehen. Öffnungszeiten: samstags, sonn- und feiertags von 11 bis 17 Uhr (Eintritt frei) sowie jeweils eine Stunde vor Abendveranstaltungen im Hause. An jedem ersten, dritten und fünften Sonntag im Monat gibt es jeweils um 15 Uhr eine kostenlose Führung durch die Ausstellung. Sonderführungen nach Vereinbarung. Weitere Infos unter  0214/3 04 12 83.