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BeschlussLeverkusens Wohnungsgesellschaft muss die Stadtkasse füllen

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Die WGL-Verwaltung gegenüber des Wiesdorfer Bahnhofs

Weil sie kaum gebaut hat, weist die Wohnungsgesellschaft Leverkusen für 2022 mehr als acht Millionen Euro Überschuss aus.

Der größte Teil des außergewöhnlich hohen Überschusses wird trotz Bedenken abgeführt und steht nicht für Neubauten zur Verfügung.

Aufsichtsrat Bernhard Miesen macht gerne diesen Unterschied: „WGL steht für Wohnungsgesellschaft – nicht für Wohnungsbaugesellschaft.“ Damit hat der CDU-Mann schon häufiger Wünsche abgewehrt, die WGL solle mehr tun gegen die Wohnungsnot und ihren Bestand von rund 7000 Objekten – nur die wenigsten sind Läden oder Kindergärten – viel schneller vergrößern als sie es gewöhnlich tut.

Diese Debatte ist am Montagabend im Stadtrat erneut aufgeflammt. Denn der immens hohe WGL-Überschuss von 8,1 Millionen Euro erklärt sich vor allem daraus, dass 2022 kein einziges Projekt neu begonnen wurde. Nur ein paar wurden im Lauf des Jahres fertig. Erklärt hat die Interims-Geschäftsführung mit Stefan Altenbach und Dieter Roeloffs das mit der schwierigen Lage in der Baubranche: Materialengpässe als lange wirkende Folge der Corona-Pandemie haben die Bauwirtschaft gelähmt. Das hat zu extrem gestiegenen Preisen geführt. Dazu kam die Zinsentwicklung, über die auch ein kommunales Wohnungsunternehmen nicht hinwegsehen kann. Es geht schließlich darum, preiswert zu bauen.

Fünf Millionen Euro Überschuss mehr als geplant

Geplant war ein Überschuss von 3,3 Millionen Euro für 2022. Aber davon, dass sie fast fünf Millionen Euro mehr im Plus ist, hat die WGL nichts: Mit Blick auf die sehr positive Bilanz reifte im Rathaus die Idee, die Gunst der Stunde zu nutzen und der Stadt-Tochter ausnahmsweise sechs Millionen Euro zu entziehen. Der gerade angetretene neue WGL-Chef Gerald Hochkamer hat sich zu dem Aderlass vor ein paar Wochen dermaßen auffällig nicht geäußert, dass sich leicht ahnen lässt, dass er mit dem Kapitalabfluss nicht glücklich ist.

Schließlich schränkt das den Handlungsspielraum ein, den der neue Geschäftsführer dringend braucht. Dabei geht es nicht einmal um neue Wohnungen, sondern die energetische Umwandlung des Bestandes. Das allein sieht Hochkamer als Herkulesaufgabe an. Dennoch soll die WGL auch neue Häuser bauen, ist sein Bekenntnis.

Nach Ansicht von Benedikt Rees (Klimaliste) und Peter Viertel (Bürgerliste) geht das aber besser, wenn die Stadt der WGL nicht so viel Kapital entzieht. Allerdings hatte Viertels Kollege Karl Schweiger im Aufsichtsrat der Wohnungsgesellschaft für die Abführung von sechs Millionen Euro gestimmt – dennoch sei der Beschluss nicht einstimmig gefallen, berichtete Stefan Baake (Grüne), der den Aufsichtsrat führt. Rees machte im Stadtrat nun den Vorschlag, die Zahlen einfach umzudrehen: gut zwei Millionen Euro für die Stadt, sechs Millionen für die WGL. Auch das war nicht mehrheitsfähig.

Baake erklärte, warum das aus seiner Sicht kein Problem ist: Die städtische Tochterfirma habe auch genug Eigenkapital, um Neubauten anzustoßen, wenn sie sechs Millionen Euro an die Stadt verliert. „Es fehlt der WGL nicht an Liquidität.“ Da ist Baake einer Meinung mit Miesen.