Leverkusen – Ob das neue Gas- und Dampfturbinenkraftwerk im Chempark im nächsten Jahr Realität werden wird, ist immer noch unklar: Dennoch kommt nun Bewegung in das ambitionierte Projekt. In der vergangenen Woche hat der Schweizer Investor Repower den Grundstückskaufvertrag unterschrieben. "Zudem wurde eine Vereinbarung zur Bauvorbereitung getroffen", gab Chempark-Leiter Ernst Grigat bekannt. Das heißt konkret: Das auf dem nunmehr verkauften Gelände stehende alte Kraftwerk wird abgerissen, damit die Fläche frei wird für eine neue Bebauung. "Wir werden noch im Dezember oder Januar mit dem Abriss beginnen", kündigte Grigat an. Mehr als ein Jahr wird das dauern.
Obwohl mit diesen Schritten nun wichtige Weichen gestellt sind, haben die Schweizer indes immer noch keine konkrete Zusage über den Neubau gemacht. Der Grund dafür: Seit dem Atomausstieg haben sich die politischen Rahmenbedingungen für Kraftwerksbetreiber drastisch geändert. Das neue Kraftwerk wird nur Spitzenlasten im Stromnetz abfangen dürfen und nicht die größtmögliche Stundenzeit laufen dürfen. "Diese politischen Bedingungen sind für uns ein Element der Unsicherheit", sagte Repower-Pressesprecher Werner Steinmann. Die interne Prüfung, ob sich das wirtschaftlich rechne, laufe noch. Zudem warte man unter anderem auch noch auf die Baubewilligung der Kölner Bezirksregierung, die den bereits eingereichten Bauantrag prüft. Ob gebaut wird, diese Entscheidung falle erst im nächsten Jahr, so Steinmann.
Und wenn das Projekt doch platzen sollte, weil dem Investor das Risiko zu hoch ist? Es sei keineswegs so, dass im Chempark dann in den nächsten Jahren Energie fehlen werde, so Grigat. Es sei ja ein weiteres Kraftwerk im Chempark in Betrieb. Als Alternative könne Currenta dann einen anderen Investor suchen, der bereit wäre, ein höheres unternehmerisches Risiko einzugehen. Aber das werde derzeit nicht diskutiert. "Wir alle sind von dem Projekt überzeugt und halten daran fest." Auch bei Repower gibt man sich optimistisch: Dadurch, dass sich ein Kraftwerk im Chempark in zweifacher Hinsicht nutzen lassen, weil man nicht nur Strom produzieren, sondern auch die Abwärme verwerten könne, sei die Effizienz höher als an anderen Standorten. Ausschließen, dass das Projekt doch noch scheitert, will Werner Steinmann indes nicht. In diesem Fall könnte der Grundstücksvertrag rückabgewickelt werden.
