Leverkusen – Selbst Corona kann diese Tradition nicht brechen: Seit 20 Jahren gibt mittwochs in der Citykirche in Wiesdorf die Marktandacht. Am Tag vor Weiberfastnacht wird sie schon seit Jahren immer auf Kölsch gehalten.
„Et hätt’ noch jedes Johr geklappt“ – also trat auch am Mittwoch Gertrud Brück-Gerken im Kostüm vor die nur knapp 25 Teilnehmenden, um das Christliche mit dem Kölschen zu verbinden, zum Beispiel in einer abgewandelten Form des „Vater unser“: „Do leeven Vatter, dä mer och Papp un och Mamm nenne dürfe. Wann do bei uns bes, es he ob d’r Äd och d’r Hemmel.“
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Auch die Fürbitten wurden „op Kölsch“ vorgetragen. „För de Lück, die das Virus erforschen, dat der Heilije Jeist ihnen beisteht, dat mer aus dem Driss erus kumme“, wurde gebetet.
Man macht es sich mit Mutzemandeln gemütlich
„Sehr bedauerlich“, findet die 71-jährige Brück-Gerken, die als frühere Referentin des Leverkusener Stadtdechanten die kölsche Andacht in Wiesdorf von Anfang an begleitet, dass Karneval in diesem Jahr ins Wasser fällt.
Auch wenn es in den vergangenen Jahren manchmal Auswüchse gegeben habe, sagt sie, sei die jecke Zeit für die Menschen immer wieder schön gewesen. „Mir fehlt das“, bekannte die Kölnerin, die lang bei den Schull- un Veedelszöch mitgegangen ist. Eine Alternative findet sie im Internet: Den virtuellen Kölner Rosenmontagszug werde sie sich anschauen, „mit Mutzemandeln“, sagte sie lachend.Ralf Schiefer, Leiter der Citykirche und Gemeindevorstandsmitglied bei St. Stephanus, machte darauf aufmerksam, dass die Seelsorge wegen Corona derzeit weitgehend wegbricht. Früher hätten sie alle 14 Tage einen „Altenklub“ organisiert, all das falle aktuell weg, bedauerte er. „Es trifft die, die sowieso allein sind.“ Die Marktandacht sei das einzige, was man den Menschen derzeit mitgeben könne. Es hat funktioniert: „Endlich mal wieder kölsche Mundart hören“, freute sich ein Besucher.



