- Der syrische Cartoonist KAZ kam vor zehn Monaten als Flüchtling nach Deutschland.
- Seine Zeichnungen sind nun in der Friedenskirche zu sehen.
Leverkusen – Der Einsatz für Frieden und Freiheit sollte – nicht erst seit gestern – selbstverständlich sein. Für jeden. Der syrische Cartoonist KAZ, der vor zehn Monaten als Flüchtling aus seiner vom Krieg gebeutelten Heimat nach Deutschland und schließlich nach Leverkusen kam, weiß jedoch: Diese Selbstverständlichkeit ist trügerisch.
Er erlebt das persönlich immer wieder, wenn er seine „Cartoons für Frieden und Freiheit“ im Internet veröffentlicht: „Ich bekomme viel Zuspruch“, sagt er. „Aber es gibt auch Reaktionen, die mir Angst machen.“ Sogar Morddrohungen erhielt er schon. Denn seine Cartoons haben vor allem eines gemeinsam: Sie klagen religiösen Fanatismus, Kriegstreiberei und Unterdrückung an.
Entwürfe am Computer
Es sind genau diese Dinge, die seine Landsleute in Syrien sowie Menschen in anderen islamischen Ländern immer wieder treffen. Eines der von KAZ gemalten Bilder etwa, von denen jetzt auf Initiative des Kirchen-Fördervereins knapp zwei Dutzend in der Schlebuscher Friedenskirche an der Merziger Straße präsentiert werden, zeigt das Fließband in einer Fabrik. Auf dem Band knien Frauen, die zunächst lächeln, bunte Kleider tragen und Blumen in der Hand halten. Je weiter sie allerdings vorangebracht werden, umso ernster und trauriger blicken sie drein – bis ihnen ein Kämpfer des Islamischen Staates (IS) eine schwarze Burka überstülpt, die den ganzen Köper verhüllt. Auf einem anderen Bild zeigt KAZ Muslime, die an einem runden Tisch sitzen, auf Computerbildschirme blicken und die damit beweisen, wie sehr die Welt heutzutage vernetzt und wie nah sich die Menschen über Kontinente hinweg eigentlich sind. Dennoch gehen sich die Computernutzer im nächsten Cartoon-Abschnitt gegenseitig an die Gurgel. Ein paar Meter weiter fällt der Blick des Bildbetrachters in der Friedenskirche auf eine Szene, in der Bomber eine syrische Stadt angreifen. Die Bewohner flüchten sich unter Schutt und Geröll – und werden von bärtigen Typen herausgezogen, die Sprengstoffgürtel tragen und – ein Hinweis auf diesen nur vorgetäuschten Schutz gegen den „ungläubigen Westen“ – Regenschirme gegen den Bombenregen in der Hand halten.
Die Idee, Cartoons zu malen, sagt KAZ, der seinen richtigen Namen aus Sicherheitsgründen nicht nennen und der sich auch nicht fotografiert sehen will, sei ihm während des Krieges in Syrien gekommen. „Wenn man dasitzt und nichts zu tun hat außer auf den nächsten Bombenhagel zu warten, dann kommt man zwangsläufig zum Nachdenken.“ Und irgendwann fing er eben an, seine Wut und Verzweiflung in diese Bilder zu packen, die er am Computer oder Tablet entwirft und dann ins Netz stellt. Sogar die Mitarbeiter der französischen Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ wurden in der Zeit nach dem Attentat auf ihre Redaktion, bei dem mehrere Redakteure aufgrund von islam-kritischen Zeichnungen ermordet worden waren, auf KAZ aufmerksam. Und auch die Berliner „Tageszeitung“ (TAZ) berichtete schon über ihn. Das sei eine Ehre und ihm sehr wichtig, sagt KAZ, auch wenn er sich selber nicht als Künstler erachte, sondern einfach als jemanden, der das Wort für andere erhebe und aufzeigen wolle, was falsch läuft in der Welt. In seiner Welt, in der er aufwuchs. Insofern irrt sich KAZ, denn: Gerade das macht Kunst aus.
Die Ausstellung „Cartoons für Frieden und Freiheit“ sind noch bis zum 3. April in der Friedenskirche zu sehen. Die Bilder von KAZ kann man im Internet auf der Seite des sozialen Netzwerkes „Facebook“ sehen.
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