Schlebusch – Dass sich die Stars der Filmszene regelmäßig für Drehs in Köln und anderen Millionenstädten aufhalten, ist nichts Neues. Indes: Seitdem die zweite Etage im Gebäude 2 des Klinikums Leverkusen leer steht, tummeln sich auch hier bekannte Schauspieler und Regisseure - sofern sie denn für ihren Film oder ihre Serie eine Krankenhausstation im Stile der 70er und 80er Jahre als Kulisse brauchen. Noch im Oktober war nach Auskunft von Klinikumssprecherin Andrea Montag der international bekannte und ob seiner steten Skandale bei Pressekonferenzen und vor Kameras umstrittene Lars von Trier in Schlebusch. Der dänische Regisseur drehte dort Szenen für seinen neuen Film "Nymphomaniac". Mit am Set im Gebäude 2 war Schauspielerin Charlotte Gainsbourg ("Les Misérables", "Melancholia"), die im Film die Hauptrolle der Nymphomanin Joe spielt und dabei Mediengerüchten zufolge echten Sex haben soll.
Bereits zwei Monate vor Lars von Trier baute mit dem Amerikaner Jim Jarmusch ("Coffee & Cigarettes", "Broken Flowers") einer der bekanntesten unabhängigen Filmregisseure sein Set im Klinikum auf. Jarmusch ließ den Schauspieler Tom Hiddleston ("Thor", "Avengers") Szenen seines aktuellen Films "Only Lovers Left Alive" drehen - ein romantisches Vampir-Drama, in dem auch Tilda Swinton Hurt mitwirkt. Und auch derzeit ist wieder etwas los auf Etage zwei: Zu Gast ist ein Team des ZDF. Unter der Regie von René Heisig drehen Max Riemelt sowie der in Leverkusen geborene David Rott den Fernsehfilm "Blutgeld", der im Herbst 2013 gezeigt werden soll. Heisig sowie Drehbuchautor Kai-Uwe Hasenheit widmen sich in "Blutgeld" einem Skandal, der in den 80er Jahren Deutschland erschütterte: Damals waren Hunderte Patienten wegen mit HIV kontaminierten Blutkonserven an Aids erkrankt. "Und im Studio lässt sich eine Krankenhaus-Atmosphäre aus den 80ern bei weitem nicht so gut erzeugen wie hier in dieser alten Station", sagt ZDF-Redaktionsleiter Günther van Endert. Übrigens: Die Wohn- und Servicewagen der Schauspieler und Caterer stehen während der Dreharbeiten am Freibad Auermühle. Von dort sind es dann nur wenige Minuten Fußweg zum Klinikum.
Dass sich seit Ende 2011 - seit der Räumung der zweiten Etage des Gebäudes 2 des Klinikums - so viele Filmteams für Dreharbeiten herbegeben haben, ist nach Aussage von Montag letztlich kein Wunder: "Es spricht sich schnell herum, dass hier ein Teil eines Krankenhauses bis vorübergehend leer steht." Und selbst wenn in den Etagen darüber (Neurologie) und darunter (Zahnmedizinischer Dienst) ebenso wie in den Klinikumsgebäuden drumherum der Alltag "vollkommen unbeeinträchtigt" weitergehe: Wer eine entsprechende Geschichte aus den 70er und 80er Jahren verfilmen wolle, der ließe sich im Falle des 1968 erbauten Gebäudes eben nicht zweimal bitten. Auch dann nicht, wenn er Jim Jarmusch oder Lars von Trier heißt.
