Leverkusen – Schnellen Erfolg hat das erste Schlichtungsverfahren seit 20 Jahren gebracht. IG BCE und Chemie-Arbeitgeber haben sich jetzt in Wiesbaden auf neue Regeln für die Werkfeuerwehrleute geeinigt. In Zukunft haben sie einen verbrieften Anspruch auf einen anderen Arbeitsplatz, wenn sie aus gesundheitlichen oder Altersgründen ihren Dienst nicht mehr verrichten können. Vor allem: Ihr Einkommen ist abgesichert, und Zuschläge für Einsätze in der Nacht oder während der Rufbereitschaft am Sonntag gibt es auch: bis zu 60 Prozent. Bei Currenta profitieren 360 Mitarbeiter von der Einigung.
Der Chempark-Betreiber unterhält die größte Feuerwehr in der Chemischen Industrie. In Leverkusen ist das Kernteam rund 90 Personen stark. Insbesondere der Verlust von Zuschlägen hatte die Wehrleute schwer getroffen, sobald sie keine normalen Einsätze mehr fahren konnten. Vor allem ältere Feuerwehrleute waren in diese Situation geraten: Während jüngere Kollegen nur alle drei Jahre die große Gesundheitsprüfung absolvieren, müssen Feuerwehrleute jenseits der 50 jedes Jahr antreten. Für den „Tüv-Stempel“ müssen sie zum Beispiel Lungenfunktions- und Übungen mit Atemschutz und Chemieschutzanzug machen. Diese Ausrüstung wiege 25 bis 30 Kilo, heißt es im Chempark. Dazu kommt ein Sehtest. Wer die Prüfung nicht besteht, ist nicht mehr voll einsatzfähig. Bisher war er dann auf den guten Willen des Arbeitgebers angewiesen. Das ist nun Geschichte.
Außergewöhnlicher Druck
Bis es soweit war, mussten die Unterhändler der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie allerdings außergewöhnlichen Druck aufbauen und einen langen Atem haben: Eine Protestveranstaltung vor dem Bayer-Kasino datiert vom Dezember 2014.
Entsprechend bewertet Verhandlungsführer Peter Hausmann die Tarifrunde als „ausgesprochen schwierig. Aber die Arbeitgeber haben eingelenkt und wir haben gezeigt, dass es auch in der Schlichtung möglich ist, zu einem ordentlichen Ergebnis zu kommen. Wir setzten auf diese Vernunft auch bei künftigen Verhandlungen.“ Für Hausmann, der als früherer Leiter des Landesbezirks Nordrhein den äußerst schwierigen Ablösungsprozess der Servicegesellschaften vom Bayer-Kernkonzern begleitet hat, steht mit dem Schlichtungsergebnis fest: „Die Werkfeuerwehrleute sichern die Betriebe. Mit dem Anspruch auf einen alternativen Arbeitsplatz sichern wir nun auch die Feuerwehrleute ab, wenn es bei ihnen brennt.“
