Abo

Goldfieber am RheinGoldwäscher Joachim Wagner gibt Workshop am Rheinufer

3 min

Die Workshopteilnehmer schaufelten Sand in die Pfannen, in dem der Anteil von Magnetit besonders hoch war. Am dunklen Sand sind beim Waschen später die Goldflitter zu finden.

Leverkusen – Das Wasser war kalt, es nieselte und der Wind am Hitdorfer Ufer in Höhe von Rheinkilometer 705 war auch nicht gerade gemütlich. Aber die kleine Menschenansammlung, die in Gummistiefeln ins Wasser watete, schreckte das nicht ab. Vielmehr ließ sie sich anstecken – vom Goldfieber. Silke Holdinghausen, die an der Ringstraße in Hitdorf ihre Goldschmiedewerkstatt hat, lud jetzt den passionierten Goldwäscher Joachim Best ein, um sein Handwerk im Rahmen eines Workshops zu vermitteln.

Dass das Rheingold nicht eine Erfindung Richard Wagners ist, sondern tatsächlich vorkommt, konnte Best in der Praxis beweisen. Aber er musste gleich einschränken. „Die Mengen sind äußerst überschaubar.“

Feine Flitter nahm Best bei der Vorführung seiner Kunst mit einer Pipette auf, nachdem er den Waschgang abgeschlossen hatte. Das Waschen durften die Teilnehmer dann selbst ausprobieren. Jeder bekam eine Pfanne in Form einer Plastikschale. Mit einem Klappspaten luden die Goldgräber daraufhin Magnetitsand hinein und schwenkten das Ganze im fließenden Rheinwasser in kreisenden Bewegungen aus. Mancher Kieselstein flog da über die Schulter in den Fluss. Da Gold schwerer als Wasser ist, setzt es sich auf dem Boden der Pfanne ab und ist beim Magnetitsand zu finden.

Der dunkle Sand ist stark magnetisch und Best hatte vorab beim Rheinkilometer 705 große Vorkommen ausgemacht. Die Metalle heften sich an den Sand und während Kiesel und Sandkörnchen ausgespült werden, erkennt das geschulte Auge am Ende des Waschprozesses die feinen Goldflitter, die schwerer als Wasser sind und daher in der Pfanne verbleiben. Reich kann man damit nicht werden, aber durch ihre Erfolgserlebnisse waren die frisch gebackenen Goldsucher reich beschenkt. „Die meisten Fundorte sind im süddeutschen Raum“, weiß Holdinghausen. Etwas aus den Funden in ihrem Atelier zu fertigen sei bei den kleinen Mengen nicht möglich. Lieber arbeite sie mit Rheinkieseln. Auch für Best ist es ein Hobby, auf das er im Bereich der Jugendarbeit in einem Erzmuseum gekommen ist.

In Ferienfreizeiten bot er daraufhin regelmäßig Kindern und Jugendlichen und später auch Erwachsenen Goldwasch-Abenteuer pur an. Der 44-Jährige wundert sich heute noch über einen Jungen, der ganz still bei der Arbeit war und eine Menge Gold-Flitter Funde in seiner Pfanne hatte. Üblich sei das nicht. Aber auch die Kelten hatten schon Gold aus dem Rhein gewaschen und verarbeitet. Und Best hat einen Metallkoffer mit einer Goldmünzsammlung. Ein Exemplar von 1764 zeigt die Stadtsilhouette von Mannheim und eine Szene mit Goldwäschern. Auf gut 400 bis 500 Goldwäscher schätzt er die Zahl der Fischer und Bauern, die in den Wintermonaten mit dieser beschwerlichen Arbeit etwas dazuverdienten. Die Goldfunde selbst mussten sie allerdings dem Kurfürsten abgeben, der sie entlohnte. Taten sie das nicht, gab es Strafe.

Auf etwa 500 schätzt er auch die Zahl der Hobby-Gold-Wäscher, die heute am Rhein in ihrer Freizeit unterwegs sind. Dort darf laut Best jeder Gold waschen. Allerdings nur manuell und im kleinen Stil. Mit großen Maschinen sei das nicht möglich. Und auch die Nebenfunde lassen sich sehen. In einem Lederbeutel hat Best Münzen: Ein Euro blinkt heraus sowie ein paar Groschen, die allerdings schon schwarz angelaufen sind.