Abo

HitdorfStadt drängt zum Grundstückskauf

3 min

Gisela und Georg Busch stehen auf der Erweiterungsfläche ihres Gartens in Hitdorf. Die Stadt hat sie zum Kauf gedrängt.

Leverkusen – Für einen Kauf entscheidet man sich, oder man lässt es. Aber nicht immer geht es so selbstbestimmt zu: Eine besonders seltsame Art Grundstücksgeschäft erlebten die Bewohner einer Häuserreihe am westlichsten Zipfel der Stadt, in Hitdorf, wo eine neue Paeschke-Siedlung gebaut wird. Einige Nachbarn bekamen eine Art Kaufbefehl von der Verwaltung, so haben sie es jedenfalls empfunden. 2008 war durch ein so genanntes Umlegungsverfahren ein Verwaltungsakt in Gang gekommen, der alleine die Reihenhausbesitzer Gisela und Georg Busch am Ende 8000 Euro kosten wird. Soviel haben sie für den Zwangs-Grundstückskauf und die Gestaltung des zusätzlichen Streifens bezahlt. Ihr Nachbar Oswald Odendahl sagt, ihn habe das ungewollte Grundstücksgeschäft bis heute 5700 Euro gekostet. Der wenige Meter breite Brachlandstreifen, den die Stadt quasi zwangsweise unters Volk gebracht hat, lag zwischen dem Heerweg und den Gärten der betroffenen Reihenhäuser.

Die Eheleute Busch können bis heute nicht verstehen, weshalb sie und ihre sechs Nachbarn jeder ein paar Quadratmeter dieses Streifens von der Stadt kaufen mussten. "Wir hätten das ohne Zwang nie gemacht. Uns hat der Garten immer gereicht", sagt Gisela Busch. Man habe die Nachbarn einzeln in die Stadtverwaltung bestellt. Dort sei ihnen gesagt worden, dass sie ja gegen den Zwangskauf klagen könnten. Busch ist sich ganz sicher, dass das so formuliert wurde. "Aber dafür haben wir gar nicht die Nerven", sagt Georg Busch, während er im neuen Stück Garten die Erdbrocken klein krümelt. Alle seine Nachbarn außer einem seien Rentner.

Zur Not auf Kredit

Deshalb kam der Tipp eines Mitarbeiters der Stadtverwaltung auch nicht gut angekommen: Falls jemand nicht genug Geld locker machen könne - als Hausbesitzer bekäme man ohne weiteres einen Kredit. Der Quadratmeterpreis lag mit 71 Euro niedrig, alle Nachbarn haben gekauft, obwohl das von der Stadt so kühl versilberte Grundstück noch einen entscheidenden Nachteil hat: Unter dem Streifen Land liegt ein Abwasserkanal, man kann also nicht einmal eine stabile Hütte daraufstellen und muss damit rechnen, dass im Garten irgendwann gebaggert wird. Bei den Buschs kam das alles ziemlich unverschämt an, aber sie sahen keinen Ausweg.

Den alten holprigen Heerweg hinter den Gärten der Buschs und ihrer Nachbarn plante die Stadt in einen vier Meter breiten, etwa 70 Meter langen gepflasterten Fuß- und Radweg um. Die Arbeiten sind halb erledigt, bald kommen die Pflasterer. Ganz abgesehen davon, dass der Radweg problemlos ohne den Grundstücksverkauf zu verwirklichen gewesen wäre, wurde die Sache vor kurzem wirklich absurd. Ein zweiter Radweg wurde gebaut, der mit einem 50 Meter langen Umweg dieselbe Funktion erfüllt wie der neue Radstreifen. Georg Busch: "Als ich gesehen habe, dass die an der Straße und am neuen Kreisverkehr noch einen Radweg bauen, da ist mir die Sache richtig übel hochgekommen". Die Stadtverwaltung äußert sich auf Anfrage zu dem Fall so: "Mangels Alternative blieb dem Umlegungsausschuss nichts anderes übrig, als so zu entscheiden." Kämmerer Rainer Häusler ist bei der Stadt zuständig. Er sagt: "Auf Antrag hätte man das gerichtlich klären lassen können".

"Von einem Antrag", sagt Georg Busch, sei nie die Rede gewesen: "immer nur, dass wir doch klagen könnten". Er glaubt, dass die Stadt durch den Verkauf an die Anwohner die Pflegekosten für den ansonsten entstandenen Grünstreifen sparen will. Die eigentliche Ursache dafür, dass die ganze Gegend um die Antoniuskapelle umgeplant wurde und jetzt umkrempelt wird, ist das groß angelegte Paeschke-Baugebiet "Wohnen am Antoniushof". Ohne dieses Projekt wäre an diesem Stadt-Ende womöglich gar nichts geschehen. Gisela Busch ist sauer, wenn sie ihr Fazit zieht: "Dass der Paeschke dick verdient, dafür müssen wir jetzt bluten."