Udo Jürgens wäre dieses Jahr 85 Jahre alt geworden: Die Seele seiner Musik lebt aber auch nach seinem Tod weiter in der deutschen Musikkultur, so auch am Sonntag in der Stadthalle Hitdorf, als der Männerchor 1846 Hitdorf Jürgens’ Klassiker auf der Bühne zum Besten gaben. „Wir erweisen Udo Jürgens hier unsere Ehre“, sagte der Vorsitzende des Chors Hans Werner Rauen. „Udo brachte ja immer einen weißen Bademantel mit und ich habe heute auch einen dabei. Aber ich glaube nicht, dass sich die Gelegenheit bietet, ihn heute zu tragen.“
Die Gelegenheit bot sich dann allerdings doch. Begeistertes Klatschen und Rufen aus dem Publikum – etwa 200 Zuschauende waren zum Konzert in die Stadthalle gekommen – bewegten Rauen schlussendlich doch dazu, sich das weiße Badegewand über seine Sängeruniform zu schmeißen.
Begleitet wurde der Chor von der ungarischen Konzertpianistin Gabriella Brezóczki, die Mitglied in der Kammeroper Köln ist und internationale Auftritte spielt. Brezóczki beeindruckte das Publikum mit einem perfekt gespielten Klaviersolo und erntete damit den größten Applaus des Abends. Reinhild Schrick war begeistert: „Das war sagenhaft.“ Für sie war es das erste Mal bei der Veranstaltung. „Ich hatte erst überlegt nicht zu kommen, aber bin nun sehr froh, dass ich es doch geschafft habe“, sagte sie. Auch der Damenchor aus Lützenkirchen regte zum Mitwippen an. „Wir haben eine Art Chor-Austausch mit den Damen. Im September haben wir bei ihnen gesungen und heute sind sie hier“, erklärte Rauen. „Ich fand den Gesang und die Liedauswahl des Damenchors wirklich sehr gut getroffen“, lobte Elli Sanner, die sich über Veranstaltungen wie diese in der Stadthalle freut. „Die Stadthalle ist unsere gute Stube. Manche sagen, sie ist der »Gürzenich von Hitdorf«“. Dass der Männerchor mit dem Nachwuchsproblem zu kämpfen hat, weiß auch sie. „Mir tut das leid, dass der Chor so ausblutet“, sagte Sanner.
Das letzte Konzert dieser Art fand vor zwei Jahren statt, dieses Mal stand viel Neues auf dem Programm. Die Rheinstürmer, eine Showtanzgruppe aus Monheim, waren zum ersten Mal mit dabei. Die Flug- und Tanzdarbietungen, wie Rauen es nennt, hatten im wahrsten Sinne des Wortes viel mit Fliegen zu tun. Mit 48 Tanzenden war die Bühne der Stadthalle mehr als voll und trotzdem fand sich Platz genug die Tanzmariechen akrobatisch durch die Lüfte segeln zu lassen. Eingestimmt durch den Auftritt der Tanzgruppe, ging es karnevalistisch weiter. Lieder wie „Dem Schmitz sing Frau es durchgebrannt“ und „Ach wat wor dat fröher schön doch in Colonia“ luden die Zuschauenden zum Mitsingen ein. Es wurde geschunkelt, es wurde gesungen. Und für die weniger textsicheren Singenden wurden die Zeilen auf einer Leinwand eingeblendet. Zum Abschluss spielte Paddy the Piper, der den kulturellen Mix aus Udo Jürgens’ Schlager und Karnevalsmusik mit seinem schottischen Dudelsack vollendete.
Hans Werner Rauen,
Vorsitzender
