Keine Kirche ohne DiakonieUlrich Görn ist der neue Pfarrer im Diakonischen Werk Leverkusen

Lesezeit 4 Minuten
Ulrich Görn steht vor der Christuskirche in Wiesdorf.

Für Ulrich Görn, den neuen Pfarrer der Diakonie des Kirchenkreises Leverkusen, wird am Freitag ein Einführungsgottesdienst in der Christuskirche in Wiesdorf gefeiert.

Am Freitag wird der Theologe beim Gottesdienst in der Wiesdorfer Kirche am Friedrich-Ebert-Platz offiziell in sein Amt eingeführt.

Das Diakonische Werk des Kirchenkreises Leverkusen hat einen neuen Pfarrer. Ganz unbekannt ist die Neubesetzung allerdings nicht. Ulrich Görn ist bereits seit November 2023 im Amt. Am Freitagmittag, 14 Uhr, wird er offiziell mit einem offenen Gottesdienst durch Superintendent Bernd-Ekkehart Scholten in der Christuskirche eingeführt. 

Einige aus der Region dürften den 57-Jährigen schon länger kennen. Bereits seit 27 Jahren ist Görn Gemeindepfarrer in Leichlingen – und das bleibt er auch weiterhin, allerdings nur mit einer halben Stelle. Mit der anderen Hälfte geht er neue Wege und schlägt den diakonischen Pfad ein. „Eine Kirche ohne Diakonie ist keine Kirche“, sagt er. Es sei eine Haltung, die zur Kirche dazu gehöre.

Diakoniepfarrer in Leverkusen ist auch Seelsorger für Beschäftigte 

Dieser geht er in Zukunft noch stärker nach, zum Beispiel in Form von Seelsorgearbeit für Kolleginnen und Kollegen. Schließlich haben die rund 130 Beschäftigten der Diakonie – die meisten stammen aus dem Bereich soziale Arbeit – häufig mit Krisen anderer Menschen zu tun, manchmal bräuchten sie aber auch selbst jemanden zum Reden. Mit Menschen zu reden, ihnen zuzuhören, sie zu begleiten – das ist überhaupt das, was Görn an seinem Beruf so schätze.

Schon Jesus habe gesagt: „Ich bin gekommen, damit sie – also die Menschen – das Leben haben und damit sie es in Fülle haben“, zitiert er seine Lieblings-Bibelstelle. Was er damit meint? Es gebe genug Dinge, die das Leben anderer Menschen einschränken, materiellen Mangel zum Beispiel. „Der darf in einem Sozialstaat nicht existenzbedrohend sein“, sagt Görn.

Als sozialer Träger sei die Diakonie an dieser Aufgabe beteiligt. Es gehe darum, Menschen dabei zu helfen, „das Leben in seiner Breite und Fülle wahrzunehmen“. Doch als Diakoniepfarrer verfolge er noch weitere Missionen. Eine davon: Das Diakonische Werk, das zum Kirchenkreis Leverkusen gehört, wieder enger mit den Gemeinden zusammenführen. „Da, wo die Basisarbeit geschieht, sind wir manchmal ein bisschen weit weg“, sagt Görn und spricht dabei sicherlich auch von Erfahrungen, die er in der Gemeinde Leichlingen seit fast drei Jahrzehnten sammelt. 

Es ist eine Herausforderung, sich in diesen Tagen zur Kirche zu bekennen und erfordert mehr Mut als damals.
Ulrich Görn, Diakoniepfarrer im Diakonischen Werk Leverkusen

Dort kommt er ursprünglich übrigens nicht her, sondern aus Kleve, nah an der holländischen Grenze gelegen. Als er sich damals auf die Stelle in der Blütenstadt bewarb, lockte ihn vor allem der Fokus auf Jugendarbeit in den Kreis. Heute sei es auch die Arbeit mit Erwachsenen, die Görn gefällt. Und noch etwas habe sich im Laufe der Jahre verändert, stellt er fest: „Früher gab es nur wenig freie Pfarrstellen und ganz viele Bewerbungen.“ Unter 60 Anwärtern entschied man sich Ende der 90er Jahre für ihn.

Heute gebe es hingegen ein massives Nachwuchsproblem. „Das hat sicherlich mit den Veränderungen in der Kirche allgemein zu tun“, sagt er. Der Status der Kirche in der Gesellschaft verändere sich. „Es gab Zeiten, da wurde man mit offenen Armen empfangen, heute ist das schonmal anders.“ Dafür habe er an vielen Stellen Verständnis. „Es ist eine Herausforderung, sich in diesen Tagen zur Kirche zu bekennen und erfordert mehr Mut als damals“, sagt er. Und: „Man muss es wollen.“

Görn zumindest will es. Wenn es ihm doch einmal alles zu viel wird, setzt er sich an sein Keyboard oder holt das Akkordeon raus. „Wenn ich eine halbe Stunde an den Tasten gesessen habe, ist vieles weg, was vorher auf Herz und Seele lastete“, sagt er. Und für eine kleine Überraschung sorgt der sonst eher zurückhaltende, überlegte Pfarrer auch – denn wenn er selbst musiziert, spiele er nicht etwa Kirchen-Klassiker, da seien auch mal Schlager dabei, erzählt er schmunzelnd.

Beim Gottesdienst am Freitag werde er aber nicht selbst auf die Tasten hauen. Carsten Ehret-Pyka spielt an der Orgel, eine Mischung aus älteren und jüngeren Kirchenliedern – keine Schlager und „nichts Revolutionäres“, sagt Görn. „Es sollen ja möglichst alle mitsingen können.“


Elf Pfarrgemeinden bilden den Kirchenkreis

Der evangelische Kirchenkreis Leverkusen erstreckt sich über insgesamt fünf Städte. Neben Leverkusen selbst gehörten ihm Leichlingen und Burscheid im Rheinisch-Bergischen Kreis sowie Monheim und Langenfeld im Kreis Mettmann an. Anfang Januar 2021 hatte der Kirchenkreis gut 64.000 Mitglieder verteilt auf elf Pfarrgemeinden. Der Sitz des Kirchenkreises ist in Burscheid.

Nachtmodus
KStA abonnieren