- Die Mönchengladbacher Punkrocker EA80 spielten in Leverkusen vor rund 250 Zuschauern.
- EA80 bringen seit 1979 jede Platte in Eigenregie heraus und verweigern sich jeder Unterstützung durch die Musikindustrie.
Leverkusen – Sie passen zu diesem Haus wie keine zweite Band. EA80 im Kulturausbesserungswerk (KAW) – das ist wie Pott und Deckel.
Weil sowohl die Mönchengladbacher Punkrocker als auch all diejenigen, die seit Jahren die Geschicke dieses autonomen Zentrums lenken, zwei Dinge gemeinsam haben. Erstens: das Eintreten für die gute Sache.
Egal, ob es nun das Gerademachen gegen den rechten Pöbel oder der Kampf für den Erhalt der Kultur ist, der gerade in Leverkusen ausgefochten wird. Und zweitens: diesen konsequent gelebten „Do it yourself“-Gedanken, der die Grundlage der Punkbewegung als Subkultur bildet und für einen Lebensstil der Selbstverwaltung und Eigenverantwortung steht.
EA80 bringen seit 1979 jede Platte in Eigenregie heraus und verweigern sich jeder Unterstützung durch die Musikindustrie. Das Team des KAW wiederum hat sich all das, was da an der Kolberger Straße steht, selber aufgebaut. Und an diesem Abend kommt mit diesen Leuten und mit dieser Band endlich zusammen, was zusammengehört.
Unterschriften gegen Kürzungen
Der Leverkusener Johannes Garbe, der im Rahmen der von ihm veranstalteten Konzertreihe „Struppig Tanzen“ regelmäßig Bands aller Musikrichtungen und aus aller Welt ins KAW holt, kennt EA80 bestens. Er sagt, er habe sie daher „einfach mal gefragt“, ob sie zum siebten „Struppig Tanzen“-Geburtstag vorbeikommen wollten. Und das wollten sie. Denn sowas tun Freunde. Pott und Deckel eben.
Und dann bescheren sie dem KAW ein mit über 250 Besuchern volles Haus, was bedeutet: Es ist eines der größten Konzerte, die hier seit Eröffnung des Hauses vor 15 Jahren je stattgefunden haben. Und es ist das größte, das Johannes Garbe je veranstaltete. Aber EA80 gehören ja auch zum Punkrock-Adel hierzulande. Wenn sie rufen, dann kommen die Menschen. Das, was Die Toten Hosen für jene Masse sind, die in ihrer Naivität gerne mal Stadionrock mit Aufbegehren und Subkultur gleichsetzt, das ist das Quartett, das offiziell nur unter den Namen Junge, Oddel, Maul und Nico firmiert, für die eigentliche Bewegung: die Essenz. Die, die zuerst da waren und immer noch da sind und die für viele eine Inspiration darstellen. Die, die bis heute das, was sie tun, aus Überzeugung tun – ohne Irokesenschnitt, Nietenarmband, Band-Shirt, Tätowierungen und Lederjacke und all den äußerlichen Kram. EA80 sind diejenigen, die aus ihrem Herzen keine Mördergrube machen und denen ein Unding-Song wie „Tage wie diese“ nicht im Traum einfallen würde.
Live sind EA80 ohnehin schon lange über den Status einer normalen Band hinaus. Hier sind sie ein lebendes, ein fauchendes Kunstwerk, weil sie – wie ein Gemälde, das an der Wand hängt und dem Betrachter etwas zu sagen hat – Empfindungen in Worte, Töne und Gesten packen und hinausschleudern. Mit einer Unmittelbarkeit, die es einem unmöglich macht, nicht in diesen Sog hineingerissen zu werden. Frontmann Junge ist entrückt auf und vor der Bühne, wo er singend im Pulk mittanzt und den Menschen Geschichten über Wut und Trauer, Verzweiflung und Hoffnung ins Gesicht schreit und sich selber ins eigene Gesicht schreien lässt. Nicht in Gossensprache oder gespickt mit Ordinärem. Sondern eingepackt in eine poetische, oftmals metaphorische Sprache.
All das hat dabei nichts mit Show oder Kalkül oder einem Vorgaukeln von etwas zu tun. All das ist echt. Das ist Leben, keine Unterhaltung. Das ist musikalisch E, nicht U. Und das KAW-Publikum weiß das zu goutieren: Dankbarkeit und die große Begeisterung, etwas Besonderes zu erleben, sind spürbar im Raum, in dem die schwach glimmenden, nackten Glühbirnen von der Decke baumeln. Am Ende, nach über zwei Stunden, durchmisst der Sänger zum Feedback-Dröhnen seiner völlig zerschrammten Gitarre, die nun alleine auf der Bühne vor dem Verstärker liegt, langsam und in sich versunken den Raum, ehe er verschwindet.
Es fiept noch ein wenig weiter. Dann ist es vorbei. Licht an. Normalität. Und draußen im Foyer stehen die Leute jetzt Schlange an einem Tisch und tragen sich in die Unterschriftenliste gegen Kulturkürzungen in der Stadt ein. Der Kampf gegen das Böse geht weiter. Angestachelt von EA80, die ein sehr helles Feuer entfachten.