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KriminaltechnikerDen Tätern auf der Spur

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Dirk Seinsche erzählte im Baykomm aus dem Alltag eines Chemikers in Diensten der Polizei.

Leverkusen – Kriminalistischer Spürsinn ist sicher eine gute Sache. Mindestens ebenso nützlich, um Verbrecher dingfest zu machen, sind für Dirk Seinsche aber Rasterelektronenmikroskope und Spektralanalysen. Der promovierte Chemiker, Dezernatsleiter im Düsseldorfer Landeskriminalamt, berichtete am Mittwochabend im Baykomm vor weit über 100 Gästen, wie es mit den Mitteln der Naturwissenschaften gelingt, Täter zu überführen und den Gerichten handfestes Beweismaterial zu liefern.

Dass Seinsche kurzfristig für seinen erkrankten Kollegen Peter Weis vom Bundeskriminalamt eingesprungen war, tat dem spannenden Vortrag keinen Abbruch. Schon gleich zu Beginn zeigte das Bild einer explodierten Rohrbombe, welche Vernichtungskraft Sprengstoffe entwickeln können. Den Kriminaltechnikern ist es dennoch möglich, aus den spärlichen Überbleibseln wichtige Erkenntnisse zu gewinnen. Im gezeigten Beispiel etwa hatte jemand das Pulver aus Silvesterkrachern gesammelt – „wir können aber auch genau bestimmen, ob der Explosivstoff ursprünglich für jagdliche, für militärische Zwecke oder für den Bergbau bestimmt war“, sagte Seinsche.

Die Analyse von Rauschgift ist ein weiteres Arbeitsgebiet der Experten, wobei vor allem Designerdrogen ihren Spürsinn fordern. Deren chemische Zusammensetzung wird von den Herstellern ständig geändert, und es ist Sache von Seinsche und seinen Kollegen, nachzuweisen, dass sie dennoch unter das Betäubungsmittelgesetz fallen. Oder unter das Arzneimittelgesetz, „denn was Arzneimittelhersteller wie Bayer interessiert, interessiert auch den internationalen Drogenhandel“.

Was vielen nicht klar ist, weiß Seinsche schon seit zehn Jahren: Für Rauschmittel wie Haschisch und Marihuana ist Deutschland längst ein Erzeugerland, was er mit beeindruckenden Fotos von aufgeflogenen Privatplantagen und Wohnzimmerlaboratorien in äußerlich bürgerlichen Häusern illustrierte. Deutlich schwieriger als die Identifizierung von Rauschgift sei die Forschung nach Brandursachen. Für die brauche es nicht nur Wissenschaft, sondern vor allem Erfahrung, weil Brandbeschleuniger chemisch meist viel komplizierter als Drogen seien.

In einem Fall habe das komplette Team beispielsweise lange gerätselt, bis es erkannt habe, dass es sich um einen Spezialkraftstoff für Kettensägen handelte – die Spur zum Brandstifter war erst damit gelegt. Praktische Lebenshilfe gab Dirk Seinsche seinem Publikum in diesem Zusammenhang auch – als Brandermittler habe er gelernt, dass zwei Dinge im Haus wichtig sind: Rauchmelder auf allen Etagen und ein FI-Schalter im Sicherungskasten.

Am Ende des Vortrags ging es dann auch um Mord und Totschlag. Auf einer übel zugerichteten Leiche waren mikroskopisch kleine Fremdkörper entdeckt worden, die sich bei den Untersuchungen im Labor als Lacksplitter herausstellten. Die gehörten wiederum zu einem Tischbein, „und wenn Sie an dem jetzt noch die DNA eines Verdächtigen nachweisen, haben sie eine fast lückenlose Beweiskette zum Täter“.