TarifeErst schlichten, dann streiken: Leverkusens Arbeitgeberchef ruft nach dem Gesetzgeber

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Andreas Tressin, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands und der Unternehmerschaft Rhein-Wupper

Andreas Tressin sorgt sich um die Streikkultur.

Die Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie ruft Andreas Tressin auf den Plan.

Die vielen und großen Streiks in der jüngeren Vergangenheit rufen Leverkusens wichtigsten Arbeitgebervertreter auf den Plan. Andreas Tressin, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands und der Unternehmerschaft Rhein-Wupper findet, dass der Gesetzgeber das Streikrecht klarer – und strenger – fassen muss. Zu groß seien die Schäden, wenn etwa die Lokführer in den Ausstand treten. Sechs Tage Bahnstreik kosteten bis zu einer Milliarde Euro, so Tressin mit Blick auf eine Studie des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft. Tressins Wunsch: Bevor gestreikt wird, müssen die Kontrahenten in einem Tarifstreit eine Schlichtung versuchen. 

Dem Opladener Arbeitgebervertreter schwant in den anstehenden Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie, die Tressin vor allem vertritt, Böses. Die Forderung der IG Metall nach sieben Prozent mehr sei eine „gegen die Wettbewerbsfähigkeit des Produktionsstandortes Deutschland“ und werde weitere Unternehmen davon abhalten, „dringend notwendige Investitionen in die Transformationsprozesse“ zu tätigen. Die Gewerkschaft hat am Dienstag weitere Forderungen erhoben: Neben der Tariferhöhung um sieben Prozent sollen Auszubildende in der Metall- und Elektroindustrie 170 Euro mehr Geld bekommen.

Dazu soll eine Sozialkomponente im neuen Tarifvertrag Beschäftigte mit geringen Gehältern besser stellen. Auch die Wahl zwischen „mehr Geld“ oder „mehr Zeit“ soll für die Belegschaften ausgeweitet werden. Sie kommt bisher Schichtarbeitern und Beschäftigten zugute, die Angehörige pflegen oder Kinder erziehen. Dieses Forderungspaket schüre bei den IG-Metall-Mitgliedern „eine Erwartungshaltung, die sich nicht ansatzweise bei der derzeitigen äußerst schwierigen wirtschaftlichen Lage realisieren lässt“, findet Tressin.

IG Metall in der Pflicht

Die Forderung verwundere ihn auch, weil die Gewerkschaft „noch bis vor kurzem in gemeinsamen Aufrufen mit den Arbeitgebern an die Politik davor warnte, dass der Standort Deutschland mit seinen hohen Kostenstrukturen nicht wettbewerbsfähig ist“. Jetzt würden die Arbeitskosten völlig ausgeblendet, klagt Tressin. „Unsere Unternehmen erwarten aber, dass die IG Metall ihre Mitglieder über den tatsächlichen Ernst der Lage aufklärt und ihren Beitrag zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit, der Innovationsfähigkeit und der Investitionsrahmenbedingungen leistet“, fordert der Arbeitgebervertreter.

Hinderlich sei, Druck aufzubauen, bevor die Verhandlungen überhaupt angefangen haben. „Rote Linien“ und Warnstreiks seien „nicht die Streit- und Streikkultur, die sich die Unternehmen vorstellen“. Die Gewerkschaften dürften die Arbeitgeber nicht überfordern. Die seien mit tiefgreifenden Veränderungen konfrontiert, die viel Geld kosteten. Und das in einer „äußerst schwierigen Wirtschaftslage“. Es gehe darum, dass Deutschland wettbewerbsfähig bleibe und Arbeitsplätze sichern kann.

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