Das Werk von Louis Spohr ist zu unrecht vielen Menschen nicht bekannt, findet Chorleiter Michael Porr.
„Die letzten Dinge“Bachchor Leverkusen widmet sich unbekanntem Komponisten

Der Leverkusener Bachchor bringt ein Oratorium von Louis Spohr auf die Bühne (Archivbild)
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Michael Porr ist hörbar begeistert. „Er war ein unglaublich guter Komponist“, sagt der Leiter des Leverkusener Bachchors über Louis Spohr. Der bringt mit seinen Sängerinnen und Sängern sowie mit einem zusammengestellten Orchester am Samstag, 14. März, 19.30 Uhr, Spohrs Oratorium „Die letzten Dinge“ auf die Bühne des Forums.
Spohr war im 19. Jahrhundert aktiv, „Die letzten Dinge“ ist Mitte der 1820er-Jahre entstanden. Dass der Komponist, der noch dazu ein begnadeter Geigenvirtuose war, wie Porr berichtet, trotz großer Beliebtheit bei den Zeitgenossen heute eher unbekannt ist, missfällt dem Chroleiter. Denn seine Musik sei „sehr gut konzipiert“, man höre, dass Spohr als Geiger selbst aus dem Orchester komme.
Er sieht das Oratorium klanglich „ebenbürtig“ mit den Elias- und Paulus-Oratorien eines Felix Mendelssohn Bartholdy. Höchst dramatisch, eine Verbindung vom Oratorium zur Oper sei hörbar, beschreibt der Chorleiter. Geschrieben hatte der Komponist „Die letzten Dinge“ laut Porr für die Anfang des 19. Jahrhunderts aufkommenden bürgerlichen Gesangsvereine, Zusammenschlüssen von gut 200 Menschen. Ganz so viele sind es im Bachchor natürlich nicht, aber das Werk sei auch mit 60 Sängerinnen und Sängern gut zu meistern. Noch dazu, wenn ein hochklassiges Orchester dabei ist wie im Forum.
Der Text des Oratoriums stammt aus der Johannes-Offenbarung, Neues Testament. „Das Ende aller Dinge“ ist also inhaltlich durchaus wörtlich zu verstehen. Es geht um die Apokalpyse. Ein Umstand, an den sich die Sängerinnen und Sänger des Bachchores anfangs etwas gewöhnen mussten, sagt Porr. Die Inhalte seien einem heute schon etwas fremd. Allerdings hat sich der Chor daran natürlich gewöhnt und, wie Porr sagt, gefalle das dramatische Werk auch den Sängerinnen und Sängern außerordentlich – und ihm sowieso: „Ich bin sicher, am Ende werden alle überzeugt sein.“
Der Komponist und das Stück
Louis Spohr wurde 1784 in Braunschweig geboren und starb 1859 in Kassel. Er galt neben Niccoló Paganini als einer der größten Geiger seiner Zeit. Auch als Komponist machte er sich nach dem Tod von Carl Maria von Weber und Ludwig van Beethoven und vor dem Durchbruch von Schubert, Mendelssohn Bartholdy und Schumann einen Namen. Zu seinem Schaffen gehören Opern, Oratorien, Sinfornien und Instrumentalwerke, darunter viele Violinkonzerte.
„Die letzten Dinge“ wurde am 24. März 1826 (Karfreitag) in Kassel uraufgeführt, also vor fast genau 200 Jahren. Das Libretto hatte Friedrich Rochlitz verfasst. Es ist das zweite Oratorium von Spohr, von dem es sogar eine englische Fassung gab. Das Stück dauert 80 bis 90 Minuten. (nip)

