Bündnis gegen DepressionWie Selbsthilfegruppen durch den Corona-Winter helfen können

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Hilfe finden Leverkusener , die an Depressionen leiden, in Selbsthilfegruppen, wie hier vom „Bündnis gegen Depression“.

  • Das Bündnis will auf psychische Erkrankungen hinweisen – es gibt Hilfsangebote.
  • Zwei Betroffene erzählen.

Leverkusen – Der „Winter-Blues“ ereilt schon in jedem normalen Jahr viele von uns. Die Tage werden kürzer, das Leben eintöniger, die Gedanken dunkler. Zu Corona dürfte sich die Situation nicht gerade verbessern – im Gegenteil. „Es gibt mehr Isolation, weniger Tagesstruktur, Ängste verstärken sich“, erklärt Rita Apke vom Sozialpsychiatrischen Zentrum Leverkusen. Aus diesem Grund will das „Bündnis gegen Depression“ verstärkt auf psychische Erkrankungen hinweisen und Tipps geben, wie man trotzdem durch die dunkle Jahreszeit kommt.

Das „Bündnis gegen Depression“ gibt es in Leverkusen seit 2016. An der Initiative beteiligt sind neben dem SPZ die psychiatrische Fachklinik des LVR Langenfeld und deren Förderverein, die Sozialdienste katholischer Frauen und Männer, die Suchthilfe Leverkusen GmbH, die Kassenärztliche Vereinigung sowie Vertreterinnen und Vertreter der niedergelassenen Psychiater und psychologischen Psychotherapeutinnen.

Depression ist heilbar.

Depression ist heilbar.

„Es muss nicht unbedingt sein, dass mehr Menschen in diesem Jahr erkranken“, erklärt Apke. Doch für die, die bereits auf der Kippe stehen, wird es noch schwieriger: „Angststörungen nehmen angesichts der unsicheren Situation zu. Psychosen können sich verstärken.“ Auch Andrea Engels von der LVR, die das Bündnis seit Anfang 2018 koordiniert, berichtet von gestiegenen Anruferzahlen seit der Coronakrise.

Corona-Krise birgt Gefahren

Zwei die wissen, wie sich eine Depression anfühlt, sind Horst Gottschalk und Wolfgang Armbruster. Die beiden Leverkusener sind betroffen und haben bereits stationäre Aufenthalte hinter sich. Momentan geht es beiden gut, doch auch sie sehen die Gefahren der Corona-Krise. „Alles, was gegen Depression hilft, bricht gerade weg“, sagt Gottschalk. Sowohl er als auch Armbruster sind in Selbsthilfegruppen engagiert. Der Austausch mit anderen Betroffenen hilft beiden sehr, wie sie berichten.

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Doch das persönliche Zusammenkommen ist gerade schwierig. Die Selbsthilfegruppen können laut der Corona-Verordnung zwar unter strengen Hygienemaßnahmen stattfinden. „Aber viele haben Angst vor einer Ansteckung und nehmen daher Angebote vor Ort nicht wahr“, sagt Gottschalk. „Ich selbst auch nicht“, hakt Wolfgang Armbruster ein. „Ich bin Hochrisikopatient.“

Trotzdem versucht man, miteinander in Kontakt zu bleiben. Dennoch: Horst Gottschalk glaubt, „gefühlt werden wir nächstes Jahr viele Scherben aufsammeln müssen“. Erst nach dem Lockdown werde sich das ganze Ausmaß der Krise zeigen.

„Man muss sich ja auch erstmal bewusst werden, dass man krank ist“, sagt Wolfgang Armbruster. Ihn habe irgendwann ein Arbeitskollege angesprochen, ob bei ihm alles in Ordnung sei. „Da geht bei einem plötzlich die Lampe an.“ Die Selbsterkenntnis sei der erste Schritt zur Besserung, erklären beide Betroffenen. Horst Gottschalk krempelte nach seinem Tiefpunkt sein Leben radikal um, verließ seinen Job und arbeitet heute selbst als Genesungsbegleiter. Seine eigenen Erfahrungen mit Depression helfen ihm im Umgang mit Patienten.

Wichtig sei, wieder zu sich selbst zu finden und Dinge zu entdecken, die einem Spaß machen. „In der Klinik habe ich nach 30 Jahren wieder angefangen Tischtennis zu spielen“, so Gottschalk. Jede Person hat ihren eigenen Weg, in schlimmen Phasen mit der Depression umzugehen. Für ihn selbst sei die „Not-OP“ immer das Wandern – Schuhe anziehen und raus. Für Wolfgang Armbruster ist die Vernetzung unheimlich wichtig. Noch immer schreibe er sich Mails mit anderen Betroffenen, die er letztes Jahr in der Klinik kennengelernt habe. Zu einem Anker wurde für ihn auch die Musik – begeistert singt er in einem Rock-Chor.

Positive Gedanken

Horst Gottschalk rät außerdem dazu, zu versuchen, seine Gedanken bewusst positiv zu verändern. „Denn je mehr ich sage: »Corona ist schrecklich«, desto größer ist auch die Gefahr, dass ich in eine Krise rutsche.“ Auch Andrea Engels betont, wie wichtig es sei, aus seinem „Gedankenkarussell“ herauszukommen. Aktiv zu bleiben ist dabei ein entscheidender Faktor.

Trotz der schwierigen Situation zeigten sich die anwesenden Betroffenen gewappnet für den Corona-Winter. „Wenn man anfängt, den Anspruch an sich selbst zu senken und über sich lachen kann, ist das der Weg aus der Krankheit“, schließt Horst Gottschalk.

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